Kultur
16.01.2018

Phänomen Trump. Oder wie es so weit kommen konnte

Arte widmet dem seit einem Jahr amtierenden US-Präsidenten einen Themenabend. Heute ab 20.15 Uhr. Und danach in der Mediathek.

Hatte Wladimir Putin seine Finger im Spiel, oder nicht? Geht es nach Geheimdienstmeldungen, ist die Antwort eindeutig: Ja. Russland hat Donald Tump bei der US-Wahl geholfen - und zwar mit tausenden gehackten Mails der unterlegenen Kandidatin Hillary Clinton, die – so der Vorwurf - im Auftrag Russlands an die Enthüllungsplattform Wikileaks weitergeleitet wurden. Diese Mails brachten Clinton wiederholt in Erklärungsnot – und um viele Stimmen im Kampf ums Weiße Haus. Der daraus resultierende Sieg des politisch unerfahrenen und verhaltensauffälligen Unternehmers hat die Beziehungen zwischen den USA und Russland zwar nicht gerade verbessert, aber Donald Trump und Wladimir Putin haben durchaus Gemeinsamkeiten. Diese versucht heute, Dienstag, ein Arte-Themenabend „Phänomen Trump“ herauszuarbeiten. Den Beginn macht die Erstausstrahlung der zweiteiligen Dokumentation "Putin vs. USA" (20.15 Uhr), die auf mehr als 60 Interviews mit hochrangigen Politikern, Diplomaten und Geheimdienstoffizieren basiert.

Cyber-Krieg

Der erste Teil beginnt dort, wo für Wladimir Putin alles begann: beim KGB. Gemeinsam mit Journalisten und Historikern zeichnet die Dokumentation nach, wie Putin vom unbedeutenden Agenten zum mächtigen Präsidenten eines immer selbstbewussteren Russlands wurde – das in der Lage ist, den Cyber-Krieg in die USA und die ganze Welt zu tragen. Der Film verfolgt die Schlüsselmomente der russisch-amerikanischen Beziehungen in den letzten Jahren: insbesondere diejenigen, die Putins Angst vor einer auf Regimewechsel abzielenden US-Politik schürten. Und es wird deutlich, warum der russische Präsident vor allem Hillary Clinton als Hauptgegnerin sah.

Und genau diese dunklen Höhlen voller Intrigen, Verschwörungstheorien und Anschuldigungen versucht der zweite Teil der Dokumentation (ab 21.05 Uhr) mit Fakten auszuleuchten. Die ehemaligen Chefs der drei wichtigsten Sicherheitsdienste – Brennan vom CIA, Clapper von der DNI und Jeh Johnson vom US-Heimatschutzministerium – erklären, warum sie glauben, dass Russland hinter den Hackerattacken und anderen Beeinflussungen der Wahl stand, und wie sie versuchten, Obama zu einem harten Gegenangriff zu bewegen. Das Resultat dieser Einflussnahme heißt: Donald Trump, der seit 20. Jänner im Weißen Haus sitzt. Ein Republikaner, eitler Milliardär und ohne jegliche politische Vorerfahrung, der bislang nicht durch kluge, weitsichtige Politik, sondern mit einer pubertären „Meiner ist Größer“-Attitüde, mit rassistischen und frauenfeindlichen Äußerungen auffällig wurde.

Nach einer Gesprächsrunde zeichnet ab 22.45 Uhr Filmemacher Michael Kirk in seinem Porträt "Präsident Donald Trump" die privaten und beruflichen Momente aus Trumps Leben nach, die bis jetzt keinen Platz in den großen Schlagzeilen fanden. Er beleuchtet Trumps Kindheit in Queens, seine Erfolge und Niederlagen als Geschäftsmann, Casinobesitzer und Reality-TV-Star. Wer ist Donald Trump? Was hat ihn geprägt?

(Ehemalige) Anhänger

Zum Abschluss wirft der Themenabend einen Blick auf Trumps Wähler, denen er versprochen hat, sie und „America“ wieder „great again" zu machen. War das nur heiße Luft? Oder haben die Globalisierungsverlierer, die Vergessenen, frustrierten Arbeiter aus dem Rust Belt der USA nun tatsächlich einen Job, eine bessere Zukunft vor sich? Die Dokumentation hat auf der Suche nach Antworten fünf Durchschnittsamerikaner durch die ersten 100 Tage der Regierung Trump mit der Kamera begleitet. Sie (Handwerker, Polizisten, Sozialarbeiter, Hausfrauen und Angehörige von Minderheiten) sprechen aus ihrer Sicht über die Reden, Entscheidungen und Dekrete des 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten. Haben sich Trumps Versprechen bereits konkret auf das Leben dieser „kleinen Leute“ ausgewirkt, oder ist alles beim Alten geblieben?

"Phänomen Trump". Heute, Dienstag, ab 20.15 Uhr auf Arte. Danach bis 15. Februar via Mediathek abrufbar.