Von Peter Handke als Regisseurin vorgeschlagen: Friederike Heller

© Anne Zeuner

Kultur
08/02/2020

Peter Handke hat "die Stille in ein Gespräch verwandelt"

Regisseurin Friederike Heller über das neue Stück „Zdeněk Adamec“ von Peter Handke, das sie am 2. August zur Uraufführung bringt

von Thomas Trenkler

Proteste gegen Peter Handke, der versucht hatte, den Serben Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, gibt es nicht erst seit der Zuerkennung des Literaturnobelpreises: Es gab sie auch fünf Jahre zuvor, im Herbst 2014, als der österreichische Schriftsteller in Oslo den Ibsen-Preis bekam.

Beim Festakt war auch die deutsche Regisseurin Friederike Heller, 1974 in Berlin geboren. Sie hatte erstmals 2004 auf sich aufmerksam gemacht: Für ihre sehr präzise, auf eine abstrakte Ebene gehobene Inszenierung von Handkes „Untertagblues“ im Akademietheater wurde sie zur „Nachwuchsregisseurin des Jahres“ gewählt. Und es folgten noch zwei weitere Handke-Stücke: 2006 „Die Unvernünftigen sterben aus“ bei den Salzburger Festspielen im Rahmen des Young Directors Project und 2007 im Akademietheater „Spuren der Verirrten“.

Abgerissenes Gespräch

In Oslo kam es zu einem Gespräch mit Handke, wie Heller erzählt, über die Herausforderungen seiner Literatur für Theatermenschen. „Ich musste leider schnell zurück nach Deutschland, um irgendwelche Proben weiterzuführen. Das Gespräch riss daher ab.“ Vor etwa eineinhalb Jahren aber schlug Handke vor, dass Heller sein neues Stück „Zdeněk Adamec“ inszenieren soll. Die Salzburger Festspiele hatten nichts einzuwenden. „Ich fühlte mich geehrt“, erzählt Heller. „Wir trafen uns – und setzten unser Gespräch fort.“

Während des Lockdowns unterbrach Heller die Analyse des Textes: „Weil ich gemerkt habe, dass das kreative Denken angesichts eines angähnenden Nichts versiegt.“ Erst im Mai, als klar war, dass die Festspiele doch stattfinden können, nahm sie die Arbeit wieder auf.

Das Stück, das heute im Landestheater seine Uraufführung erlebt, ist kompatibel mit den Corona-Sicherheitsvorkehrungen. Denn es handelt sich um „eine Szene“, die keine Pause hat. Und zu Beginn heißt es, dass alle „im Abstand zueinander“ stehen – „einzeln, ein jeder für sich“.

Stille als Reichtum

„Peter hat uns erzählt, dass er einmal an einem Abend am Meer in einer Bar saß“, so Heller. „Zum Schluss blieben nur mehr ein paar verstreute letzte Gäste – und die schwiegen. Für ihn hat sich diese Stille als derartiger Reichtum angefühlt, dass ihn die Situation nie mehr losgelassen hat. Nun, drei Jahrzehnte später, hat er die Stille in ein Gespräch verwandelt.“

Eine heterogene Gruppe beschäftigt sich mit Zdeněk Adamec, der sich 2003 mit 18 Jahren auf dem Wenzelsplatz von Prag aus Protest gegen den Zustand der Welt in Brand gesteckt hat.

Heller verteilte die Sätze auf insgesamt sieben Spielerinnen und Spieler (darunter Sophie Semin und Christian Friedel), die zu Figuren mit bestimmten Eigenschaften werden: „Es gibt zum Beispiel die Skeptische, die immer nachfragt, und den Phantasten und auch einen, der sich vor Ort alles ganz genau angeschaut hat. Man versucht, die Tat zu ergründen – und identifiziert sich auch mit Adamec.

Fünf Phasen der Trauer

„Es gibt die fünf Phasen der Trauer. Daran orientiert sich das Stück – ein bisschen. Es ist ein Prozess des Loslassen-Müssens. Es gibt den ganz dunklen Moment, wo man fast stecken bleibt in den Gefühlen der Trauer, bewegungsunfähig verharrt im Stockdunklen. Und danach kann es nur bergauf gehen.“

Das Stück endet hoffnungsfroh, es wird ein Fest. Schließlich ist auch eine Band mit von der Partie. Der wohl schönste Satz Handkes lautet übrigens: „Das Schälen eines Apfels genügt, und ich weiß: Ich bin auf dem besten aller denkbaren Planeten.“