© Josef Siffert

Los Angeles
02/24/2013

Oscar Party in der Villa Aurora

Am Vorabend der Oscar-Verleihung feierte die österreichische und deutsche Prominenz aus Kultur, Wirtschaft und Politik in Los Angeles.

von Josef Siffert

Ehemals die Exil-Bleibe des deutschen Schriftstellers Lion Feuchtwanger, ist die Villa Aurora in den Pacific Palisades von Los Angeles seit 1995 Künstlerresidenz und "deutsches Kulturdenkmal des Exils". Am Samstagnachmittag trafen sich dort deutsche und österreichische Filmschaffende zu einer Pre-Oscar Party.

Unter den Anwesenden auch Claudia Schmied. Am Freitag reiste die Kultur- und Bildungsministerin nach Los Angeles. Am Flughafen in L.A. gelandet, wurde sie bei der Passkontrolle auf Haneke angesprochen, da sie ja auch Österreicherin sei, so Schmied gegenüber dem KURIER. Auf die Frage, was sie denn von der morgigen Verleihung erwarte, meinte Schmied, dass man sich ja nur schwer vorstellen könne, was alleine die Nominierung bedeute. Österreich zähle zu den Weltbesten. "Das ist außergewöhnlich und das tut auch der österreichischen Identität gut, wenn wir als kleines Land mit derartigen Leistungen aufzeigen können." Österreich bezeichnete Schmied als "Filmwunderland".

Ebenso vor Ort: Generalkonsulin Karin Proidl und Rudolf Thaler, österreichischer Wirtschaftsdelegierter in Los Angeles. Beide laden am Oscar-Abend zum Public Viewing für rund 240 geladene Gäste, darunter das Team von Hanekes Amour. Weiters auf der Gästeliste stehen Christoph Waltz, ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz sowie die Künstler Gottfried Helnwein und Marina Abramovic. Im Rahmen der Viewing Party wird auch der US-A-Biz-Award vergeben.

Bernd Neumann, deutscher Kulturminister, hob in seiner Rede die Bedeutung des europäischen Films hervor: "Es ist toll, dass der europäische Film mit US-Produktionen mithalten kann."

Filmproduzent Veit Heiduschka über Hanekes Chancen

KURIER: Fünf Nominierungen - viele räumen "Amour" gute Chancen auf einen Oscar ein? Was erwarten Sie?
Veit Heiduschka: Wir haben schon zu viele Favoriten stürzen sehen. Allein beim Weißen Band wurden wir sehr hoch gehandelt und dann war nichts. Wir würden uns freuen wenn wir was bekommen - keine Frage. Wir würden den goldenen Kerl mit nach Wien nehmen, aber es ist noch überhaupt nicht gesagt, dass das der Fall ist. Gern, aber warten wir mal ab was passiert. Im Moment weiß nur der Anwalt der die stimmen ausgezählt hat, wer gewinnt. Wir noch nicht.

KURIER: Der österreichische Film hat in den letzten Jahren stark an Ansehen und Reputation gewonnen. Woran glauben sie liegt das?
Wir haben von Anfang an eine andere Fördermentalität gehabt als das bspw. in Deutschland war. Wir haben 1981 als wir die Filmförderung eingeführt haben, uns angeschaut was in Europa funktioniert, was nicht funktioniert, und wir haben gesehen, überall dort wo die Fernsehanstalten in den Jurys sitzen - dass da in der Regel mehr Fernsehfilme entstehen als Spielfilme.

"Die Österreicher bekommen dort Preise, wo wir Deutschen nicht mal eingeladen wären."

Ich habe mal gefragt in München, weil man mir gesagt hat "ein typischer österreichischer Film": "Was ist denn das typisch österreichische - wir selber wissen das ja nicht?" Da hat man mir gesagt: "Na ihr seid´s radikaler und geht's einen Schritt weiter." Ich habe mit dem österreichischen Fernsehen oft Diskussionen gehabt, dass man gesagt hat "Ja das ist nicht adäquat für 20.15 Uhr." Ich habe gesagt, ich möchte, dass meine Zuschauer um 20.15 Uhr im Kino sitzen und nicht bei euch vor der Röhre. Ich glaube da unterscheiden wir uns etwas. Der Herr Kilb (Andreas, Anm.) von der Frankfurter hat mal geschrieben: Die Österreicher bekommen dort Preise, wo wir Deutschen nicht mal eingeladen wären. Allerdings muss ich dazu sagen hat sich in den letzten Jahren auch in Deutschland etwas geändert, der deutsche Film gewinnt an Anerkennung, aber die andern sind vielleicht momentan einen Schritt voraus.

Wir haben unter anderen auch unsere Regisseure ganz kontinuierlich aufgebaut. Es geht nicht, dass man ein Talent den ersten Film machen lässt, der zweite wird meist etwas schwieriger und nicht so gut, weil im ersten bringt er sein gesamtes leben mit - beim zweiten ist das leben schon nur noch zur Hälfte im Kopf, oder im Film oder im Drehbuch. Und dann gibt man ihm nicht die Chance den dritten Film zu machen. Das finde ich völlig falsch.

Das haben wir immer anders gemacht. Ich erzähle immer: Haneke hat seinen ersten Spielfilm mit mir gemacht, wir kamen aus Cannes zurück und da hat der damalige Direktor des Österr. Films, Mag. Schedl (Gerhard, Anm.) Haneke zum Mittagessen eingeladen und gefragt: "Herr Haneke, was planen sie als nächstes - wo können wir helfen?" Das wünsch ich mir von allen Förderungsanstalten.

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