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Reaktionen
02/25/2013

Glückwünsche für Haneke und Waltz

Reaktionen, Glückwünsche und Kommentare zum Erfolg von Haneke und Waltz: Eine weitere "Sternstunde für den österreichischen Film".

Die ersten Reaktionen auf die Oscars von Michael Haneke und Christoph Waltz fielen in der Österreichischen Residenz in Los Angeles euphorisch aus. Kulturministerin Claudia Schmied sah allein die insgesamt sechs Nominierungen für "Amour" und Christoph Waltz als eine "herausragende Leistung unter den Weltbesten" und als "Beweis, dass Qualität sich durchsetzt". Und für den Direktor des Österreichischen Filminstituts (ÖFI), Roland Teichmann, sind die Auszeichnungen "ein Wahnsinn".

Am Rande der Oscar-Party der Generalkonsulin Karin Proidl betonte Schmied gegenüber der APA, dass sie froh sei, in Los Angeles zu sein. "Das hier vor Ort zu erleben, diese Stimmung, das ist schon etwas ganz Besonderes. Zwei Oscars, wenn Sie es mich patriotisch formulieren lassen, für Österreich - das tut unserem kleinen Land gut. Das ist sehr wichtig für das Selbstvertrauen. Ich wünsche mir, dass diese Erfolge auch zurückwirken auf Österreich."

Teichmann wiederum hielt die Hoffnungen auf weitere Oscars für Haneke durchaus für berechtigt: "Aber man muss auch am Boden bleiben. Den Auslandsoscar zu gewinnen, das ist einfach großartig und beileibe nicht selbstverständlich." Die Diskussionen über die nationale Zugehörigkeit von "Amour" sind für ihn dagegen nicht zielführend. "Es haben alle das gegeben, was geht, insofern ist es im besten Sinn ein europäischer Film von einem österreichischen Regisseur und Autor."

Freude

Glückwünsche in den frühen Morgenstunden kamen auch von Bundeskanzler Werner Faymann: "Ich gratuliere den beiden für ihre Leistungen, die ihnen verdienterweise die begehrten Filmpreise eingebracht haben. Ich wünsche Christoph Waltz und Michael Haneke, dass sie auch bei ihren kommenden Projekten und Rollen mit so viel Freude und Kraft an der Arbeit sein können, wie sie es offenkundig bei den nun prämierten Filmen waren."

Gut für Österreich

Das heurige Jahr ist für Österreich sehr gut. Das bringt das Land ins Gespräch." So kommentierte der 88-Jährige Präsident des Filmfestivals "Viennale", Produzenten-Legende Eric Pleskow, am Montagvormittag im Gespräch mit der APA die beiden Oscars für Michael Haneke und Christoph Waltz. "Natürlich wäre es schön gewesen, noch den einen oder anderen weiteren Oscar zu holen, aber man muss auch jetzt sehr zufrieden sein."

Hanekes Liebes- und Sterbedrama "Amour" habe keineswegs nur die älteren Wahlberechtigten der Academy angesprochen. "Es ist ein Stoff, der alle angeht." Vor allem über einen Drehbuch-Preis für Haneke hätte er sich sehr gefreut. "Ich kenne das Drehbuch gut, da ich im Auswahlgremium des Filmfonds bin und wir den Film gefördert haben." Im Gegensatz zu den USA, wo die Darstellerpreise höheres Prestige genießen würden, liege in Europa das Hauptaugenmerk auf den Preisen in der Regie- und der Drehbuchkategorie. "Es ist ja sehr selten, dass ein Film in allen fünf Hauptkategorien (Film, Regie, Drehbuch, Hauptdarsteller, Hauptdarstellerin, Anm.) gewinnt", meinte Pleskow und verwies darauf, dass ihm in seiner Produzentenkarriere dieses Kunststück gleich zweimal - 1975 mit "Einer flog über das Kuckucksnest" und 1991 mit "Das Schweigen der Lämmer" - gelungen sei.

Dass der mit dem Oscar für den besten Film ausgezeichnete Thriller "Argo" der Eröffnungsfilm der vergangenen "Viennale" gewesen ist, erfüllt Pleskow mit Stolz. Insgesamt sei es "ein ganz gutes Jahr mit ganz guten Filmen" gewesen, bei dem ein herausragender, alles überstrahlender Film gefehlt habe. Die Tendenz gehe jedoch in eine Richtung, mit der er sich nicht vollständig identifizieren könne: "Offensichtlich gibt es heute ein immer größeres Publikum für Special Effects. Aber ich kann nicht erwarten, dass meine Enkelkinder denselben Geschmack haben wie ich."

Sternstunde

Eine "weitere Sternstunde für den österreichischen Film" ortete wiederum Regisseur Stefan Ruzowitzky im Gespräch mit der APA. Als Teil der österreichischen Filmszene freue er sich natürlich über den Oscar-Erfolg, der der "Ritterschlag schlechthin" für einen Regisseur sei. Ihm selbst ist dieses Kunststück 2008 mit "Die Fälscher" gelungen. Für eine weitere Stärkung des österreichischen Films dürfe man jedoch nicht immer nur auf die Politik schauen, vielmehr müsse das von der gesamten Gesellschaft und den Medien getragen werden. "Wenn ein österreichischer Film ins Kino kommt, sollte das ein Ereignis sein", so Ruzowitzky. Zwar habe sich die Situation für Filmschaffende in Österreich in den vergangenen Jahren gebessert, es stehe aber immer noch "in keinem Verhältnis dazu, dass der Film inzwischen das Aushängeschild der Kulturnation Österreich geworden ist", erklärte Ruzowitzky.

Aufwertung für heimischen Film

Die zwei Oscar-Prämierungen für Österreich wertete Regisseur Ulrich Seidl "wieder einmal als einen großen Erfolg" für den österreichischen Film, auch wenn der in diesem Fall bereits im Vorfeld zu erwarten gewesen war. Dennoch sei es eine große Freude. "Ich habe schon gratuliert und auch vor der Verleihung toi, toi, toi gewünscht", so der Regisseur gegenüber der APA. "'Amour' hat wahrscheinlich die meisten, aber sicher die wichtigsten Preise, die je ein Film bekommen hat, erhalten", meinte Seidl, der die Ergebnisse der Oscar-Verleihung erst in der Früh im Radio verfolgt hatte. Der Erfolg bedeute auch ein weltweites Interesse an österreichischem Film. "Was zu hoffen ist, dass der heimische Film auch beim österreichischen Publikum aufgewertet wird", erklärte der Regisseur. Noch sei das nicht der Fall, trotz internationaler Aufmerksamkeit, Erfolgen und einem Umdenken in der Politik.

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