Michael Haneke mit seinem Oscar.

© APA/ROLAND SCHLAGER

Haneke: Unsterblich mit einem Sterbe-Drama
02/24/2013

Haneke: Unsterblich mit einem Sterbe-Drama

Der KURIER traf den Starregisseur vor der Oscar-Gala. Sein Film „Amour“ ist fünf Mal nominiert.

von Gert Korentschnig

Meine Art, Filme zu machen, ist nur verständlich als Opposition zum Mainstream-Kino“, sagt Michael Haneke. Die renommierteste Auszeichnung für künstlerisch anspruchsvolle Filme, die Goldene Palme in Cannes, hat Haneke schon zwei Mal gewonnen. Nun wird sein Film „Amour“ ausgerechnet im Zentrum des Mainstream-Kinos, in Hollywood, gewürdigt, wie kaum ein europäischer Film zuvor. Bei der Oscar-Gala, die in der Nacht auf Montag in Los Angeles stattfindet, ist Hanekes Meisterwerk in fünf Kategorien nominiert. Selbst die berühmte Academy kommt also an den Qualitäten des österreichischen Filmemachers nicht mehr vorbei. Ein Sterbedrama macht Haneke künstlerisch unsterblich.

Die Oscar-Chancen

„Amour“ ist zugleich als bester nicht-englischsprachiger Film und als bester Film überhaupt nominiert. Diese Ehre wurde erst drei Filmemachern zuteil: Costa-Gavras, Ang Lee und Roberto Benigni. Haneke selbst könnte noch den Oscar für die beste Regie und für das beste Original-Drehbuch bekommen. Und seine Hauptdarstellerin Emmanuelle Riva jenen für die beste Schauspielerin. Sie wird heute 86 und wäre die älteste Ausgezeichnete der Oscar-Geschichte. Welchen dieser Oscars würde Haneke am liebsten bekommen? „Jeden.“ Wie erklärt er sich, dass ausgerechnet „Amour“ schon derart preisgekrönt wurde, mit der Palme, dem Golden Globe, zuletzt gleich mit fünf Césars? „Das ist ein Thema, das jeder in seiner Familie finden kann. Bei den Großeltern, den Eltern oder einmal bei sich selbst.“ Schade findet er nur, dass Rivas Filmpartner, der große Jean-Louis Trintignant, nicht nominiert ist. „Das tut mir für ihn wirklich leid. Aber man hat mir erzählt, dass es heuer besonders viele herausragende Leistungen von männlichen Schauspielern gegeben haben soll.“ Das sagte Haneke beim Gespräch mit dem KURIER in Madrid, wo er seit 1. Jänner Mozarts „Così fan tutte“ inszenierte. Bei der gestrigen Premiere konnte er nicht mehr anwesend sein, weil er schon nach L. A. hatte reisen müssen.

KURIER: Stimmt es, dass Sie in Zukunft keine Oper mehr inszenieren werden?Michael Haneke: Ich sage niemals nie. Aber eine Oper kostet sehr viel Zeit. Und es gibt ja auch nur wenige Werke, für die ich der Richtige bin.

Sie haben vor „Così“ Mozarts „Don Giovanni“ in Paris inszeniert. Eigentlich wäre es logisch, Ihren persönlichen Da-Ponte-Zyklus mit „Nozze di Figaro“ zu beenden. Aber „Figaro“ ist das Schwierigste überhaupt. Ich habe mit dem Intendanten Gérard Mortier darüber gesprochen. Aber das traue ich mir nicht zu. Auch, weil es meine Lieblingsoper ist.

Warum hat man in Wien noch keine Opernregie von Ihnen gesehen? Die „Così“ war als Koproduktion mit dem Theater an der Wien gedacht. Aber das müssen Sie den Intendanten Roland Geyer fragen, warum er ausgestiegen ist. Ich mag dieses Haus sehr und komme oft zu Premieren. Auch Dominique Meyer hat mich gefragt, ob ich an der Staatsoper inszenieren würde. Das blieb aber sehr theoretisch. Burgtheaterdirektor Matthias Hartmann, ein Freund von mir, versucht mich auch immer wieder zu überreden. Aber Sprechtheater will ich nicht mehr machen. Und bei Opern nur das, von dem ich glaube, dass es mir gelingen kann.

Ist es wahr, dass sich Ihr nächster Film um das Thema Internet drehen wird? Ich beginne erst mit dem Schreiben. Und wahrscheinlich kommt das Internet irgendwie vor. Aber es wird kein expliziter Film über das Internet. Das wäre ja auch eine viel zu komplexe Angelegenheit.

Zuletzt gab es einen falschen Michael Haneke auf Twitter. Haben Sie das verfolgt? Ich nutze solche Foren ja nie. Aber meine Studenten haben mich darauf aufmerksam gemacht. Ich finde, wenn man parodiert oder karikiert wird, dann hat man wirklich Erfolg.

Parodiert, wie Sie es zuletzt auch von Grissemann und Stermann wurden ... Ich mag die beiden sehr. Das sind zwei intelligente Burschen.

Film und Musik

Was der Musikliebhaber Haneke übrigens gar nicht schätzt, ist Filmmusik, wie man sie im Mainstream-Kino immer wieder hört. „Ich hasse es, wenn alles zugesuppt wird. Das kaschiert meistens nur die Schwächen der Regie. Bei Genre-Filmen wie dem Italo-Western ist das natürlich anders.“ Musik könne ein wunderbarer Bestandteil eines Filmes sein, wenn sie als Zitat eingesetzt werde. Haneke: „In ,Amour‘ hört man einmal den Bach-Choral ,Aus der Tiefe rufe ich, Gott, zu Dir‘. Für denjenigen, der das versteht, ist das eine assoziative Anreicherung.“

Preisregen

Der österreichische Regisseur Michael Haneke (70) räumte mit „Amour“ schon vor dem Oscar bei Preisverleihungen groß ab. Am Freitag erhielt der Film gleich fünf Césars, die französischen Filmpreise: Bester Film, beste Regie, bestes Drehbuch, beste Hauptdarstellerin, bester Hauptdarsteller. Beim Oscar ist „Amour“ auch fünf Mal nominiert. Schon mit dem Film „Das weiße Band“ war Haneke für den Oscar nominiert.

Im Fernsehen Live-Übertragungen aus dem Dolby Theater in Los Angeles gibt es in der Nacht auf Montag auf PRO7 (ab 0.35 Uhr) und auf ORFeins (ab 1.15 Uhr).

Liveticker: KURIER.at wird die gesamte Oscar-Gala ab 1 Uhr live tickern und kommentieren.

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