Pizza für die Stars.

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86. Oscar-Verleihung
03/03/2014

Die Oscarnacht als Muttertag

Sieben Oscars für "Gravity", null für "American Hustle": Eine Analyse der Oscar-Nacht.

Ja, es gab zweifellos Überraschungen an diesem 86. Oscar-Abend: etwa, dass wir Brad Pitt beim öffentlichen Pizza-Essen zuschauen durften. Und Martin Scorsese. Und erst Jennifer Lawrence! (Sie griff, es sei verraten, zur Quattro Stagioni, und zwar herzhaft wie sie eben ist).

Und ja, für all diese Überraschungen sorgte eine einzige Frau: Komikerin Ellen DeGeneres, die souveräne großartige Präsentatorin des Abends. "Sie haben zwei Optionen. Option Eins: ,12 Years a Slave‘ gewinnt als Bester Film. Option 2: Sie sind alle Rassisten."

DeGeneres erfüllte mit entspanntem Witz genau das, was man sich von einer Oscarverleihung erwarten darf: Berühmten Menschen in berühmten Kleidern zuschauen, wie sie das berühmteste Gesellschaftsspiel des Films zelebrieren (und dabei wie du und ich Pizza essen).

Und die Preise selbst?

Auch wie du und ich.

Die Gewinner im Überblick

Jared Leto

Matthew McConaughey, Jared Leto

Adruitha Lee, Robin Mathews

Laurent Witz, Alexandre Espigares

Neil Corbould, Tim Webber, David Shirk, Chris Lawr

Del Vecho, Lee and Buck accept the Oscar for best

Nicholas Reed, Malcolm Clarke

Kevin Spacey

Toni Servillo, Paolo Sorrentino

Chris Munro

Chris Hemsworth, Charlize Theron, Skip Lievsay

Lupita Nyong'o

Lupita Nyong'o, Christoph Waltz

Jennifer Garner, Benedict Cumberbatch, Catherine M

Steven Price, Jamie Foxx

Kristen Anderson-Lopez, Robert Lopez

John Ridley, Robert De Niro, Penelope Cruz

Robert De Niro, Penelope Cruz, Spike Jonze

Alfonso Cuaron

Cuaron poses with the Oscars for best director and

Cate Blanchett

Blanchett speaks on stage after she won best actr

Matthew McConaughey accepts the Oscar for best act

Pitt and the rest of the cast including director a

"12 Years a Slave" director Steve McQueen poses wi

Keine Überraschung

Vorausgesagt und eingetroffen: Ein Start-Ziel-Sieg des visuell überirdisch eindrucksvollen Weltraum-Thrillers "Gravity" (sieben Oscars), während der Hauptpreis für den besten Film politisch höchst korrekt an "12 Years A Slave" ging. Auch die Nebendarstellerin bekam dafür als Beste einen Oscar und deshalb auch gleich Tränen in den Augen: die Kenianerin Lupita Nyong’o.

Beachtenswert an diesen Entscheidungen ist immerhin, dass hinter beiden großen Gewinnern Nicht-Amerikaner stecken. "Gravity" wurde geschrieben und inszeniert von dem Mexikaner Alfonso Cuarón, bekannt als Autorenfilmer, etwa für "Y Tu Mamá También". Er bekam prompt zwei der sieben Oscars selber: als Regisseur und für den Schnitt. Und ist somit der erste Lateinamerikaner, der mit dem Regie-Oscar ausgezeichnet wurde.

Die längst fällige Geschichtsstunde zum Thema Sklaverei wiederum kam von Regisseur Steve McQueen, einem Briten durch und durch. "Menschen dürfen nicht nur überleben können, sie müssen leben können", verkündete er. Seine Sklavensaga wird ab nächstem Jahr in den USA sogar im Schulunterricht eingesetzt. Auch McQueen selbst geht in die Geschichte ein: nicht nur wegen seiner Luftsprünge auf der Bühne, auch weil er als erster Schwarzer den Oscar für den besten Film übernehmen durfte (neben Produzent Brad Pitt & Co).

Beste Schauspielerin wurde ebenfalls eine Ausländerin: die sichtlich gerührte Cate Blanchett, gebürtige Australierin, bekam den Oscar für Woody Allens "Blue Jasmine" (und hätte ihn nebenbei auch fürs schönste Kleid verdient).

Dank an Gott

Es gab aber auch so richtige Amerikaner, die gewonnen haben: Matthew McConaughey magerte für seinen Aids-kranken Cowboy in "Dallas Buyers Club" dank Maniokwurzel-Pudding ergreifende 20 Kilo ab. Aber nicht nur deshalb durfte er die Trophäe als bester Schauspieler entgegennehmen. Auch wegen seines krassen Image-Wechsels, war er doch zuletzt nur auf kommerzielle Komödien abonniert. Wie viele an diesem Abend dankte er brav Gott und der Welt und Mama und Papa. Überhaupt schien Muttertag in dieser Oscar-Nacht zu sein (viele, auch Jared Leto, hatten ihre Mamas leibhaftig dabei).

Andere Überraschungen? Goldie Hawns Gesicht. War sie es wirklich? Kim Novak, die den Text offenbar in der Garderobe vergessen hatte. Und dass Spike Jonze für seinen Liebesfilm "Her" (bei uns ab Ende März im Kino) den Oscar für das beste Drehbuch bekam: Ein Dreifachhoch für diese überraschende Entscheidung.

Bleiben noch die Leerausgänger wie "American Hustle" (zehn Mal nominiert) und Martin Scorseses grandioses "Wolf of Wallstreet" (fünf Mal ): beide null gewonnen. Auch Leonardo DiCaprio ging unfassbarerweise wieder ohne den berühmten Staubfänger nach Hause und ist somit: Bester Schauspieler ohne jeden Oscar. Scorseses Film zum Thema Gier und Turbokapitalismus (gnadenlos, lustig und gesellschaftskritisch) war der Academy offenbar dann doch allzu nah am amerikanischen Heute. Ganz im Gegensatz zu "12 Years a Slave".

Außenseiter im Oscar-Regen

Nicht nur zwei Oscars brachte ihm "Gravity" ein, sondern auch – graue Haare: "Der Film hat so lange gedauert, er nahm mir die Farbe meiner Haare", scherzte Alfonso Cuarón, Regisseur von "Gravity" über die Mühsal der Dreharbeiten. Über vier Jahre lang arbeitete der 1961 in Mexiko geborene Filmemacher an seinem exquisiten Weltraum-Trip, allein drei davon investierte er in die Herstellung der Spezialeffekte. Mit "Gravity" und seinen atemberaubenden Panorama-Blicken ins All revolutionierte Cuarón die 3-D-Technologie im Kino.

Diesen Aufwand dankte ihm Hollywood mit insgesamt sieben Oscars. Denn damit erfüllte er ein Traumziel der Filmindustrie und seiner großen Studios: Intelligentes Blockbuster-Kino in ausgeklügelter 3-D-Technologie, das für Warner Bros. weltweit über 360 Millionen Dollar einspielte.

Auch das Risiko, George Clooney als Hauptdarsteller relativ bald zu entsorgen und stattdessen "nur" auf einen weiblichen Star – die famose Sandra Bullock – zu setzen, erwies sich als hervorragender Schachzug. Dabei gab es genug Menschen im Vorfeld, die ihm von diesen "Risiko" abrieten.

Bereits in der Vergangenheit bewies Cuarón ein gutes Händchen für kluges Unterhaltungskino. Seinen Durchbruch feierte er mit der Charles-Dickens-Verfilmung "Große Erwartungen" (1998) mit Stars wie Robert DeNiro und Gwyneth Paltrow. Mit der Verfilmung des dritten "Harry Potter"-Films – "Harry Potter und der Gefangene von Askaban" gab er der Serie einen neuen Look. 2001 reüssierte er mit dem erotischen Roadmovie aus Mexiko "Y Tu Mamá También – Lust for Life". Und der apokalyptische Sci-Fi-Thriller "Children of Men", in dem die Menschheit vom Aussterben bedroht ist, brachte ihm drei Oscar-Nominierungen ein. Mit seinem 7-fachen Oscar-Gewinn steht Cuarón mit "Gravity" nun auf dem vorläufigen Höhepunkt seiner Karriere.

Ebenso Steve McQueen: Der 44-jährige Brite lieferte mit seiner intensiven Sklaven-Tragödie "12 Years A Slave" seine erst dritte Regiearbeit ab. McQueen kommt aus der bildenden Kunst, gewann 1999 den Turner-Preis und nahm mit seinen Video-Arbeiten an der documenta teil.

Mit dem IRA-Drama "Hunger" (2008) und der Sexsucht-Eskapade "Shame" (2011) – beide Filme mit dem unvergleichlichen Michael Fassbender – machte er sich auch in der Filmwelt einen Namen. "12 Years a Slave" ist seine erste US-Produktion, für die auch Brad Pitt verantwortlich zeichnet. "Meine Vorfahren waren Sklaven", sagte der Regisseur dem Sender CNN. Seine Eltern stammten von der Karibikinsel Grenada. Nun ist er seit 86 Jahren der erste schwarze Regisseur, dessen Film mit einem Oscar ausgezeichnet wurde.

Rodeo-Reiter und High Society

Was ihm Leonardo DiCaprio wohl ins Ohr flüsterte, als er auf dem Weg zur Bühne war, um seinen Oscar als bester Hauptdarsteller abzuholen?

Wir werden es wohl nie wissen – nur so viel: Wie zu erwarten, hat Matthew McConaughey seinem Konkurrenten Leonardo DiCaprio den Rang um den besten Schauspieler abgelaufen. McConaughey erhielt für die Darstellung eines an Aids erkrankten Rodeo-Reiters in dem Bio-Pic "Dallas Buyers Club" den begehrten Goldbuben – und DiCaprio für sein tolles Spiel in "The Wolf of Wall Street" schon wieder nicht.

Dabei teilen die beiden eine fantastische Szene in Scorseses Banker-Satire: Matthew McConaughey – für seine Rolle in "Dallas Buyers Club" bereits alarmierend abgemagert – zeigt dem Newcomer DiCaprio, wie man sich als Banker fit macht. Er schließt die Augen, schlägt sich mit der Faust auf die Brust und singt zur Verblüffung der anderen Restaurant-Gäste ein lautes "Om".

Angeblich praktizierte McConaughey diese Entspannungstechnik tatsächlich auf dem Set von "The Wolf of Wall Street" – und wurde von Scorsese gleich gebeten, das bitte auch vor laufender Kamera zu tun.

Aber dass der 44-jährige Texaner ein etwas schräger Vogel ist, konnte man sich ohnehin schon länger denken. Nicht nur, weil er einmal wegen Ruhestörung verhaftet wurde, weil er nachts nackt auf seiner Bongo-Trommel wütete. Man braucht sich nur seine etwas wirre Dankesansprache bei der Oscar-Verleihung anhören: Da ist viel von Gott und von ihm selbst die Rede.

Aber gerade in seiner Karriere hat McConaughey ordentlich Mut zum Wandel bewiesen. Legendär sein cooles Filmdebüt in Richard Linklaters "Dazed and Confused" (1993), wo er unnachahmlich seinen Schnauzbart zur Schau trägt. In den Nullerjahren hingegen trieb sich McConaughey meist in seichten Gewässern der Romantikkomödien herum – man denke nur an "Wedding Planner" und "Wie werde ich ihn los – in zehn Tagen?"

Irgendwann hatte er dann genug von der Rolle des gefälligen Schönlings und arbeitete diesem Image aktiv entgegen. Für "Dallas Buyers Club" schließlich magerte er nicht nur radikal ab, sondern warf sich auch sonst spielwütig in die Rolle des homophoben Texaners. Ein Karrierewechsel, der sich glänzend gelohnt hat.

Von Cate Blanchett hingegen wusste man immer schon, dass sie eine hervorragende Schauspielerin ist. Belohnt wurde sie damit bereits vor genau zehn Jahren mit dem Oscar als beste Nebendarstellerin – in Scorseses "Aviator". Nun erhielt sie den Oscar für beste Hauptdarstellerin in "Blue Jasmine". In Woody Allens Tragikomödie setzte die 44-jährige Australierin einen Bühnenerfolg fort, den sie bereits als Blanche Dubois in "Endstation Sehnsucht" gefeiert hatte.

Blanchett versteht es einfach hervorragend, die oberflächliche Society-Lady Jasmine mit dramatischem Innenleben auszustatten. Ihre Bühnenarbeit führte Blanchett übrigens auch nach Wien, wo sie im Rahmen der Festwochen in Botho Strauß’ "Groß und klein" auftrat.

Zu ihren bekanntesten Rollen aber zählen zweifellos "Elisabeth" und ihre Elbenkönigin Galadriel in der "Herr der Ringe"-Trilogie.

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Kategorie

Bester Film

"12 Years a Slave"

(Regie: Steve McQueen, Produzenten: Brad Pitt, Dede Gardner, Jeremy Kleiner, Steve McQueen and Anthony Katagas)

Regie

Alfonso Cuaron

("Gravity")

Hauptdarsteller

Matthew McConaughey

("Dallas Buyers Club")

Hauptdarstellerin

Cate Blanchett

("Blue Jasmine")

Nebendarstellerin

Lupita Nyong'o

("12 Years a Slave")

Nebendarsteller

Jared Leto

("Dallas Buyers Club")

Nicht-englischsprachiger Film

"La Grande Bellezza"

(Italien, Regie: Paolo Sorrentino)

Kamera

Emmanuel Lubezki

("Gravity")

Originaldrehbuch

Spike Jonze

("Her")

Adaptiertes Drehbuch

John Ridley

("12 Years a Slave")

Schnitt

Alfonso Cuaron und Mark Sanger

("Gravity")

Filmmusik

Steven Price

("Gravity")

Filmsong

"Let It Go"

Von Kristen Anderson-Lopez und Robert Lopez ("Frozen")

Produktionsdesign

Catherine Martin und Beverley Dunn

("The Great Gatsby")

Tonschnitt

Glenn Freemantle

("Gravity")

Tonmischung

Skip Lievsay, Niv Adiri, Christopher Benstead und Chris Munro

("Gravity")

Spezialeffekte

Tim Webber, Chris Lawrence, David Shirk und Neil Corbould

("Gravity")

Animationsfilm

"Frozen"

(Regie: Chris Buck und Jennifer Lee)

Animations-Kurzfilm

"Mr. Hublot"

(Regie: Laurent Witz und Alexandre Espigares)

Dokumentarfilm

"20 Feet from Stardom"

(Regie: Morgan Neville, Gil Friesen und Caitrin Rogers)

Dokumentar-Kurzfilm

"The Lady in Number 6: Music Saved My Life"

(Regie: Malcolm Clarke und Nicholas Reed)

Make-up/Frisur

Adruitha Lee und Robin Mathews

("Dallas Buyers Club")

Kostümdesign

Catherine Martin

("Der grosse Gatsby")

Kurzfilm

"Helium"

(Regie: Anders Walter und Kim Magnusson)

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