Eines der acht Tee-Extraktkännchen, das Marianne Brandt 1924 im Rahmen ihrer Bauhaus-Ausbildung fertigte.

© Gunter Lepkowski © VG Bild-Kunst Bonn

Ausstellung
10/02/2019

"Original Bauhaus" in Berlin: Das Treffen der Teekannen

Die Ausstellung "Original Bauhaus" in Berlin zeigt spielerisch, wie die Kunstschule die Moderne beeinflusste.

von Marco Weise

"Zeichnen Sie zuerst eine Katze, danach eine Giraffe und zum Schluss ein Zebra.“ So lautet eine Aufgabenstellung bei der vom Studio Syntop entworfenen interaktiven Station, die sich im Rahmen der Ausstellung in der Berlinischen Galerie spielerisch dem Jubiläum „100 Jahre Bauhaus“ nähert. Die Arbeit nimmt auf den sogenannten „Vorkurs“ Bezug, der vom Schweizer Maler und Kunstpädagogen Johannes Itten (u. a. auch in Wien) entwickelt wurde. Der als pädagogische Basis geltende Einführungslehrgang sollte die Bauhaus-Schüler zum Experimentieren anregen. Sie sollten sich „frei machen von den üblichen Denkweisen, den Umgang mit verschiedenen Materialien pflegen, persönliche Vorlieben und Neigungen entdecken. Damit wurden sie schöpferisch herausgefordert und angestachelt“, wie es einem eine Stimme aus dem Audioguide erklärt.

Diese Schülerarbeiten stehen dann auch im Zentrum von „Original Bauhaus“, wo noch bis 27. Jänner 50 originale Studienarbeiten gezeigt werden: Farbübungen bei Paul Klee, Zeichnen nach Lichtbildern bei Johannes Itten, Papier falten bei Josef Albers, Gleichgewichtsstudien bei László Moholy-Nagy oder Farbkreise aus dem Unterricht bei Wassily Kandinsky. Damit wird das Bauhaus als das gezeigt, was es in erster Linie war: eine Kunstschule, die 1919 von Walter Gropius in Weimar gegründet wurde. Der Architekt wollte damit nach den Schrecken des Ersten Weltkriegs mit einer neuen Gestaltung alltäglicher Dinge einen modernen Menschen prägen und eine „Baukunst“ schaffen – ein zu der Zeit vollkommen neues Konzept.

Die Zusammenführung von Kunst und Handwerk war zwar nur 14 Jahre aktiv (zuerst in Weimar, dann in Dessau und zum Schluss in Berlin), prägt aber bis heute das Bild modernistischer Strömungen und Design-Bewegungen.

Baustelle

Für die Ausstellung „Original Bauhaus“ konnte die Kuratorin Nina Wiedemeyer auf die Sammlung des Berliner Bauhaus-Archivs zurückgreifen. Dass dieses ausgerechnet zum Jubiläum saniert und erweitert wird, könnte man als planerisches Missgeschick in den Geschichtsbüchern vermerken. Das gilt auch für die von Mies van der Rohe entworfene Neue Nationalgalerie – ebenfalls eine Baustelle, die noch bis Mitte 2020 saniert und erweitert wird.

Aber zurück zur Ausstellung: Anhand von vierzehn Themenräumen werden aus vierzehn Jahren Bauhaus vierzehn Schwerpunkte gesetzt – und Geschichten erzählt. Etwa jene des Tee-Extraktkännchens, das Marianne Brandt 1924 im Rahmen ihrer Ausbildung in der Metallwerkstatt fertigte. Acht Stück gibt es weltweit davon. Sieben konnte man für „Original Bauhaus“ zusammentragen: „Die Kannen treffen sich hier zum ersten Mal“, sagt Nina Wiedemeyer im KURIER-Gespräch. Das achte Modell befindet sich im neuen Bauhaus Museum in Dessau.

Einer anderen Bauhaus-Ikone wird ebenfalls die nötige Aufmerksamkeit geschenkt: Marcel Breuers Stahlclubsessel. Im Gegensatz zu Brandts Teekännchen, die Unikate blieben, gingen die Sessel in Serienproduktion. Aber erst in den Sechzigern. Und damit rund 40 Jahre nachdem Breuer im Alter von 23 Jahren das erste Design dafür entwarf. Der Stuhl wurde erst bekannt, als 1964 der Italiener Dino Gavina auf die vergessenen Möbelentwürfe von Breuer aufmerksam wurde, die Lizenz dafür erwarb und ihn in einer Adaption als „Wassily Chair“ auf den Markt brachte.

Die Frage nach dem Original und der Kopie zieht sich dann auch wie ein roter Faden durch die sehenswerte Ausstellung. „Bauhaus ist streitbare Diskussion“, heißt es dazu im Audioguide. Und es gilt: Eigene Erfahrungen zu machen – entweder bei der bereits eingangs erwähnten interaktiven Station in der Berlinischen Galerie oder im Rahmen eines geführten Stadtspaziergangs - hier buchbar - durch Berlin mit Fokus auf Architektur. Gemessen an der Größe der Stadt findet man zwar nur wenige realisierte Bauhaus-Gebäude. Aber man sieht an einigen Beispielen, wie die Kunstschule die Moderne, die Zukunft beeinflusst hat – und noch immer prägt.

Kunstschule: Die 1919 von Walter Gropius in Weimar gegründete Schule führte auf eine einzigartige Weise Kunst und Handwerk zusammen, die den Grundstein für die Avantgarde der klassischen Moderne legten. Das Bauhaus musste unter politischem Druck erst von Weimar nach Dessau (1925) und dann nach Berlin (1932) umziehen. Dort war 1933  Schluss, da die Nazis die Werke einiger Bauhäusler als „entartete Kunst“ einstuften. 

Ausstellung: „Original Bauhaus“ in der  Berlinischen Galerie.
Weitere Ausstellungen zum Jubiläum: „Das Bauhaus kommt aus Weimar“ (Bauhaus Museum Weimar); „Versuchsstätte BauhausBauhaus Museum Dessau.   

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