Kultur 17.05.2018

Umstrittener FPÖ-Mann Steger wird oberster ORF-Aufseher

© Bild: APA/GEORG HOCHMUTH

Alt-Vizekanzler Norbert Steger wird nach heftiger Kritik und mit einigen Gegenstimmen ORF-Stiftungsratsvorsitzender.

Norbert Steger ist der neue Vorsitzende des ORF-Stiftungsrates. Der FPÖ-Vertreter im obersten, 35-köpfigen ORF-Aufsichtsgremium wurde mit großer Mehrheit (25 Pro-Stimmen, 9 Gegenstimmen und eine Enthaltung) gewählt. Das türkis-blau dominierte Gremium hat damit ihre erste Personalie im ORF über die Bühne gebracht. 

An der sich abzeichnenden Wahl Stegers hatte es im Vorfeld Kritik gegeben: Dieser hatte jüngst im KURIER von einem "linken Endkampf" im ORF gesprochen und die Streichung von Korrespondenten wegen missliebiger Berichterstattung gefordert.

Nicht gewählt wurde Steger von den fünf Arbeitnehmer-Vertretern, den Räten aus Wien und Kärnten sowie von Stiftungsräten der Neos, der Liste Pilz sowie der SPÖ.

Misstrauen

Kärntens unabhängiger Sitftungsrat Siggi Neuschitzer erklärte im Anschluss seine Ablehnung Stegers mit "Misstrauen. Ich glaube sein Bekenntnis zu den Bundesländern nicht, nach all dem, was er schon gesagt hat." So hatte Steger einmal vorgeschlagen, in einem neuen ORF-Gesetz die Vertretung der Bundesländer von neun auf zwei zu reduzieren. Neuschitzer kritisierte auch die neue Mehrheit dafür, dass man intenisv versucht habe, die Bundesländer-Vertreter "auseinander zu dividieren".

Zustimmung

Tatsächlich stimmten nicht nur alle ÖVP-dominierten Bundesländer für Steger sondern auch das rot-blaue Burgenland.

Steger hat, so berichteten Stiftungsräte nach der Wahl, seine Kritik an den Auslandskorrespondenten relativiert, diese als Asset bezeichnet und sogar für einen Ausbau plädiert. Was etwa den von der Bundesregierung entsandten Alfred Trendl, der auf seine Unabhängigkeit pocht, die Zustimmung erleichterte. 

Zum Stellvertreter Stegers wurde einstimmig der Bürgerliche Franz Medwenitsch gewählt. Dieser übernimmt auch den Vorsitz des Programm-Ausschusses. Jenen für Finanzen sitzt wieder Thomas Zach, Chef des ÖVP-nahen Freundeskreises, vor. Beide haben in den Ausschüsses jeweils Stellvertreter von der FPÖ.

Channel-Manager

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz hat, fast erwartungsgemäß, nur bedingt vor, die Hearing-Ergebnisse der Redakteure in seine anstehenden Personal-Entscheidungen zu den neuen Channel-Managern und Chefredakteuren einfließen zu lassen. Laut SPÖ-Vertreter Heinz Lederer wird der ORF-Chef seine Entscheidungen dazu nächste Woche nach einem Gespräch mit Redakteursvertretern bekanntgeben. Das muss er nur führen, wenn er ihrem Votum nicht folgt. Die Hearings hatten zum Teil dramatisch schlechte Abstimmungsergebnisse für die seit Wochen kolportierten, von der Regierungskoalition wohl schon abgenickten Kandidaten gegeben. Lediglich ORFeins-Info-Chefin Lisa Totzauer, die den Einser-Kanal führen soll, steht außer Streit. Hingegen gab es für Matthias Schrom, der den wichtigen Posten des ORF2-Chefredakteurs übernehmen soll, lediglich 9 von insgesamt 105 gültigen Stimmen.

( kurier.at , sic ) Erstellt am 17.05.2018