ORF-Landesstudios: Frauenquote wird für Clemens Pig zur Herausforderung
Der neu bestellte ORF-Chef Pig will bei Top-Jobs annähernd Geschlechterparität - auch in den Bundesländern.
Mit dem Ablauf der Bewerbungsfrist für vier zentrale ORF–Direktionen sowie für jene der Bundesländerstudios hat nun Clemens Pig die Qual der Wahl. Für den neu bestellten ORF-Generaldirektor gilt das nicht nur in Bezug auf die Personalauswahl, weil es eine Vielzahl an qualifizierten Bewerbungen geben soll.
Es gilt auch in Hinblick auf jene, die mitreden wollen. Bei den gesetzlich vorgegebenen neun Länderstudios wurde zwar das Anhörungsrecht der Landeshauptleute bei Direktorenbestellungen abgeschafft. Davon ganz zu lassen, wird dem einen oder der anderen nicht leichtfallen. Und in der Realität - die nächste ORF-Gesetzesänderung kommt bestimmt – braucht es eine Gesprächsbasis.
Eine große Hürde hat sich zudem Pig selbst gelegt: Er möchte bei den Bundesländerstudios, wie schon bei den zentralen Direktionen, eine annähernde Geschlechterparität anstreben.
Frauenmangel in der Chefetage
Das wird nicht einfach. Bisher gibt es nur drei ORF-Landesdirektorinnen – mit Ablauf der Geschäftsperiode Ende 2026 gehen zwei von ihnen in Pension. Das sind Waltraud Langer (Salzburg) und Karin Bernhard (Kärnten). Einen altersbedingten Wechsel wird es auch in Graz geben, wo Gerhard Koch (65) seinen Abschied nehmen wird. In diesen Landesstudios stehen jedenfalls Wechsel an der Führungsspitze bevor.
Fürs Landesstudio Steiermark ist schon länger ein prominenter Name im Spiel: „ZIB“-Moderatorin Nadja Bernhard. Kolportiert wird sie, weil sie eine Managementausbildung in der Schweiz absolviert haben soll. Auch beim einen oder anderen steirischen Event wurde sie gern gesehen. Bernhard will auf Nachfrage zum Thema Bewerbung nichts bestätigen. Am Küniglberg geht man aber fix davon aus.
Im Rennen sind weiters u. a. Chefredakteur Wolfgang Schaller, Radioprogrammchefin Sigrid Hroch und Birgit Zeisberger (Reporterin und Chefin vom Dienst).
Für Kärnten winkt hingegen ein anderer TV–Star ab: „Das Gespräch“-Moderatorin Susanne Schnabl-Wunderlich. Sie habe sich „eine Bewerbung sehr gründlich überlegt“, sagte sie dem KURIER: Sie fühle sich mit dem Landesstudio wirklich verbunden. Aber im Moment passe das noch nicht zu ihrer Lebens- und Arbeitsplanung. Sie freue sich auf neue spannende Projekte rund um „Das Gespräch“, Diskussionen und Debatten.
Fürs Klagenfurter Studio werden nun Radioprogrammchef Martin Weberhofer und Chefredakteur Bernhard Bieche intensiv kolportiert.
In Salzburg könnte mit Kristina Stiller, Wirtschaftsressortleiterin im ORF-Newsroom, erneut eine Frau die aufgehende Lücke ausfüllen. Beworben hat sich auch Langzeitchefredakteur Gerd Schneider, der das Vertrauen der politischen Landesspitze genießt. Ihre Ambitionen deponiert hat zudem Moderatorin Romy Seidl-Laux. Laut SN hat sich Robert Altenburger, ehemals ServusTV-Chefredakteur und jüngst Bewerber um den ORF-Generaldirektor, ums Landesstudio und eine weitere Direktoriumsstelle beworben.
Herausforderung Burgenland
In die Verlängerung ihrer Amtszeit gehen dürften: Edgar Weinzettl in Wien, in Tirol Esther Mitterstieler, Klaus Obereder in Oberösterreich, in Vorarlberg Markus Klement und, überraschend, Alexander Hofer in Niederösterreich, der KURIER berichtete. Überraschend deshalb, weil von ihm eine Bewerbung für eine zentrale Programmdirektion erwartet wurde.
Spannend könnte es im Burgenland werden. Landeshauptmann Hans Peter Doskozil wollte schon vor fünf Jahren Werner Herics nicht, heißt’s in ORF-Kreisen. Das Problem: Herics, der mehrere Jahre auch im Printbereich tätig war, hat sich wieder - und nur - für das Landesstudio in Eisenstadt beworben.
Er ist damit allerdings nicht allein. Auch „Burgenland heute“-Moderatorin Elisabeth Pauer-Gerbavsits, die zudem als Chefin vom Dienst fungiert, ist im Rennen. KURIER-Informationen zufolge hat sich weiters Melanie Balaskovics beworben. Diese hatte sich erst am Mittwoch von der Caritas Burgenland getrennt, wo sie Direktorin war. Viele Jahre war sie u. a. als Moderatorin von „Burgenland heute“ auf dem TV-Schirm zu sehen.
Angesichts der Situation als Gedankenspiel unterwegs ist nun eine Berufung von Herics in den Bereich Finanzen und Werbung im ORF-Zentrum. Hier wird Generaldirektorin Ingrid Thurnher noch einiges neu aufstellen müssen.
Rechtliche Hürden
Bei allen Bewerbungen ist Führungserfahrung eines der Schlüsselworte. Alternativ gilt laut Ausschreibung die „nachgewiesene Befähigung zur Übernahme komplexer und verantwortungsvoller Führungsaufgaben, sehr gute direktionsspezifische Kenntnisse sowie organisatorische Fähigkeiten“. „Wer erfüllt was?“, ist deshalb eine häufig gestellte Frage, sobald ein Name bei Spekulationen genannt wird.
Der Spielraum für Interpretationen ist durch das Europäische Medienfreiheitsgesetz (EMFG) deutlich verkleinert worden. Das verlangt ein transparentes, nachvollziehbares und nicht diskriminierendes Bewerbungsverfahren. Clemens Pig hat deutlich gemacht, dass er für seine Teamauswahl einen „absolut integeren Prozess“ aufsetzen wird.
Das EMFG eröffnet zudem weitere Möglichkeiten zu juristischen Schritten. Dass die kommen werden, gilt in Branchenkreisen als fix. Das zeigt auch eine von der FPÖ initiierte Popularbeschwerde gegen die Bestellung Pigs als ORF-Generaldirektor.
Kommentare