© Theater an der Wien/Monika Rittershaus

Kultur
04/15/2021

Opernsängerin Anna Prohaska: "Ich mache mir Sorgen um die Kultur"

Prohaska singt im Theater an der Wien in Georg Friedrich Händels „Saul“ – ein Opernfilm.

von Peter Jarolin

2018 war die kulturelle Welt noch in Ordnung. Denn damals brachte das Theater an der Wien (wieder) eine Erfolgsproduktion heraus: Das Oratorium „Saul“ von Georg Friedrich Händel in der Regie von Claus Guth und mit großartigen Künstlern wie Florian Boesch in der Titelpartie oder Anna Prohaska in der stimmlich sehr fordernden Partie der Merab. Das Ergebnis: Ein Triumph!

Nun wollte Intendant Roland Geyer dieses Werk wieder vor Publikum präsentieren, doch die Pandemie kam ihm zuvor. Dennoch: „Saul“ wird stattfinden, ohne Publikum, aber für das Fernsehen und auf DVD. Nächste Woche wird aufgezeichnet – einige wenige Medienvertreter sind zugelassen, und der KURIER wird berichten. Oder wie es Anna Prohaska im Interview so schön sagt: „Es sind erfüllende Proben, die ich so lange vermisst habe. Und wir machen jetzt eben einen echten Opernfilm. Damit können wir uns immerhin zeigen“, so die österreichische Koloratursopranistin, die sogar in Zeiten des Lockdowns sehr aktiv war und es auch nach wie vor ist.

Heavy Metal

Prohaska lachend: „Ich lebe in Berlin und habe da auch Balkonkonzerte gegeben. Ich konnte dabei Menschen für die klassische Musik begeistern, die sich sonst über meine Gesangsübungen zu Hause aufgeregt haben. Wobei ich etwa Heavy-Metal-Musik ohnehin nur mit Kopfhörern anhöre“, so die auch in diversen sozialen Medien präsente und vielseitige Künstlerin.

Prohaska weiter: „Ich habe es immer gehasst, mich selbst anzupreisen, aber ich habe mich in diese sozialen Medien reingefuchst, nur damit die Musik weitergeht.“

Wie es weitergeht? Bei den Salzburger Pfingstfestspielen soll Anna Prohaska am 22. Mai an der Seite von Cecilia Bartoli die Vitellia in Mozarts „La clemenza di Tito“ singen. Ob das zustande kommt? „Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Das ist im Moment alles ein ziemliches Kalenderroulette. Aber ich hoffe es natürlich sehr.“

Denn: „Ich habe nichts gegen Streaming und all diese Hybrid-Dinge. Aber das ist doch nur eine Kombination aus den schlechtesten zweier Welten. Und es ist für die Psyche seltsam. Wir gehen auf die Bühne, sind vollgepumpt mit Adrenalin, sind oft sehr aufgeregt und brauchen zur Entladung den Applaus unseres Publikums. Das Live-Erlebnis ist für beide Seiten einfach nicht ersetzbar. Das ist so, als würde man in die Arena gehen und auf den Säbelzahntiger warten, doch der kommt nicht“, so Prohaska lachend. „Aber auch da muss man den Körper austricksen, denn wir leben momentan in einer Opernblase. Doch das ist im Theater an der Wien immer purer Luxus.“

Doch wie sieht Anna Prohaska generell die Zukunft der Kultur und der klassischen Musik? „Ich mache mir Sorgen um die Kultur, vor allem längerfristig. Ich hoffe nicht, dass die Politik diese Pandemie einfach als Ausrede nimmt, um die Kultur abzuwirtschaften. Die Nachfrage nach einer gelebten Live-Kultur ist enorm und es gab in den Theatern keinen einzigen Cluster. Unter Sicherheitsvorkehrungen kann das wieder möglich sein und muss auch wieder möglich sein. Wir sollten in unserem Bereich die Panik ein bisschen herunterfahren. Immerhin wird in allen Fleischfabriken weiter gearbeitet, Gottesdienste sind möglich. Wir aber dürfen nicht öffnen?“

Bleiben vorerst aber nur die Balkonkonzerte? „Wenn es sein muss, dann mache ich das weiter. Aber zuerst geht es einmal um Händels ,Saul’ und dann hoffe ich, dass wir bald wieder vor echten Menschen und nicht nur vor Kameras singen dürfen. Sonst verfällt man in eine Depression, und das wollen wir alle doch überhaupt nicht.“

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