richard grasl

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General gesucht
06/23/2016

Offiziell: Grasl stellt sich der ORF-Wahl

Will sich einem positiven Wettbewerb der besten Ideen für den ORF stellen

von Christoph Silber

Nun ist es offiziell: Richard Grasl tritt gegen Alexander Wrabetz bei der ORF-Wahl an. Grasl habe erklärt, dass er sich einem positiven Wettbewerb der besten Ideen für den ORF wünscht, hieß es am Donnerstagvormittag. Die Bekanntgabe passierte quasi in einem Nebensatz während der Debatte um ein Kandidaten-Hearing, hieß es am Rande der Stiftungsratssitzung. Der ORF-Generaldirektor, der sonst immer neben Grasl sitzt, hatte sich absentiert und verfolgte das Geschehen von der seitlich liegenden Theke im ORF-Atrium.

Offiziell ausgeschrieben wird der Posten des GD am 30. Juni, die Bewerbungsfrist läuft dann bis 28. Juli. Weitere Kandidaten können nach Ende der Bewerbungsfrist noch bis 1. August von Stiftungsräten nachnominiert werden. Termin für die Wahl ist der 9. August.

Zuvor am 8. August wird es eine öffentliche Präsentation der Kandiaten geben, die möglicherweise in ORFIII übertragen wird. Fragen an die Kandidaten, wie bei einem Hearing, werden dort nicht möglich sein. Dieses wird wie gehabt hinter verschlossenen Türen vom Stiftungsrat vor der Wahl durchgeführt, unmittelbar im Anschluss folgt die Wahl des nächsten ORF-Generaldirektors.

Der Kandidat im Porträt:

Der Co-Pilot will ans Steuer

Richard Grasl, kaufmännischer Direktor des ORF, hat vor wenigen Monaten seinen Platz noch so definiert: „Als Co-Pilot im Cockpit sollte man ja jedenfalls mit dem Piloten einig sein, in welche Richtung man gemeinsam fliegt.“ Diese Übereinstimmung mit Generaldirektor Alexander Wrabetz gibt es nicht mehr. Und das liegt nicht daran, dass er jüngst ins Präsidium der Wiener Austria eingezogen ist, während Wrabetz als Grün-Weißer gilt. Jetzt will Grasl selbst das Steuer im ORF übernehmen. Das Selbstbewusstsein dafür hat der 43-Jährige, ob er die entsprechende Unterstützung im Stiftungsrat abseits der bürgerlichen Stiftungsräte zustande bringt, wird sich wohl erst Ende Juli andeutungsweise zeigen.

Der Schritt nach draußen kommt früh, weil noch nicht einmal die Ausschreibung läuft. Doch der Zeitpunkt ist gut gewählt. Der ORF erzielte eben das zweitbeste wirtschaftliche Ergebnis der vergangenen zehn Jahre. Dazu wurde der Verkauf des ORF-Funkhauses abgesegnet, der mit 35 Millionen deutlich mehr bringt als die anvisierten 20 Millionen.

Grasl sieht sich als Macher, als einer, der lieber einmal einen Fehler begeht als zu zaudern. Sinnbildlich für seinen Zugang steht das jüngst gestartete Engagement im Startup-Bereich.

Im Umgang meist verbindlich, kann der Klassik-Interessierte auch hart und hemdsärmelig werden. Den Tritt ans Schienbein des (politischen) Gegners hat er im Repertoire. Manchmal funktioniert es aber nicht - so wie im Großen beim Song Contest, gegen dessen Veranstaltungsort Wien er opponierte, oder im Kleinen, als er versuchte, den Chefredakteur der APA, wo er Aufsichtsratschef ist, loszuwerden. Doch das kostet Grasl keine schlaflosen Nächte.

Das könnte allerdings anders werden, wenn er in den Clinch mit den ORF-Journalisten geht, die von Wrabetz intensiv gestreichelt, trotz zuletzt schwerer Fehler Änderungen in ihren Strukturen wohl kaum akzeptieren werden. Greift Grasl trotzdem hin, zeigt er zwar den Willen zur Veränderung, kann sich aber auf den geballten Shitstrom einrichten. Seiner Vorteil dabei: Er war selbst jahrelang Journalist und weiß, was geht.

Noch-Finanzdirektor

Der Noch-Finanzdirektor des ORF – scheitert seine Bewerbung, muss er gehen - wurde am 21. Jänner 1973 in St. Pölten geboren. Er ist in Krems aufgewachsen, wo seine Eltern das Gasthaus zum Goldenen Kreuz führten. Grasl studierte in Wien Handelswissenschaften mit dem Spezialgebiet Unternehmensführung und Controlling. Er arbeitete danach in einer Schweizer Unternehmensberatung sowie bei einem österreichischen Steuerberater in der Wirtschaftsprüfung. Bereits mit 16 Jahren schrieb er für den Sport der Kremser Zeitung seinen ersten journalistischen Artikel.

Mit dem ORF kam Grasl erstmals 1992 im Landesstudio Niederösterreich in Berührung. 1997 wurde Grasl im ORF angestellt, moderierte 1998 sein erstes „Niederösterreich heute“ und wurde Chef vom Dienst. Von 1999 bis 2001 wechselte er zur „Zeit im Bild 2“, wo er gemeinsam mit Gerald Gross für die Innenpolitik zuständig war. Mit gerade 29 Jahren bestellte ihn die ehemalige ORF-Chefin Monika Lindner 2002 zum Chefredakteur des Landesstudios Niederösterreich. Ende 2009 wechselte er als Kaufmännischer Direktor und Nachfolger von Sissy Mayerhofer auf den Küniglberg. Die ÖVP gab in der Folge den Widerstand gegen die 160 Millionen schwere Gebührenrefundierung an den ORF auf. Die APA nannte in daraufhin „teuerster ORF-Transfer aller Zeiten“. Sein Geld war er aber offenbar wert, denn Wrabetz holte ihn vor fünf Jahren erneut in sein Team – nochmals passiert ihm das nicht.

Grasl ist verheiratet - auf seiner Hochzeit in Dürnstein tanzten Landeshauptmann Erwin Pröll (V) und andere Honoratioren des Landes an - und ist Vater zweier Kinder und entspannt auf dem Golfplatz.

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