© Iris Ranzinger

Kultur
06/29/2012

Öffentliche Bloßstellung wieder eingeführt

Das Künstlerduo Clegg & Guttmann inszeniert mitten am Wiener Graben ein Rückfall ins Mittelalter.

von Michael Huber

Es ist ein Rückfall ins Mittelalter, den das Künstlerduo Clegg & Guttmann da mitten am Wiener Graben inszeniert hat: Ihre Skulptur, die bis zum 4. November in Sichtweite von Julius Meinl und dem Immobilienbüro Plech stehen wird, erinnert daran, wie in früheren Zeiten vermeintliche und tatsächliche Übeltäter durch öffentliche Bloßstellung abgestraft wurden. Das Werk "Humiliation" ("Erniedrigung") zeigt aufeinandergestapelt einen "Schandkäfig", einen "Schandmantel" in Form eines Holzfasses und eine "Schandflöte", wie man sie Verurteilten einst um den Hals zu ketten pflegte.

Bis ins späte 17. Jahrhundert war derartige Bloßstellung am Graben tatsächlich Usus: Am Ort der barocken Pestsäule stand einst ein Käfig, bei dem "kleinere" Verbrecher dem öffentlichen Spott ausgesetzt wurden.

Als Anstoß für eine Reise in dieses nicht so schöne alte Wien funktioniert die Skulptur nun äußerst gut. Ins Gesamtwerk der beiden aus Jerusalem und Dublin stammenden Künstler, die seit Langem das Feld der Geistesgeschichte vor, während und nach der Moderne beackern, fügt es sich dazu schlüssig ein.

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