© Kanizaj Maria-M

Interview
06/24/2020

Nova-Rock-Veranstalter zu Lockerung: "Für uns ist das lächerlich"

Ewald Tatar, Österreichs größter Organisator von Pop- und Rock-Shows, nimmt zu den Herbst-Maßnahmen bezüglich Großveranstaltungen Stellung

von Brigitte Schokarth

Anstatt Konzerte mit Acts wie den Ärzten oder RAF Camora bringen die Mittwoch von der Regierung bekannt gegebenen Lockerungen der Corona-Maßnahmen bezüglich Großveranstaltungen den Pop- und Rock-Fans nur weitere Absagen. Ewald Tatar, Österreichs größter Veranstalter auf diesem Gebiet, erklärt, warum das so ist.

KURIER: Was bringen Ihnen die Lockerungen, die ab September gelten?

Ewald Tatar: Für uns Konzertveranstalter ist das lächerlich. Es bedeutet, dass 10.000 Leute in ein Fußballstadion dürfen. Gut, dass es diese Entscheidung gibt. Aber die Regelung mit 5000 Sitzplätzen mit Abstand bedeutet für uns, dass wir ab 1. September 100 Prozent unserer Shows absagen müssen. Denn ich kann kein Stehplatzkonzert in ein Sitzplatzkonzert umwandeln. Das ginge vielleicht bei ganz schlecht verkaufenden Shows, ist dann aber nicht finanzierbar. Aber bei vollen oder ausverkauften Shows: Sage ich dann der Hälfte der Leute: ,Es tut mir leid, du hast Pech gehabt, du hast keinen Sitzplatz bekommen!'? Ich kann schauen, dass ich zwei, drei neue Konzerte auf dieser Basis buchen kann. Aber die bestehenden, die schon vorher gebucht waren, muss ich weiter zu 100 Prozent absagen. Offensichtlich geht keiner von der Regierung in Pop- und Rock-Konzerte, weil sonst wüsste er, dass eine Sitzplatz-Regelung dabei nicht umsetzbar ist.

Bis wann werden Sie Ihre Shows absagen?

Das ist genau das, was so extrem frustrierend ist: Denn in dieser Mitteilung steht schon wieder nicht, bis wann das gilt. Da steht nur Herbst. Aber was heißt das? Nehme ich den Kalenderherbst bis zum 21. Dezember? Ich weiß es nicht, und es sagt mir keiner. Ich kriege nur Informationen, mit denen ich nicht planen kann, und die meiner Meinung nach nicht zu Ende gedacht sind. Im Endeffekt läuft das aber darauf hinaus, dass ich alles absagen muss, weil es nichts bringt, wenn ich bestimme, ob der November noch Herbst, oder schon Winter ist. Wir werden damit umgehen, aber es muss jedem klar sein, dass das unser Gewerbe noch einmal ganz, ganz hart trifft.

Welche Reaktionen gab es auf die Konzepte zum Hochfahren der Shows, die die IG-Veranstalter vorgelegt hat?

Unsere Vorschläge waren, dass man ab September auf 5000 Stehplätze erhöht, ab Oktober auf 10.000 Stehplätze und ab 1. November auf alles, was darüber ist. All das verknüpft mit freiwilliger App-Registrierung, personalisierten Tickets und so weiter, um so gut wie möglich nachvollziehen zu können, welcher Besucher bei welchem Konzert war.

Gab es nie einen Dialog mit den Behörden darüber?

Nicht darüber. Wir wurden gebeten, schriftlich unser Konzept abzugeben, und das haben wir. Das wurde gelesen, oder auch nicht, ich weiß es nicht. Es gab einen Dialog in Bezug auf die wirtschaftliche Ebene mit Fixkostenzuschüssen und Ähnlichem. Da ist die Entwicklung sehr positiv und ich gehe davon aus, dass es eine Lösung geben wird. Aber was das Durchführen von Konzerten betrifft, ist völliger Stillstand.

Es gibt in Amerika Versuche mit in einer Halle verteilten Plexiglas-Kabanen, in denen die Fans sitzen . . .

Also nein, dann veranstalte ich lieber keine Konzerte mehr. Ja, so etwas kann man einmal probieren, weil es lustig ist, aber das kann doch nicht die Zukunft sein. Und nicht nur, weil es schwer finanzierbar ist. Es geht vor allem total gegen den Spirit und das Erlebnis, wofür man zu einem Konzert geht.

Gibt es andere internationale Konzepte, die für Sie eine Option wären? Und wie effektiv sind die Protestaktionen deutscher Veranstalter?

Ich weiß, dass verschiedene Länder an Möglichkeiten arbeiten, muss mich aber erst schlau machen, wie weit andere Veranstalter mit ihren Konzepten sind. Und über die Proteste in Deutschland habe ich auch nur in den Medien gelesen. Ob das effektiv ist, wird man sehen. Wir werden jetzt auch schauen, was man diesbezüglich tun kann. Aber vorerst machen wir wieder einmal nichts anderes, als die nächsten Konzerte absagen.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.