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Kritik
08/03/2020

Niavarani zeigt "Corona-Edition" seiner Kulturgeschichte des Trottels

Michael Niavarani mit neuer Version von „Homo Idioticus“ im Theater im Park.

von Werner Rosenberger

In der Antike lebten die Idioten abseits der Stadt. Heute dagegen stehen viele Idioten in der Öffentlichkeit. Deshalb erklärte Peter Handke 2003, er wolle nicht länger ein Idiot sein und niemals wieder in der Öffentlichkeit auftreten. Und wurde doch zum Rückfallstäter.

Albert Einsteins Relativitätstheorie ist längst Gewissheit: „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit.“ Nur bei Ersterem war er sich „noch nicht ganz sicher“.

Auch Michael Niavarani, im Theater im Park mit seinem Solo „Homo Idioticus. Eine Kulturgeschichte des Trottels“, weiß: „Der Mensch ist ein Trottel.“

Aber warum? Aktuell die Covidioten, Voll- oder Sautrottel, Koffer oder Wappler sind für den Humoristen keine Beleidigung, sondern eine Analyse: „Irgendwann im Laufe der Menschwerdung muss einer unserer Vorfahren die falsche Abzweigung genommen haben“.

Der Mensch sei kein „Engel und kein Viech, sondern irgendwo dazwischen. Und kennt sich nicht aus: Man soll nicht Abstand halten wegen der Verfassung, aber man soll Abstand halten wegen der Gesundheit.“

Alle reden von der künstlichen Intelligenz und keiner davon, dass die natürliche Intelligenz offenbar verschwindet wie die Gletscher im Klimawandel. Niavarani: „Milliarden werden ausgegeben für nichts Sinnvolles. Warum? Weil wir’s können.“

Pointen und Watschen

Aber der Dummheit der Mitwelt lässt sich mit Witz und Ironie begegnen: Mit Pointen über die IT-Technik und die unnötige SMS- und Email-Reizüberflutung.

Mit Watschen für den sattsam bekannten „Sicherheitszwerg“ Herbert Kickl und verblüffenden Wahrheiten wie: „Die Wirtschaft geht zugrunde, weil wir uns nur kaufen, was wir wirklich brauchen.“

Eine Ursache für unendlich viele Trotteleien ortet „Nia“ bei sinnbefreiten Aktionen und anderen Blinddärmen der Verhaltensweisen: „Wir haben zuviel Angst: Wir brauchen mehr Vertrauen ins Leben.“

Dass sich Eltern heute Sorgen machen, ihren Kindern könnte langweilig sein, quittiert er lakonisch. „Mein Großvater hat g’sagt: ,Wenn dir fad ist, zieh dich aus und pass aufs G’wand auf.’“

Ich glaube, Niavarani, der sich hetzhalber gern zum Ganztagsneurotiker erklärt, hält es mit Woody Allen: „Ich liebe Selbstironie. Denn dann kritisiert mich jemand, den ich sehr schätze.“

Vorstellungen u. a. am 15. 8., 1. bis 3. 9. und 5. 9.

 

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