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Kultur
09/29/2012

Neuverfilmung: Fluch und Segen im Weißen Rössl

Ein Kino-Klassiker wird wiederbelebt. Zeit für einen Besuch in St. Wolfgang. Und Eindrücke zwischen Klischee und Realität.

von Michael Hufnagl

Der Mann mit dem Rucksack schaut und sagt: "Mönsch, det is’ ja ’n Ding." Ob der Wanderer mit dem Ding das Weiße Rössl, das für die Neuverfilmung in Lila errichtet wurde, meint? Oder das Medienspektakel, das zur Präsentation des Projekts stattfindet? Einerlei.

Tatsache ist, dass die fünf Millionen Euro teure österreichisch-deutsche Produktion Neugier garantiert. Dabei handelt es sich nicht um ein Remake, sondern um eine neue Interpretation. Produzent Klaus Graf sagt: "Wir wollen nicht am Monument rütteln." Und auch Schauspieler und Regisseur sind in einer Tour bemüht, ja nicht den Verdacht des Spotts aufkommen zu lassen. Als sei das Weiße Rössl, das mit Peter Alexander zum Kult wurde, ein Stück rot-weiß-roter Identität, das zu persiflieren unverzeihlich wäre.

 

Tummelplatz

Zur Filmkulisse wurde der ramponierte Gasthof Lueg in St. Gilgen umgebaut. Dort, wo im kommenden Jahr ein Gesundheitszentrum um vier Millionen Euro errichtet werden soll, tummeln sich an 28 Drehtagen prominente Darsteller wie Diana Amft, Fritz Karl, Armin Rohde oder Gregor Bloéb. Aber auch über hundert Tänzer, die am schmalen Grat zwischen Ironie und Kitsch hüpfen.

18 Kilometer weiter, in St. Wolfgang, befindet sich erstens derselbe See, zweitens ein anderes Bundesland (OÖ) und drittens das echte Weiße Rössl. Deren Chefin Gudrun Peter, die sich seit 2003 als Rössl-Wirtin zu erkennen gibt, ein ambivalentes Verhältnis zum Rössl-Theater pflegt: "Das ist Fluch und Segen." Fluch, weil das Hotel am See mit dem Image dess "Operettenschuppens" kämpft, obwohl es doch eine moderne Erholungsoase mit 94 Zimmern und 11 Appartements ist. Segen , weil die Filme auch jenseits der Grenzen Berühmtheit erlangten und dem Salzkammergut Touristenströme garantieren.

 

Fluch aber wiederum, weil eben diese Besucher das Weiße Rössl zwar eifrig fotografieren, aber nicht drin wohnen. Peter: "Es ist erstaunlich. Vor allem die Asiaten wissen alles über das Rössl. Aber viele schauen nur durch die Fenster und wundern sich, dass sie nicht finden, was sie aus den Filmen kennen." Und die anderen holen sich einen Prospekt als Souvenir und gehen wieder. "Ich drucke Prospekte Ende nie, aber ich habe nix davon."

In St. Gilgen sind in der Zwischenzeit Fotos und Interviews absolviert, auf dem extra zugebauten Balkon vor der Kaiser-Suite ist die Stille zurückgekehrt. Gedreht wird heute in den Bergen.

In St. Wolfgang herrscht indessen reger Betrieb. Im Souvenir-Laden sind neben Kaiser-Häferln weiße Porzellan-Rössln fein geschlichtet. Das Klischee ist unverzichtbar. Sogar für Gudrun Peter. Um die Bedürfnisse der Folklore-Fans zu befriedigen, hat sie, vom Hotel streng abgegrenz t, kleine Bereiche erhalten. Wie das Benatzkystüberl oder die Sisi-Terrasse. "Dort können dann alle einen Leopold-Teller bestellen. Aber der Oberkellner wird deshalb auch nicht ,Ja, meine Herrschaften, haben S’ a bisserl Zeit" flöten."

 

Verweigerung

So wird man einem Ruf gerecht, der lediglich durch einen Namen entstand. Denn auch das originale Weiße Rössl war niemals Originalschauplatz für die Filme. Peter: "Schon meine Großmutter hat das 1935, 1952 und 1960 verweigert. Weil wir kein Museum sind und unsere vielen Stammgäste kein Verständnis hätten, wenn wir wochenlang zusperren."

Auch diesmal kam die Anfrage. Auch diesmal gab es die klare Antwort: "Das Weiße Rössl ist ein Wirtschaftsbetrieb und keine Filmkulisse, so sehr ich mich über die indirekte Werbung freue." Selbst der Alexander-Haas-Klassiker wurde in Wiener Studios und im Bad Ischler Kongresshaus gedreht.

Der Wolfgangsee hat an diesem prächtigen Herbsttag 18 Grad. Auf den Schiffen stehen die Menschen und knipsen unermüdlich die Kulissen, die gar keine Kulissen sind. Und im kommenden Jahr, nachdem Rössl reloaded in den Kinos lief, werden neue Wanderer vor dem Hotel auftauchen. Und vermutlich staunen: "Mönsch, det is’ ja gar nich’ lila."

Das Hotel: Wirklichkeit und Schauspiel

Das echte Rössl Das Hotel existiert seit 1474. Die Familie Peter kaufte das Haus am See 1912 und baute es seither von fünf auf neun zusammenhängende Komplexe inkl. Spa und Outdoor-Pool aus. Seit 2008 ist Gudrun Peter (Bild) die Geschäftsführerin des 4-Sterne-Reichs. Den Titel "Rössl-Wirtin" führt sie aber schon seit 2003.

Das Kunst-Rössl "Im weißen Rössl" ist ein Singspiel in drei Akten von Ralph Benatzky, das am 8. 11. 1930 im Großen Schauspielhaus in Berlin uraufgeführt wurde. Danach wurde es insgesamt fünf Mal verfilmt. Erstmals 1935 (u. a. mit Theo Lingen). 1952 führte Willi Forst Regie (u.a. mit Johanna Matz und Johannes Heesters). Die Version von 1960 mit Peter Alexander, Waltraud Haas und Gunther Philipp) machte das Rössl aber zum Kult. 1964 gab es die dänische Version "Sommer i Tyrol". 1967 folgte die bis dato letzte Verfilmung (wieder u. a. mit Johanna Matz und Peter Weck).

Lieder wie "Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist" oder "Im Salzkammergut, da kann man gut lustig sein" wurden zu Klassikern. Der neue Film kommt voraussichtlich im Frühherbst 2013 in die Kinos.

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