Joachim Fuchsberger 2013 bei den Dreharbeiten zum Fernsehfilm "Der Himmel soll warten"

© dapd/Joerg Koch

Nachruf Joachim Fuchsberger
09/11/2014

Der Himmel hat nicht mehr gewartet

Die Fernsehlegende ist im Alter von 87 Jahren gestorben.

von Barbara Mader

Das letzte Interview, das der KURIER mit Joachim Fuchsberger führte, fand in einer Garderobe der Szene Wien statt. Fuchsberger drehte dort einen Fernsehfilm über renitente Senioren. "Der Himmel soll warten". Gundula, seit 60 Jahren seine Frau, saß bei ihm, händchenhaltend, und sorgte sich, ob er zwischen den Interviewterminen in der knapp bemessenen Drehpause genug zu essen bekäme.

Fuchsberger wirkte körperlich angeschlagen, aber seelisch und geistig wach, fast abenteuerlustig. Seine Gundel sei in ihrer Fürsorge eben etwas streng, deshalb nannte er sie seine "Regierung". Mit Schalk in den Augen, und doch zärtlich sagte er das. Die Beziehung der beiden schien seit dem Tod des gemeinsamen Sohnes vor vier Jahren noch tiefer. Thomas Fuchsberger war am 14. Oktober 2010 mit 53 Jahren in einem Bach ertrunken.

Am Donnerstag ist ihm sein Vater, seit dem Tod des Sohnes Agnostiker, gefolgt. Joachim Fuchsberger starb im Alter von 87 Jahren in seinem Haus in Grünwald bei München an Organversagen. In den vergangenen Wochen hatte er nach einem Schlaganfall viel Zeit in Kliniken verbraucht und war danach wieder nach Hause gekommen. "Er war fröhlich. Er dachte, es klappt," sagte seine Frau zur Nachrichtenagentur dpa.

Die Karriere von "Blacky" in Bildern

Straßenfeger

Joachim Fuchsberger war eine Legende der deutschen Fernsehunterhaltung. Er stammte aus der Zeit der Straßenfeger", jener Krimis, für die die Taxifahrer ihre Arbeit niederlegten, deretwegen die Theater leer blieben und die Fabriken ihre Nachtschichten strichen. Fuchsberger war einer der Stars dieser Krimi-Kammerspiele. Edgar-Wallace-Verfilmungen wie "Die toten Augen von London", das "Gasthaus an der Themse" oder der "Hexer" waren zunächst Kinohits, die später zu TV-Klassikern wurden. Als "Fernsehsaurier" bezeichnete sich Fuchsberger kokett. Der Kinoheld‚ Fernsehstar und Showmaster blieb bis zuletzt ein Quotenschlager: Der Senioren-Band-Film "Live is live", dessen Fortsetzung "Der Himmel soll warten" (2013) sein letzter Film war, gehört zu den erfolgreichsten TV-Filmen aller Zeiten.

Das Show-Biz wurde "Blacky" – der Beiname stammte von seinem vor mehr als sechzig Jahren beendeten Nahverhältnis zu Whiskey der Marke Black & White, andere Quellen nennen seine Arbeit in einer Bergbau-Zeche als Grund– nicht in die Wiege gelegt. Es war ihm zugefallen, nachdem das Leben etliche andere Entscheidungen für ihn getroffen hatte. Mit 15 zog er in den Krieg, als 18-Jähriger kam er aus der Gefangenschaft zurück. Er arbeitete im Bergwerk in Recklinghausen, baute sein Leben auf. Suchte lange. War Monteur für Setz- und Druckmaschinen , später Werbeleiter bei der Deutschen Bauausstellung in Nürnberg. 1950 begann seine Laufbahn als "Medien-Mann" beim Bayerischen Rundfunk. Er schrieb Schlagertexte – unter anderem den Udo-Jürgens-Hit "Was ich dir sagen will" – und versuchte sich vor der Kamera. Nachdenklich und wortgewandt war er. In seinen Shows legten die Gäste oft erstaunliche Bekenntnisse ab. Die Show-Karriere machte Fuchsberger zwar Spaß, aber er stand ihr kritisch gegenüber. Und auch ihm wehte der Kritiker-Geist oft scharf entgegen: "Seicht" war noch ein freundliches Attribut, der Spiegel schrieb einst über ihn, er bliebe in seinem Fach, der Talkshow, "ein unverbesserlicher Lehrling".

Zitate von Fuchsberger

Zerfall

Interviews mit Fuchsberger waren etwas Besonderes. Er sprach schonungslos über die Höhen und Tiefen seiner Karriere, frei von jedem Selbstmitleid. Er hätte es wohl die Schonungslosigkeit des Alters genannt. Seinen Büchern pflegte er Gedichte über den Zerfall des menschlichen Körpers beizufügen. Von Altersmilde keine Spur. "Ich sage, was ich denke".

Nicht nur mit sich, auch mit anderen wirkte er oft streng. Vermisste Disziplin bei den jungen Kollegen und rang sich auch in seichten Komödien höchste Konzentration ab.

Trotz aller Gesellschaftskritik – ein "Grumpy old man", ein grantiger alter Kerl war er mitnichten. Vielmehr ein Gentleman, dem man auch mit weit über achtzig noch den gepflegten, stets diskreten Charmeur ansah.

Kollegen reagierten betroffen auf seinen Tod: Entertainer Frank Elstner sagte, er "verliere einen großen Freund und Förderer", die Schauspielerin Karin Dor sprach von einem "Schlag in die Magengrube".

Jan Josef Liefers, den mit Fuchsberger seit dem gemeinsamen Film "Die Spätzünder" eine Freundschaft verband, bat via Facebook "einen Moment innezuhalten" und Fuchsberger zum Abschied hinterherzuwinken.

Der Entertainer

Karriere Joachim Fuchsberger, geboren am 11. März 1927 in Stuttgart, wurde als Schüler zum Reichsarbeitsdienst verpflichtet, kam an die Front, geriet später in Kriegsgefangenschaft. Nach Umwegen u. a. zu Jobs als Bergarbeiter begann 1954 seine Filmkarriere. Im TV reüssierte er u. a. mit Shows wie „Auf los geht's los“, oder „Heut' abend“.

Privates 1951 heiratete er die Sängerin Gitta Lind ( 1974), 1954 die Schauspielerin Gundula Korte (* 24. März 1930), die bis zuletzt an seiner Seite war. Die beiden hatten den gemeinsamen Sohn Thomas (1957–2010), Komponist und Musikproduzent.

Programmänderung

Der ORF ändert in memoriam Joachim Fuchsberger sein Programm und zeigt am Samstag (13.9.) in ORF 2 um 11.20 Uhr den 1962 entstandenen Krimiklassiker "Edgar Wallace - Das Gasthaus an der Themse" sowie um 13.20 Uhr die Komödie "Live Is Life" von Wolfgang Murnberger aus dem Jahr 2009.

"Blacky Fuchsberger ist eine jener großen unvergesslichen Fernsehpersönlichkeiten, die mich von Kindertagen an begleitet haben, bis zuletzt mit 'Live Is Life' in meine Arbeit als Fernsehdirektorin", so ORF-Fernsehdirektorin Kathrin Zechner in einer Aussendung.

3sat zeigt am Mittwoch (17.9.) um 10.15 Uhr jene "Markus Lanz"-Sendung, in der der 87-jährige Joachim "Blacky" Fuchsberger am 20. Mai 2014 zum letzten Mal im Fernsehen auftrat und aus seinem Leben erzählte. Am 3. Oktober steht im Rahmen des 3sat-Thementags "Erlesene Filme" um 12.10 Uhr "Das fliegende Klassenzimmer" mit Fuchsberger in der Hauptrolle auf dem Programm.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.