Die Vorarlberger Künstlerin Silke Leffler hat Blumenverkäuferin Eliza in zarten Bildern eingefangen

© Kindermann Verlag

My Fair Lady
03/25/2014

Milchmann und Rinnsteinpflanze

Ein Berliner Kinderbuch-Verlag hat mit "Weltmusicals für Kinder" eine Marktlücke entdeckt.

von Barbara Mader

Er schrieb das Drehbuch zum George-Gershwin-Musikfilm "Ein Amerikaner in Paris" und adaptierte Colettes Roman "Gigi" als Musicalfilm; sein größter Erfolg aber war das Musical "My Fair Lady": Von Alan J. Lerner stammen die berühmten Zeilen: "Why Can’t the English?" ("Kann denn die Kinder keiner lehren"). 1986 starb Lerner, "My Fair Lady"(Musik von Frederick Loewe) gehört heute noch zu den meistaufgeführten Musicals der Welt. Jetzt ist die Musical-Erzählung nach dem Roman "Pygmalion" von George Bernard Shaw erstmals als Kinderbuch erschienen. Der Weg dahin war einer durch die Instanzen, erzählt Verlegerin Barbara Kindermann. Sie verhandelte lange mit Lerners Nachlassverwaltern in New York sowie den deutschen Übersetzern, um berühmte Refrains wie "Es grünt so grün wenn Spaniens Blüten blühen" in deutsche Kinderzimmer zu bringen. Denn die Rechte sind bei Musical-Autoren meist noch nicht freigegeben, dazu muss ein Urheber 70 Jahre verstorben sein. Das ist auch der Grund, warum der Kinderbuch-Markt mit Opernführern für junge Leser gut bestückt ist, für Musical bisher aber nichts Vergleichbares zu haben war.

Nun hat es die freche Berliner Schnauze der Blumenverkäuferin Eliza Doolittle zwischen zwei Buchdeckel geschafft und verzückt nicht nur Henry Higgins sondern auch junge Leser mit ihrem ordinären Mundwerk. Bezaubernd gelungen sind auch die Illustrationen der Vorarlberger Künstlerin Silke Leffler, die die hübsche Rinnsteinpflanze Eliza in zarten Bildern eingefangen hat.

Fiedler auf dem Dach

"My Fair Lady" ist der zweite Band aus Kindermanns Reihe "Weltmusicals für Kinder", zu dem "Anatevka" im vergangenen Herbst den Grundstein legte. Den Anstoß dazu hatte Kindermanns Tochter gegeben: Ihr wollte die Verlegerin vor einem geplanten Musical-Besuch das Universum des Milchmanns Tevje näher bringen. Und was es nicht gibt, muss man selber machen: Die Schweizerin, die vor zwanzig Jahren ihren Kindermann-Verlag in Berlin gründete, begann, sich nach den Rechten für Joseph Steins Musical umzusehen. "Es war mühsam, Steins Nachlassverwaltern zu erklären, was ich überhaupt will – nämlich nur den Text, aber nicht die Musik", erinnert sich Kindermann. Sie verwendete Originalzitate von Stein, den Kern der Geschichte erzählte die promovierte Germanistin selbst nach. "Anatevka" hat es schließlich, ein Jahr später als geplant, doch zum Kinderbuch geschafft. Das von Jenny Brosinski illustrierte Buch war der Beginn der Serie "Weltmusicals für Kinder", mit der Kindermann erneut bewiesen hat, dass sich auch ein kleiner Verlag mit der richtigen Mischung aus Glück und gutem Riecher für Marktlücken gegenüber Branchenriesen behaupten kann.

Der Kindermann Verlag – eine Drei-Woman-Show– hat sich mit den sorgfältig ausgewählten und gestalteten Reihen "Weltliteratur für Kinder" und "Poesie für Kinder" einen Namen gemacht. In der Musical-Reihe erscheint im Herbst die "West Side Story".

Ein Roald Dahl-Musical im Guinnessbuch der Rekorde

Roald Dahl ist seit 24 Jahren tot, doch seine Geschichten sind lebendiger denn je. Der norwegisch-walisische Schriftsteller und Drehbuchautor (er schrieb unter anderem die Drehbücher zu "Tschitti Tschitti Bäng Bäng" und dem James-Bond-Film "Man lebt nur zweimal") starb 1990 in Buckinghamshire und erlebt doch jetzt wieder einen neuen Hype.

"Sophiechen und der Riese", "James und der Riesenpfirsich", oder "Charlie und die Schokoladenfabrik": Die kuriosen Erzählungen des Schriftstellers, der auch für seine gruseligen Erwachsenen-Short-Stories berühmt ist, sind längst Klassiker und wurden mehrfach verfilmt. Zuletzt etwa von Wes Andersen in dessen bemerkenswertem Trickfilm-Meisterwerk "Der fantastische Mister Fox".

Zu besonderem Ruhm geschafft hat es Dahls Roman "Mathilda" aus dem Jahr 1988. Er handelt von der siebenjährigen Matilda Wurmwald, einem Wunderkind, das mit seiner geistig beschränkten Familie und einer tyrannischen Schuldirektorin (Fräulein Knüppelkuh, einer ehemaligen Olympiateilnehmerin im Hammerwerfen!) zurechtkommen muss.

Broadway

Danny DeVitos gelungene Verfilmung kam 1996 in die Kinos. Und seit Dezember 2010 gibt es das Musical "Mathilda", das in England und den USA Auszeichnungsrekorde bricht: Das Stück von Tim Minchin (Musik), Dennis Kelly (Buch) und Peter Darling (Choreografie) wurde von der Royal Shakespeare Company in Stratford-upon-Avon uraufgeführt und wird seit Oktober 2011 im Cambridge Theatre in London gezeigt. Die Produktion wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter sieben Laurence Olivier Awards, wofür sie ins Guinness-Buch der Rekorde eingetragen wurde.

Seit April 2013 ist "Matilda" am Broadway zu sehen: die Inszenierung gewann vier Tony Awards und zuletzt einen Grammy als bestes Musical-Album.

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