Leitartikel
12/22/2014

Was er zu sagen hatte, sagte sein Klavier

Udo Jürgens, Komponist, Schlagersänger, Chansonier und Entertainer, war auch ein sehr politischer Künstler.

von Gert Korentschnig

Wenn Menschen aller Altersklassen zutiefst traurig reagieren; wenn sich so gut wie jeder daran erinnert, wann er der betreffenden Person selbst begegnet ist oder erstmals mit ihrer Kunst konfrontiert wurde; wenn sogar Berufszyniker verstummen und nur Würdigendes von sich geben – dann handelt es sich um einen wirklich Großen, der abberufen wurde.

Udo Jürgens ist so überraschend gestorben, wie ein 80-Jähriger nur überraschend sterben kann. In jenem Jahr, in dem wieder ein Österreicher den Song Contest gewonnen hat. Als hätte er das Zepter weitergereicht.

Aber was hat ihn so groß gemacht, den Mann, der sich in seinem Privatleben als gescheitert betrachtete?

Seine Unbeirrbarkeit. Er ging konsequent seinen Weg, auch wenn manche seiner Lieder lange nur belächelt wurden und man den Wert erst nach und nach erkannte.

Seine Internationalität. Er komponierte auch Welthits für amerikanische Künstler und scherte sich um lokalen Kleinkram ziemlich wenig.

Seine Überschreitung der Genregrenzen. Er changierte zwischen Schlager, Chanson und sogar Jazzigem und musizierte auch mit klassischen Orchestern.

Und freilich seine politische Über- in der Unterhaltung. Er sang gegen Xenophobie und Spießbürgerlichkeit an, gegen Kleingeist und Großkotzigkeit.

Mehrfach wurde ihm vorgeworfen, dass er sich von Polit-Rabauken in seiner Heimat nicht genügend distanziere. Dabei sagte er in seiner Musik stets, was er von Populisten hielt, raffiniert und nie plakativ. Und in Gesprächen mit dem Autor dieser Zeilen auch ganz explizit. Was er auf der Bühne zu sagen hatte, sagte sein Klavier.

Ein zutiefst politischer Künstler ist gegangen. Einer, der Politik mit Ethik und Moral verband und nicht mit Schlagwörtern.

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