Kultur
01.08.2018

"Mission: Impossible": Tom Cruise in Bestform

Filmkritik zum jetzt in Österreich startenden sechsten Teil der erfolgreichen Filmreihe.

Ihre Mission, sollten Sie sie annehmen, besteht darin, sich die sechste Folge von „Mission: Impossible“ anzusehen – und dabei möglichst viel Spaß zu haben.

Zuletzt hatte sich Tom Cruise bei „Mission: Impossible – Rogue Nation“ unter der Regie von Christopher McQuarrie an der Wiener Staatsoper abgeseilt. Doch auch seine jüngste Action-Leistungsschau in Paris, London und Kaschmir ist nicht weniger eindrucksvoll. Alle Stunts sehen ausgesprochen gefährlich aus und sind es offenbar auch, nachdem sich Cruise – Der Chef macht’s persönlich! – während der Dreharbeiten bei seinen gewagten Sprüngen über die Dächer Londons ernsthaft verletzte.

Wieder ist es der bewährte McQuarrie, der die Abfolge von atemlosen Extremsport-Einlagen auf sensationellen Schauplätzen mit so etwas wie einer Story verbindet. Brandgefährliche Plutonium-Kapseln zirkulieren am Schwarzmarkt und sollen dem Weltenvernichter John Lark und seiner Terror-Gruppe „Die Aposteln“ zugespielt werden. Cruise als Agent Ethan Hunt und sein Team werden auf das Plutonium angesetzt – doch alles misslingt, und zur Strafe drückt ihnen die strenge CIA-Chefin in Form von Angela Bassett noch einen arroganten CIA-Schnurrbartträger („Mann aus Stahl“-Superman Henry Cavill) aufs Auge.

Schon der erste Einsatz der beiden Herren auf einer blütenweißen Pariser Toilettenanlage geht beinahe schief: Ihr Widersacher erweist sich als ausgesprochen zäh und verschlägt ihnen mit gezielten Hieben auf ihre Kehlen die Sprache.

Neben den exzessiven Kampf- und Stunt-Einlagen, lebt „Mission: Impossible“ auch von seinen perfiden, theaterhaften Momenten: Menschen ziehen sich plötzlich Masken vom Kopf und sind nicht die, die sie zu sein scheinen. Auch die Inszenierung der Actionszenen bekommt durch die leicht vernebelten 3-D-Bilder fast so etwas wie surrealen Tableaux-Charakter. McQuarrie blendet manchmal den Ton weg und setzt dafür verwegene Geigenklänge ein, ehe er eine Verfolgungsjagd als Traumsequenz enttarnt.

Rapid

Natürlich stehen rapide Rasereien per Auto oder Motorrad auf der Tagesordnung. Trotzdem begeistern die Beschleunigungen gegen die Einbahn – Rebecca Ferguson als Ilsa Faust aus „Rogue Nation“ kehrt ebenfalls auf dem Motorrad zurück – immer wieder aufs Neue. Paris bietet sich mit seinen verwinkelten Straßen für derartig obszöne Geschwindigkeitsübertretungen geradezu an; ein fetter Lastwagen, der in einer engen Gasse stecken bleibt, wird so zum Slapstick-Star.

Cruise selbst wirkt topfit, ohne sich in seinem eigenen Heldenstatus zu übernehmen. Angestrengte Jugendlichkeit weicht sportlicher Kompetenz, die Rolle des verwegenen Liebhabers schleift sich in die des geprüften Ehemanns ein.

Im Finale in Kaschmir schließlich baumelt Tom Cruise wieder einmal von einer gewaltigen Felsspalte. Zwar hat man dieses Bild schon gefühlte hundert Mal gesehen. Aber, sollten Sie die Mission annehmen, seien Sie versichert: Es wirkt noch immer.