© Michael Roher

Kinder- und Jugendbuch
05/10/2021

Michael Roher und die Lust am Gestalten

Michael Roher wird mit dem erstmals vergebenen Christine-Nöstlinger-Preis ausgezeichnet. Der Illustrator und Autor über Grenzen und Werte.

von Marco Weise

Am Mittwoch bekommt Michael Roher den erstmals vergebenen, mit 10.000 Euro dotierten Christine-Nöstlinger-Preis für Kinder- und Jugendliteratur. Der niederösterreichische Illustrator von unzähligen Kinderbüchern wird den von der Stadt Wien, Christine Nöstlingers Buchstabenfabrik und dem Hauptverband des Österreichischen Buchhandels gemeinsam ausgerichteten Preis, von der Wiener Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler entgegennehmen. So weit, so formal.

Gut zwei Dutzend Bücher hat der gelernte Sozialpädagoge bislang gestaltet. Sein Antrieb: die Neugierde. Seine Illustrationen: beeindruckend – vor allem in ihrer Detailkunst. Dabei muss er sich als Autodidakt vieles durch genaues Hinschauen, Beobachten und Experimentieren erst erarbeiten. „Es reizt mich, immer wieder Neues auszuprobieren – sei es im Bezug auf Technik, Formensprache oder Farbkomposition. Ich finde es spannend, sich bei jedem Projekt wieder neu die Frage zu stellen: Was braucht dieser Text und worauf habe ich gestalterisch Lust?“, wie Roher dem KURIER sagt.

Briefträger

Er zeichnet aber nicht nur, sondern liefert immer wieder auch einmal die Texte zu seinen Bildern. In diesen führt er „die große heimische Tradition des Sprachspiels fort“, wie die Jury des Christine-Nöstliger-Preises ihre Wahl argumentierte.

Rohers Texte sind gerne verspielt, oft auch fantastisch. Aber wie surreal darf es im Bereich der Kinder- und Jugendliteratur sein, gibt es da Grenzen? „Wenn ja, habe ich sie noch nicht gefunden“, antwortet Roher, der am liebsten analog arbeitet, sprich: auf dem Papier, statt auf dem Computer.

Roher illustriert zwar hauptsächlich für Kinder, bewegt sich aber auch immer wieder bewusst davon weg. So habe er schon für einen Dokumentarfilm illustriert, Romancover oder Sirupflaschen gestaltet und aktuell arbeite er gerade an einem Plattencover: „Ich bin immer offen für Neues und Interessantes. Für mich ist nur wichtig, dass ich meine Werte nicht verkaufe. Ich würde zum Beispiel nie für einen Konzern illustrieren, der seine MitarbeiterInnen oder die Umwelt ausbeutet.“

Christine Nöstlinger war für Michael Roher eine der ersten Berührungspunkte mit Geschichten und Illustrationen. Sein erstes Buch war „Die feuerrote Friederike“. Er könne sich noch gut daran erinnern, wie ihm die Geschichte als Kind vorgelesen wurde, auch wenn das mittlerweile schon über dreißig Jahre her sei. „Besonders angetan hat es mir der farbenblinde Briefträger, der mich aus irgendeinem Grund nachhaltig beeindruckt hat“, sagt der 40-Jährige.

Kontrast

Der gebürtige Scheibbser geht seiner Leidenschaft, dem Schreiben und Illustrieren, seit zehn Jahren nach. Das Tolle daran sei, dass man der Fantasie ganz und gar freien Lauf lassen und Szenerien entwickeln kann, die in der Wirklichkeit undenkbar wären. „Die Illustration muss mit dem Text eine in sich stimmige Einheit bilden. Das muss aber nicht heißen, dass etwa ein verspielter Text auch verspielte Illustrationen verlangt, oder zu einer schlichten Sprache dementsprechend zurückhaltende Bilder passen. Im Gegenteil. Oft ist es umso interessanter, in der Illustration einen Kontrast zum Text zu bilden, sich inhaltlich vielleicht sogar vom Text wegzubewegen anstatt das Beschriebene ,nur’ abzubilden“, erklärt Roher, dessen Lebensgefährtin Elisabeth Steinkellner ebenfalls Kinder- und Jugendbücher schreibt.

Verständlich also, dass das Paar immer wieder zusammenarbeitet. Zuletzt ist von den beiden „Vom Flaniern und Weltspaziern“ im Tyrolia Verlag erschienen (siehe Zeichnung oben). „Gemeinsam an einem Projekt zu werkeln, hat etwas Verbindendes“, sagt Roher, dessen Arbeiten auch vom breiten familiären Feedback profitieren. Denn neben seiner Partnerin werfen auch noch seine zwei Kinder immer wieder einen kritischen Blick auf seine Zeichnungen.

Zur Person: Michael Roher, 1980 in Scheibbs/Niederösterreich geboren, arbeitete  als Freizeit-, Spiel- und Zirkuspädagoge, sowie als Autor und Illustrator von (vorwiegend) Kinderbüchern. Seine Geschichten wurden bereits in mehrere Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Michael Roher lebt mit seiner Familie in Baden bei Wien. Von ihm sind etwa „Der Fluss“ (2016), „Tintenblaue Kreise“ (2017), „Filomena Grau“ (2019) und zuletzt  „Jaguar, Zebra, Nerz“  erschienen. Mehr unter: mischa-loewenzahn.blogspot.com

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