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Kultur
11/17/2019

Michael Pammesberger über Ischl: Sag nicht "Bad"

Der Zaunerstollen als Vorbild für die Kulturhauptstadt: Aus den übrig gebliebenen Restln was Neues, was Knuspriges machen!

von Michael Pammesberger

Den Ischler erkennst du daran, dass er nicht „Bad Ischl“ sagt. Das sagen nur Ausländer (Gmundner, St.Pöltner...) Oder Ischler, die zu denen sagen: „Bad Ischl wird jetzt Kulturhauptstadt und ihr nicht!“

Republik Salzkammergut

Oder wenn ein Ischler nach Gmunden fahren muss auf die BH. Eine ewige Schmach: Er, aus der Kaiserstadt muss in die läppische Bezirkshauptstadt, also in den Nebel owi und aussi zu den hochnäsigen Gmundnern aufs Salzamt. Sind ja nur ein paar Kilometer sagt der Ahnungslose, aber das sind Welten! Die reden eine andere Sprache da, mehr oder weniger. Was jenseits der Langwieser Geraden liegt, ist suspekt.

Aber das ist jetzt vorbei! Wir sind jetzt Kulturhauptstadt Europas, nimm das, Gmunden! Dort rennen sie jetzt geknickt herum, wie die reinsten St. Pöltner! Die Aversion besteht ja zurecht: Die Gmundner wollten beim Kulturhauptstadtprojekt erst gar nicht mitmachen. Und das Land OÖ war auch mehr als knausrig. Ich sag nur KTM-„Museum“!

Und noch was: Der Hausberg heißt Kaaatrin, nicht Kattrin. Oder gar Katrien. Kommt vom weiblichen Kater (?), der heißt nicht Katze, sondern Katerin. Seltsam, ich weiß. Und sagen Sie nicht Geusern zu Goisern. Sagen Sie Goisern.

Ich hätte halt nicht so triumphieren und mich, im KURIER umzingelt von lauter zornigen Niederösterreichern, als gebürtiger Ischler outen sollen. Weil jetzt darf ich hier denen die Kur-, Kaiser-, Operetten- und Sommerfrischestadt erklären. Dabei habe ich nur kurz in Ischl gelebt – so bis sieben, und meine Verwandten seh’n mich längst als Abtrünnigen.

Was ist ein Lichtbratl?

Einmal dort auf die Welt gekommen, bleibst du aber dein Leben lang Ischler. Das erkennst du daran, dass du alle 10 Jahre Lichtbratln gehst. Muss ich erklären: Aus irgendeinem Grund geh’n die Ischler mit rundem Geburtstag am Lichtbratlmontag rund um den Markt in einem festlichen Umzug. Die ganze Stadt steht Spalier und man gibt ihr Blumen – und ihm ein Lebkuchenherz.

Manch ein geselliger Ischler schleppt sich gebeugt von Lebkuchen, manch beliebte Ischlerin als wandelndes Gebüsch übern Kreuzplatz. Der Lichtbratl-Brauch hält quasi ganz Ischl zusammen. Allerdings: Mich wollen die nicht! Ich weiß es nicht. Als einziger gebürtiger Ischler der Welt werde ich nicht eingeladen!

Die haben mich vergessen, die können sich ihre Kulturhauptstadt auf den speckigen Bittner-Hut stecken, diese hinterwäldlerischen Salz-Brunzer und in ihren Lederhosen allein hinter der Salinenmusi oder der Bürgermusi nachstolpern. (Erstere haben übrigens weiße, letztere schwarze Federbuschen.)

Waffelbruch

Alle meine Vorfahren sind aus Ischl, Holzknechte, Salzarbeiter, ein Gendarm, Bierversilberer und dann doch eine Ischler Spezialität: Die Oma, Wienerin, ist als Kindermädchen der besseren Gesellschaft gekommen und hängen geblieben.

Ab und zu komm ich noch nach Ischl, was soll ich sagen, schöner ist es in den letzten Jahrzehnten nicht geworden, die übliche Wohlstandsverwahrlosung verschärft durch Tourismus. Der Kaiser-Imitator hat das Zepter übernommen, es rennen mehr falsche Kaiser herum als echte Sisis. Kultur, das heißt ja heute hauptsächlich Abwehrkampf gegen die Verschandelung auf verlorenem Posten. Gewiss, das EU-Projekt ist kein Sisi-Projekt, man könnte sich den Zaunerstollen zum Vorbild nehmen: Der ist aus übriggebliebenen Restln gemacht.

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