Ostrowski überzeugt in den ARD-Krimis aus Passau (hier „Freund oder Feind“) als windiger Privatschnüffler, der in eine veritable Thriller-Handlung hineingezogen wird

© ORF/Hendrik Heiden

Interview
04/03/2021

Michael Ostrowski: Profis im Scheitern, die viel mehr können

Schauspieler Michael Ostrowski über seine Beziehung zur ROMY und über die nächsten größeren Filmprojekte in Deutschland - unter anderem mit Elyas M'Barek

von Peter Temel

Irgendwann wird das letzte Interview mit Michael Ostrowski erscheinen, in dem er noch auf den Rollentypus „junger Schlawiner“ angesprochen wird. Mit den Passau-Krimis ist der 48-Jährige einen tüchtigen Schritt in Richtung ernstes Fach gegangen. Daher freut ihn auch die ROMY-Nominierung für seine Rolle in der ARD-Reihe.

„Das hat anscheinend viele überzeugt, dass ich nicht nur ein Gaudimacher bin“, sagt er. Dass er auch für den ORF-Dauerbrenner „Vier Frauen und ein Todesfall“ nominiert ist, fühle sich hingegen „fast wie fürs Lebenswerk“ an, scherzt er. Aber dafür ist er tatsächlich noch viel zu jung.

Sein Ferdinand Zankl, ein Privatdetektiv in Passau mit österreichischer Zunge, ist freilich nicht frei von Schusseligkeit. „Er ist da in eine große Sache hineingestolpert, aber er wächst mit der Aufgabe“, sagt Ostrowski. Zankl, sonst eher mit Kleinkram betraut, muss etwa plötzlich einen Berliner Auftragskiller unschädlich machen und einbuddeln.

Die Verbindung der etwas altmodisch angelegten Figur mit Ostrowskis lakonischem Humor habe Zankl „eine gewisse schräge Eigenart verliehen. Und damit ist das Wichtigste schon erledigt, damit eine Figur beliebt wird“, meint er.

Die ersten beiden Folgen markierten mit rund 20 Prozent Marktanteil den besten Neustart eines ARD-„Donnerstagskrimis“. Zwei weitere Krimis sind bestellt und werden ab Mai gedreht.

Initialzündung

In Deutschland wird Ostrowski seit seinem Auftritt in Til Schweigers „Kokowääh 2“ zunehmend gebucht. Initialzündung war die ROMY-Gala 2012, als er Schweiger mit einer witzigen Laudatio überzeugte. So jemanden wie ihn gäbe es in Deutschland nicht, habe Schweiger gesagt. 

 

Mike, ein Zocker und Lebemann, sucht nach vielen Jahren als "Onkel" die Familie seines Bruders (ebenfalls Ostrowski), als dieser im Koma liegt. Dessen Frau (Engelke) fällt aus allen Wolken, als  auch noch korrupte Geschäfte des geldigen Gatten ans Tageslicht kommen. Die Besetzung wartet zudem mit Simon Schwarz, Hilde Dalik, Gerhard Polt und Mechthild Großmann (die strenge Staatsanwältin vom „Tatort“ Münster) auf. 

Verrückt

„Höchstgradig verrückt“ sei die  Vorbereitung gewesen, erzählt Ostrowski. „Die Finanzierung haben wir genau am Tag des ersten Lockdowns im März geschlossen, ebenso wie den Vertrag mit Anke Engelke“. Danach wusste man monatelang nicht, ob Dreharbeiten möglich sind. Als es im August losging, war es der erste Kino-Dreh, der wieder in Angriff genommen wurde. Umso größer sei „das Glücksgefühl, es gemacht zu haben.“ Klar sei für ihn, dass die Leute den ‚Onkel‘ entweder lieben oder hassen werden, „es ist kein gefälliger Film“. 

Eine richtige „Buffo-Rolle“ verkörpere er in der Komödie „Liebesdings“, die derzeit in Berlin gedreht wird. Er spielt den Verlobten von Alexandra Maria Lara, „der nichts anderes zu tun hat, als ihr Heiratsanträge zu machen, die dauernd scheitern. Für solche  Dinge holt man natürlich einen Profi aus Österreich. Einen Profi im Scheitern“, flachst Ostrowski.

"Nacktschnecken"

Bei der Arbeit an dem Film kam der Grazer auch dahinter, warum er in Deutschland offenbar hoch im Kurs steht. Vor dem Dreh – mitten in einer großen Videokonferenz  – „outet sich die Regisseurin (Anika Decker, Anm.) als ‚Nacktschnecken‘-Fan. Und ein anderer zeigt seine ‚Schlawiner‘-DVDs her. Viele deutsche Filmleute lieben diese Sachen aus Österreich.“

Relotius-Film

Mit Elyas M’Barek, der die Hauptrolle in „Liebesdings“ spielt, hat er noch heuer ein zweites Projekt: Michael Bully Herbig holte Ostrowski  für seine Mediensatire „1000 Zeilen“, die sich am größten Presseskandal der letzten Jahre orientiert. Ostrowski spielt den Fotografen an der Seite jenes Reporters (M’Barek), der den Skandal aufdeckt. Die Szenen an der US-mexikanischen Grenze werden in Spanien gedreht.

Des Weiteren steht die nächste Netflix-Staffel von „How To Sell Drugs Online (Fast)“ an – und eine Rolle in der Fortsetzung zu Marc-Uwe Klings „Känguru-Chroniken“.

Und dort taucht er wieder auf, der bekannte Rollentyp: „Vokuhila, Goldketterl und Baucherl.“

Aber auch hier steckt mehr dahinter. Ostrowski: „Zuerst denkst du, er ist der volle Loser, tatsächlich kann er alles. Ein Anti-Antiheld!“

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