Kultur
20.07.2018

Michael Douglas im Interview: Gut für die Karriere

Michael Douglas erobert sich als Superheld Hank Pym in der Fortsetzung „Ant-Man and the Wasp“ seine Fans.

Michael Douglas hat sich neu erfunden. Der große Star des Kinos der 80er- und 90er Jahre, mit Hits wie „Wall Street“, „Falling Down“ und „Basic Instinct“, erobert sich als nunmehr 73-jähriger Schauspieler eine weitere Generation an Film-Fans: Michael Douglas spielt Hank Pym, einen Biophysiker aus den Marvel Comics und Erfinder von Schrumpfheld Ant-Man. In „Ant-Man and the Wasp“ (Filmstart: Donnerstag) kehrt er nun in der Fortsetzung zurück. Seine Frau (Michelle Pfeiffer) hat Hank Pym im Quantenreich verloren und versucht sie nun, mithilfe seiner Tochter – Evangeline Lilly als Wasp – und Paul Rudd als Ant-Man zurück zu holen.

Bestens gelaunt, freut sich Michael Douglas im KURIER-Gespräch über die Wunder der Spezialeffekte, seine neue Fan-Gruppe und die Vorzüge von Netflix.

KURIER: Mr. Douglas, haben Sie sich manchmal gewünscht, sie könnten sich selbst winzig schrumpfen wie Ant-Man und Ihre Umgebung beobachten?

Michael Douglas: Ich wäre tatsächlich gerne mal die berühmte Fliege an der Wand. Dann könnte ich nämlich hören, was die Leute so über mich reden, wenn ich nicht dabei bin. Das würde mich sehr interessieren.

Es gibt eine Szene in „Ant-Man and the Wasp“, wo man Sie und Michelle Pfeiffer sieht – dreißig Jahre jünger. War das ein interessantes Seherlebnis?

Oh ja, auf der Leinwand sah das toll aus! Die Dreharbeiten dazu waren allerdings weniger sexy. Man bekommt überall so kleine Punkte montiert – und dann blickt man ins Gesicht von Michelle Pfeiffer, das von lauter Flecken übersät ist. Da heißt es dann Schauspielern. Wenn man aber das Endprodukt im Kino sieht, ist das Ergebnis wirklich verblüffend. Ich bin in der Hinsicht ohnehin wie ein kleines Kind. Nachdem ich nie diese Spezialeffekt-Filme gemacht habe, bin ich davon ganz fasziniert. Allerdings macht es mich auch etwas nervös.

Was kann Sie in Ihrer langen Karriere noch nervös machen?

Naja, ich habe meine ganze Karriere hindurch zeitgenössische, charakterbasierte Filme gedreht. Wenn eine Szene fertig war, hatte ich eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie sie auf der Leinwand aussehen wird. Aber bei diesen Superhelden-Filmen , mit dem ganzen technischen Zeugs drum herum, habe ich keine Ahnung, was mich am Ende erwartet. Da muss man sehr viel Kontrolle abgeben. Schon allein beim Lesen des neuen „Ant-Man“-Drehbuchs habe ich mich hinten und vorne nicht ausgekannt. Bis ich drauf gekommen bin, dass ich mir den Marvel-Film „Captain America: Civil War“ anschauen muss, um die Geschichte zu kapieren. Ich bin mir vorgekommen wie ein Idiot.

Ihre Kinder waren keine Hilfe?

Die haben mir beim ersten Teil von „Ant-Man“ geholfen. Mein Sohn Dylan war gerade 15 und meinte zu mir: „Papa, dieser Film ist gut für deine Karriere. Damit wirst du dir ein ganz neues Publikum erobern.“ Und er hatte recht. Es gibt eine Menge Leute, die „Basic Instinct“ und „Fatal Attraction“ nicht gesehen haben. Und die Zusammenarbeit mit den Leuten vom Marvel Studio war wunderbar. Mein Motto lautet nämlich: Keine Volltrottel, und keine Arschlöcher. An diesem Punkt meines Lebens möchte ich nur noch mit Menschen zusammen arbeiten, die nett und talentiert sind.

Vermissen Sie die Zeit, als man mehr Filme jenseits der Superhelden-Blockbuster drehte?

Das würde ich, gäbe es nicht die Magie der Streaming Dienste. Ich habe gerade die Komödien-Serie „The Kominsky Method“ für Netflix abgedreht. Ich liebe Komödie, und das ist auch einer der Gründe, warum ich bei „Ant-Man“ mitmache. Netflix hat 8 Milliarden Dollar in seine Produktionen investiert; es gibt Amazon; meine Frau Catherine (Zeta-Jones, Anm.) dreht eine Serie für Facebook. Das sind die Orte, wo die kleineren Filme stattfinden, die ich liebe. Ist die Leinwand kleiner? Klar. Aber wenn ich an jene Filme denke, für die ich mich abgerackert habe, damit sie gerade mal eine Woche im Kino gezeigt werden...

Was ist der Reiz der Superhelden-Filme?

Es ist wie eine Hochschaubahnfahrt im Prater – der reine Eskapismus. In der Zeit, in der wir leben, ist man froh, wenn man der Realität manchmal fernhalten kann.

Finden Sie, wir leben in deprimierenden Zeiten?

Ich empfinde das Filmemachen als eine Flucht vor dem Krebs der Politik, und zwar nicht nur in meinem Land. Wir leben in sehr polarisierenden Zeiten. Ich bin ein liberaler Demokrat, und ich frage mich, wo es hingeht – in den USA, der Türkei, Österreich und Ungarn. Die Werte unserer Nachkriegsgesellschaft scheinen nicht mehr so unverbrüchlich, wie man einmal angenommen hat.

Auch Ihre Kinder sind im Schauspiel-Geschäft, oder?

Ja, alle. Ich habe letztens mit meinem Vater Kirk darüber gesprochen: Wir haben gemeinsam rund 160 Filme in über 85 Jahren gedreht. Und eine neue Douglas-Generation folgt uns nach.