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Kultur Medien
10/14/2020

Von Gabalier bis "Starmania": Die Pole des ORF

Der Öffentlich-Rechtliche versucht die gesellschaftlichen Strömungen unter einen Hut zu bringen.

von Philipp Wilhelmer

Wofür steht eigentlich Andreas Gabalier? Der „Rehlein“-Barde gestaltet für den ORF einen vorweihnachtlichen Liederabend, wie ORF2-Channelchef Alexander Hofer am Dienstag bei der Präsentation des Herbstprogrammes verkündete. Weder er noch Generaldirektor Alexander Wrabetz erklärten auf KURIER-Frage, wofür Gabalier aus ihrer Sicht gesellschaftspolitisch steht – etwa anhand des Zitats: „Es ist nicht leicht auf dieser Welt, wenn man als Manderl heute noch auf ein Weiberl steht.“

"Frage erwartbar"

Hofer findet die Frage vielmehr „erwartbar“. Der ORF zeige in einem Programm alle Spektralfarben. „Ich gehe davon aus, dass er solche Sätze nicht in der Aufzeichnung sagen wird.“ Das Publikum werde auch eher auf das weihnachtliche Liedgut reflektieren als auf die gesellschaftspolitischen Anschauungen des Künstlers. „Insgesamt ist es, glaube ich, verkraftbar.“

Kein Verfolger

Wrabetz gab an, „kein ganz genauer Verfolger“ von Gabaliers öffentlichen Äußerungen zu sein. Fest stehe, dass es bei der ORF-Übertragung 2019 keine derartigen Diskussionen gegeben habe „und er auch keine missverständlichen Äußerungen getätigt hat“. Programmdirektorin Kathrin Zechner, hierarchisch irgendwo in der Mitte von Wrabetz und Hofer angesiedelt, findet: „Der ORF ist pluralistisch. Andreas Gabalier hat da Platz. Wichtig ist es uns aber auch, die Gegenpositionen zu transportieren, etwa in den gesellschaftspolitisch sehr modernen ,Vorstadtweibern‘.“

Heimische Stimmenvielfalt

Anlass für diese Betrachtungen zum zeitgenössischen rot-weiß-roten Liedgut war die Programmpräsentation des ORF, die einen Ausblick in Herbst, Winter und Frühjahr gab. Als größten Pflock schlug man auf ORF1 „Starmania 21“ ein, die Neuauflage der Castingshow, die von 2002 bis 2009 gelaufen war und Größen wie Conchita Wurst und Christl Stürmer hervorgebracht hat. „Wir glauben daran, dass Singen eine ganz große Kraft hat“, sagte ORF1-Chefin Lisa Totzauer. „Wir glauben an die Kraft der österreichischen Stimmen.“

Start am 26. Februar

Nach der langen Sendepause gebe es eine ganze Generation von Künstlerinnen und Künstlern , die im Fernsehen ihren Traum verwirklichen wollen. Start ist der 26. Februar, über die Moderation hüllte sich der ORF noch in Schweigen. Bewerbungen werden bereits entgegen genommen.

"A Team" mit Marolt

Totzauer hat auch Ex-Dschungelcamperin Larissa Marolt im Programm, die ein Dokutainment-Format namens „A Team für Österreich“ präsentieren wird. Darin soll sich die Moderatorin und Schauspielerin gesellschaftspolitisch relevanten Themen widmen. Starttermin: 25. November. Einer Dauerbaustelle auf ORF1 wird bis Jahresende Zeit gegeben, sich quotenmäßig zu erholen: Dann soll sich das Schicksal von Peter Kliens Late Night-Show entscheiden, so Totzauer. Sie will neben „Willkommen Österreich“ jedenfalls einen zweiten Satire-Slot erhalten.

Opernballabend wird im ORF stattfinden

ORF2 setzt noch stärker auf das Erfolgs-Dokumentationsformat „Universum“ und plant einige History-Spezialfolgen, etwa zum „Weißen Gold“ in Hallstatt. Der abgesagte Opernball wird dennoch stattfinden, und zwar in einer Art „Best of“ aus dem Archiv, kündigte Hofer an.

Man spürte: Der ORF, der heuer coronabedingt keine große Programmparty schmeißen kann, ist wie viele Unternehmen des Landes unter massivem Spardruck.

Allerdings sieht Alexander Wrabetz langsam etwas wirtschaftliche Entspannung für sein Unternehmen: „Nach Ende des Sommers hat sich die Werbesituation etwas beruhigt. Wir sind gut unterwegs und hoffen, dass wir das Jahr gut zu Ende bringen. Wenn uns Corona nicht einen Strich durch die Rechnung macht, hoffen wir, dass es zwar nicht auf Vorjahresniveau, aber doch auf akzeptablem Niveau weitergeht.“

Derzeit halte man bei den Werbeeinnahmen im Fernsehen bei einem Minus von zehn bis zwölf Prozent unter dem Vorjahr, „vor dem Sommer haben wir aber sogar mit einem Rückgang von 25 bis 30 Prozent gerechnet“.

Dem Stiftungsrat im November werde man jedenfalls ein ausgeglichenes Budget für 2021 vorlegen können. „Die schwarze Null ist gelungen – es war aber in allen Bereichen eine große Kraftanstrengung.“

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