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TV-Serie
02/04/2020

TV-Serie "This Is Us": Nicht schon wieder Familie? Doch!

„This Is Us“ zeigt, was Familie heute alles sein kann (aber im heimischen TV nie ist).

von Georg Leyrer

Es gibt ganz viele Gründe, sich „This Is Us“ nicht anzusehen. Es ist, mal wieder, eine Streamingserie (Amazon Prime), mit vielen Folgen in mittlerweile vier Staffeln, die man abrufen muss und die nicht einfach da sind, wenn man das Kastl aufdreht. Die Besetzung, sie trägt eine bis zum Identitätskampf aufgefächerte US-Randgruppenbandbreite vor sich her: eine Nicht-Schlanke, ein Schwarzer, ein Schöner (die leiden auch!) machen die jüngere Generation aus, ein Schnurrbartträger steht für die ältere.

Und will man wirklich noch eine Fernsehfamilie in sein Leben lassen, hat man nicht schon genug von den Problemen, den Gefühlen, den verhunzten Thanksgivings anderer Menschen?

Man will.

Oder man sollte wollen.

Denn „This Is Us“ weiß in einer Qualität, in einer erstaunlichen Betroffenheit vom Menschen zu erzählen, wie sie früher im Fernsehen undenkbar gewesen wären.

Genauer: von Familie. Viel und gerne wurde ja über deren Niedergang gejammert; hier ist sie lebendig – mit allem, was das heißt. Wer also keine Familie hat, oder nicht weiß, was das sein soll, oder sich vergewissern will, warum man eine wollen könnte – hier finden sich Antworten, viele schöne, viele schwierige. Es geht um Krieg (in Vietnam, in der Familie) und Zusammenleben (miteinander und gegeneinander). Um Adoption und Identität, um Liebe und Freundschaft. Darum, was Eltern für ihre Kinder tun würden (sterben, etwa), und was Kinder ihren Eltern dafür zurückgeben (das Leben).

Es sind Amerikaner, mit amerikanischen Problemen, aber es sind auch wir.

Man darf lachen und weinen und sich hin und wieder, wie das halt bei Familie so ist, auch denken: Geh, bitte.

Drehbuchkunst

Die Serie ist, vor allem, ein Gustostückerl allerhöchster Drehbuchkunst. „This Is Us“ spielt im Jetzt, in der Zukunft, in der Vergangenheit, je nachdem, wann halt etwas Wichtiges bei den Pearsons passiert. Man merkt’s an der Bartmode, daran, wie groß die Pearson-Kinder gerade sind, an den Autos und den Geschichten. Manchmal weiß man überhaupt nicht, in welchem Jahr man gerade ist; man erfährt es dann auf die kunstvollste Weise. Alles hängt zusammen.

Wer immer noch glaubt, dass amerikanische Serien dumm sind, darf hier die Zeitebenen mitdekodieren.

Es ist aber keine besonders teuer gestaltete Serie: Ein paar Oldtimer, ein bisschen Sepia-Filter für die Vergangenheit, ein gutes Friseurteam gibt es. Aber keinerlei prinzipielle Hinderungsgründe, Derartiges auch in Europa, mit den schmalen Budgets hiesiger Sender zu drehen.

Vor dem Hintergrund der auch in der vierten Staffel (bei Amazon Prime gegen Zusatzgebühr) ohne Durchhänger weitergeschriebenen, weitergedachten, weitererzählten Familienstory darf man darüber schon grübeln. Warum das heimische Fernsehen meist nur Figuren findet, wo Menschen sein sollten. Warum einem Lachen, Liebe und Leid in Philadelphia und Los Angeles näher sind als das, was hier weggewischt oder besonnenscheint wird. Warum man in diesem Fall sagen muss: Streaming, wie wir.

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