© Philip Aschauer/phlex film/ORFIII

Kultur Medien
10/12/2019

TV-Doku "Blutige Linien": Ein Konflikt, der die Welt in Atem hält

ORFIII-Doku über die Wurzeln des Dramas im Nahen Osten und wie ein österreichischer Priester dagegen arbeitete (Samstag, 21.05).

von Christoph Silber

Für den ORF-Dokumentaristen Gerhard Jelinek sagt ein simples Faktum beinahe alles: „Bei uns kennt kaum wer das Sykes-Picot-Abkommen. Für viele im Nahen Osten ist es hingegen das Symbol für koloniale Willkür, die Ignoranz des Westens und dessen Verrat an den Arabern.“ Mit Folgen bis heute, wie Jelineks Doku „Blutige Linien“ (21.05, ORFIII) als Teil eines „zeit.geschichte“-Schwerpunktes (ab 20.15 Uhr) zeigt. 

Die Auswirkungen des Abkommens: Bürgerkrieg in Syrien, das Schlachten des IS, Fehden zwischen Sunniten und Schiiten im Irak oder der Streit um Palästina und der Kurden-Konflikt.

Neue Grenzen

Das Feuer für den Dauer-Brandherd Naher Osten wurde 1916 gelegt: Während der Erste Weltkrieg tobte, zogen Sir Mark Sykes für England und François Georges-Picot für Frankreich in einem geheimen Abkommen willkürlich neue Grenzen. Es ging um langfristigen Einfluss. Dafür ignorierten sie Stammes- und Religionsgrenzen und Versprechen gegenüber den Anführer der arabischen Revolte gegen die Osmanen, die ein arabisches Großreich zum Ziel hatte. Der walisische Archäologe und Offizier Thomas Edward Lawrence – der später legendäre Lawrence von Arabien und Anführer im Aufstand – wusste vom Abkommen und auch, dass diese Kämpfe auf Lügen aufgebaut wurden, wie er selbst formulierte.

Persönlichkeiten

Ein Gegenspieler kam just aus Österreich: Alois Musil, anerkannter Orientalist, Berater Kaiser Karls und Priester. Der später über Lawrence sagte: „In Arabien scherte sich kein Mensch um ihn, weil man ihn nicht kannte. Anhänger gewann er nicht durch seine Persönlichkeit, sondern durch Bestechung.“

Musil hatte eine Vision: „die Orientalen als Gleichgestellte“ in einem geeinten Arabien – und Verbündete Österreich-Ungarns. Der Priester wurde auf seiner „Mission Impossible“ zu General und Scheich Abu Musa, der als Beduine lebte, unter Stämmen Frieden stiftete und als Katholik zu Allah betete.

Letztendlich aber am Weltgeschehen scheiterte, das ihm auch persönlich übel mitspielte. „Weil Musil Tscheche war, musste er nach Kriegsende von Wien nach Prag übersiedeln. Auch seine Karriere kam ins Stocken“, erzählt Jelinek, der für die Doku u. a. mit James Barr (Kings College London, Autor von „A Line in the Sand“), Ex-Außenministerin Karin Kneissl und Musil-Forscher Michael Weigl gesprochen hat. Im Nahen Osten war Jelinek für die Low-Budget-Produktion nicht: „Unsere Wüste liegt in Untersiebenbrunn, wo Bauschutt recycelt wird.“

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