Das Gesicht zur Krise: Tobias Pötzelsberger.

© Kurier/Jeff Mangione

Interview
03/19/2020

Tobias Pötzelsberger: "Alter ist nicht die einzige Maßgabe"

Als Gesicht der Krise wurde der ORF-Moderator 2019 bekannt– jetzt ist er erneut im Einsatz. Und im Homeoffice.

von Philipp Wilhelmer

Der große Durchbruch kam am 18. Mai 2019, als das Ibiza-Skandalvideo um Heinz-Christian Strache (FPÖ) die Regierung sprengte. Tobias Pötzelsberger, damals noch unbekannter ORF-Moderator, stand am Dienstplan und moderierte das Land souverän durch die Krise. Heute schiebt er Homeoffice. Oder moderiert Sondersendungen. Und: Pötzelsberger ist für eine ROMY nominiert.

KURIER: Das Publikum hat Sie kennengelernt, als mit Ibiza die größte politische Krise seit Langem über das Land hereinbrach. Am Wochenende sah man Sie mit dem Bundeskanzler in einer Sondersendung zu Corona. Wie geht es Ihnen damit, das Gesicht der Krise zu sein?

Tobias Pötzelsberger: Ich denke, es ist dem aktuellen und politischen Journalismus anheim, dass man in einer Krise besonders gefordert ist. Mein Job besteht vor allem daraus, die Nachrichten zu überbringen – egal, was sie sind. Ich kann fachlich wahnsinnig viel lernen gerade. Fünf Stunden Sondersendung live – das macht man nicht oft.

Wenn Sie wie letzten Samstag vor einer Million Sehern mit Sebastian Kurz in der Sonder-„ZiB“ sitzen, sind da zwei Mittdreißiger, die dem Rest der Republik ein Gefühl der Souveränität vermitteln. Das ist doch einigermaßen ungewöhnlich, oder?

Ich will es nicht überinterpretieren, aber ich habe damals beim „Sommergespräch“ schon schmunzeln müssen, dass ein 33-Jähriger und ein 36-Jähriger das machen. Es demonstriert vielleicht, dass Alter nicht die einzige Maßgabe ist. Erfahrung ist wichtig. Wenn man früh beginnt, hat man ja auch mit Mitte 30 schon viel Erfahrung gesammelt.

Sieht man sich Ibiza oder Sondersendungen an, hat man das Gefühl, als könnte Sie und Ihre Kollegen nichts aus der Ruhe bringen. Woran liegt das?

Es hat sicher viel mit Erfahrung zu tun. Wenn man schon viel gesehen hat, weiß man, wie Krisen funktionieren, was wichtig ist und was weniger, wie man so kommunizieren kann, dass das auch jeder versteht. Und ich bin ein Mensch, der generell eher nicht so leicht aus der Fassung zu bringen ist.

Ihr Vorbild ist Robert Hochner (der legendäre „ZiB2“-Moderator starb 2001 an Krebs). Was hat ihn so speziell gemacht?

Er hat sich selbst nicht überhöht, sondern hat versucht, mit Ruhe und Gelassenheit zu erzählen, was passiert ist. Das hat mich immer beeindruckt. Und er hat nach Beiträgen immer ein leichtes Lächeln auf den Lippen gehabt – er schaffte es, diese schwierigen Geschichten freundlich zu vermitteln im Sinne von „Wir schaffen das schon“.

Man kann also ruhig freundlich dreinschauen, wenn man schlimme Nachrichten überbringt.

Natürlich nicht über Gebühr. Grundsätzlich sehe ich es so, dass wir zu Gast sind in den Wohnzimmern und ein Gast soll sich doch bitteschön freundlich verhalten und einfach nett sein.

Ist Ihnen Ihre Verantwortung als Nachrichtenmoderator in Zeiten wie diesen besonders stark bewusst?

Ich glaube auch, dass das die schlimmste Krise ist, die wir in der Zweiten Republik erlebt haben – vor allem die ungewöhnlichste. Gerade deshalb muss man mit Fingerspitzengefühl vorgehen – auf der anderen Seite steht die Verantwortung, dass man nichts verschweigt. Man kann das durch ganz nüchternes Aussprechen der Dinge lösen. Man muss nicht die große Schlagzeile suchen.

Der ORF hat sensationelle Quoten, die öffentliche Kritik ist verstummt. Wird diese Phase nach der Krise anhalten?

Ich glaube schon, dass wir beweisen können, warum es uns gibt und wofür es uns gibt und warum das wichtig ist, was wir machen. Auch warum Gebühren berechtigt sind. Ich bin mir nicht sicher, wie lang das anhält, weil manche einfach gern auf den ORF „hinhauen“, um sich zu profilieren. Aber ich denke schon, dass wir unser Standing verbessern konnten. Das hat mit Ibiza schon begonnen und setzt sich jetzt fort. Es ist gut, wenn man sehen kann, dass das einen großen, wichtigen Nutzen für uns alle hat. Nicht jeder macht es so seriös. Aber man muss diese Leistungen auch bestätigen.

Wir führen dieses Gespräch entgegen unserer Planung per Videochat. Sie sind gerade in Salzburg, wohin Sie als Jungvater pendeln. Wie vereinbaren Sie Job und Familie?

Mit guter Planung geht das schon. In dieser Ausnahmesituation muss man ein bisschen flexibler sein, zum Glück ist meine Familie spontan. Ich bin in Elternteilzeit und das funktioniert gut.

Auch das ist an Ihrer Karriere ungewöhnlich: Die meisten Männer würden in dieser Phase nicht noch extra viel Zeit mit der Familie verbringen.

Ich sehe das total nüchtern – die Arbeit macht mir großen Spaß, aber man muss natürlich Kompromisse schließen. Ich habe tolle Kollegen, die machen das wunderbar. Von den Unverzichtbaren liegen viele am Zentralfriedhof. Das ist halt meine Interpretation, wie man als Vater Verantwortung übernehmen kann.

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