Thomas Stipsits: Zu Weihnachten startet die Eierkratzsaison
Stipsits als schrulliger Ermittler mit seiner Mutter „Baba“ (Erika Deutinger), die plötzlich unter Verdacht gerät.
Dieser Fall geht dem Inspektor Sifkovits besonders nahe. Gerät doch die Baba, seine Mutter (Erika Deutinger), unter Mordverdacht. Erstens, weil ihr Eierkratzmesser im Hals des Opfers gesteckt haben soll. Und weil sie partout nicht zugeben will, warum sie zum Tatzeitpunkt in Wörterberg war. Dort, wo die Leiche eines windigen Finanzinvestors gefunden wurde.
Aber halt, Eierkratzen? Trotz eines beliebten Youtube-Videos zum Thema dürfte dieser Begriff nicht jedem geläufig sein. Das Eierkratzen ist ein slawischer Osterbrauch, der im Südburgenland von den Burgenlandkroatinnen in Stinatz praktiziert wird. „Es hat eine sehr lange Tradition“, erzählt Thomas Stipsits. „In der Familie meiner Oma geht das schon über Generationen. Die Frauen bauen sich ihre Eierkratzmesser selber aus alten Rasierklingen, die sie zuschleifen.“ Er selbst habe es als Bub auch probiert. „Ich hab’ aber viele Eier hingemacht. Es ist wirklich schwer.“ Weniger kaputt machen konnte man beim Eierausblasen. Und geholfen habe er vor allem beim Eierspeis essen, meint er mit einem Lachen. Das Ei-Gemisch sei schüsselweise zum Dorfwirt gebracht worden.
Bestseller
In bisher vier Büchern (Ueberreuter Verlag) von Schauspieler, Kabarettist und Autor Thomas Stipsits ging der burgenländische Inspektor Sifkovits auf Verbrecherjagd. Nicht nur seine Schrulligkeit erinnert an Columbo, auch sieht man seine Frau nie und er fährt einen Peugeot.
1,18 Millionen Zuschauer
hatte die ORF/ARTE-Verfilmung des ersten Stinatzkrimis „Kopftuchmafia“ im Schnitt im Oktober 2024 (41 Prozent Marktanteil), Teil 2, „Uhudler-Verschwörung“, landete 2025 bei 1,099 Mio. und 40 Prozent Marktanteil.
Aktueller Fall
In der beschaulichen Provinz wird Gruppeninspektor Sifkovits (Thomas Stipsits) mit einem besonders kniffligen Fall konfrontiert. Als er in der Karwoche seine Mutter besucht, erreicht ihn die Nachricht, dass Fredi Horvatits (Franz Sailer) erstochen wurde – ausgerechnet mit einem Eierkratzmesser. Nur noch wenige Stinatzer Frauen üben damit ein uraltes Kunsthandwerk aus, darunter seine Mutter Baba (Erika Deutinger). Der Rest der „Kopftuchmafia“, die Resetarits Hilda (Linde Prelog), und die Grandits Resl (Erika Mottl) sind entsetzt, als Baba in den engsten Kreis der Verdächtigen gerät. Dabei kommt das halbe Südburgenland infrage, denn Fredi hat im großen Stil Geld verspekuliert. Der dritte Fall des „burgenländischen Columbos“, der auch im Kiffermilieu ermittelt, ist besonders dicht gewebt, wartet mit gruseligen Traumsequenzen auf und bleibt dennoch gewohnt ulkig.
Nach der ORF1-Premiere (30. März, 20.15 Uhr) gibt es ein Dacapo am Karsamstag um 17.15 Uhr auf ORF1.
Überall Eier
Nach Weihnachten ist vor Ostern war dabei keine leere Phrase. Denn Eierkratzsaisonbeginn sei bei der Stinatzer Oma stets schon am Stefanitag gewesen, sagt Stipsits. „Und zum Ostersonntag hin, im Endspurt, hast du keine Küche und kein Wohnzimmer mehr gesehen, da war alles voll mit Eiern.“ Es galt, vorbereitet zu sein, weil auf den letzten Drücker noch Leute mit Eierwünschen gekommen seien.
Die "Kopftuchmafia": Erika Mottl, Erika Deutinger und Linde Prelog
Diese Umtriebigkeit der echten Oma wird auch im aktuellen Stinatzkrimi verewigt. Einen wahren Hintergrund habe auch das Geld, das im Tiefkühlfach versteckt wird. Stipsits erzählt: „Als bei uns einmal eingebrochen wurde – ich war noch mit Kathi Straßer zusammen – hat ein Inspektor diesen Tipp gegeben: ,Welcher Einbrecher schaut im Gefrierfach in einer Erbsenschachtel nach?‘“ – Nach dem heutigen Stinatzkrimi vermutlich jeder. Auch die Krimireihe „Columbo“, bei der Stipsits in seinen Krimibüchern Anleihen nahm, soll schon echte Kriminelle inspiriert haben.
Sifkovits und sein Freund, der Dorfpfarrer (Clemens Berndorff).
Roy Black hilft mit
Bei der Aufklärung spielt zudem Musik eine Rolle. Stipsits: „Der Roy Black hilft doch ein bisschen mit, den Fall aufzuklären, so viel kann man sagen. Roy Black hilft immer, finde ich. Wenn alle Stricke reißen, bleibt uns immer noch Roy Black.“
Diesmal ist die Nummer „Ein bisschen Zärtlichkeit“ dran. Bei dem Schlager müsse er immer an die steirische Geli-Oma denken, die ihm zu Weihnachten einmal eine Roy-Black-Musikkassette geschenkt habe. „Dass sich Roy Black in den Stinatzkrimis so entwickeln wird, hätte ich mir auch nicht gedacht“, meint der Schauspieler. „Wobei ich am Anfang drauf bestanden hab, dass eine Nummer drin sein muss. Damals war es dem Regisseur Daniel Prochaska eher wurscht, mittlerweile g’fällt’s ihm, glaub ich, sogar.
Den Schalk hat er ebenfalls sichtlich im Nacken, wenn die Frage auf die Gruselelemente im aktuellen Fall kommt. „Dani ist dem Horrorgenre schon sehr zugeneigt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er die Autoren gebeten hat, das reinzuschreiben.“
Skeptisch: Erika Mottl, Christoph Krutzler und Linde Prelog
Benko und Esel
Zuletzt hat Stipsits in ein eher unerwartetes Rollenfach gewechselt, er spielt René Benko im TV-Dokudrama „Benko – Size does matter“. „Zuerst habe ich mir gedacht: ,Hat da wer anderer abgesagt?‘“, meint er. „Aber Raymond Ley hat gesagt, dass er bewusst jemanden haben wollte, der eine Reibung zu dem Bild entwickelt, das die Öffentlichkeit von Benko hat. Und so etwas macht eine Rolle interessant. Wenn man zeigen kann, wie diese Figur mit sich kämpft und auch – das mag blöd klingen – ein Mensch ist.“
Ende Mai soll es dann losgehen mit den Dreharbeiten für den „Griechenland“-Nachfolger „Italien oder Non mio Esolo“ fürs Kino. Mit seinen tierischen Spielpartnern – zwei trainierte Eselinnen – gebe es dieser Tage das erste Kennenlernen. „Das wird sehr spannend“, freut sich Stipsits schon mit einem breiten Grinsen.
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