© Des Willie/Netflix

Kultur Medien
11/15/2020

"The Crown" Staffel 4: Plötzlich Prinzessin der Herzen

Die herausragende Netflix-Serie nähert sich der Gegenwart - und das macht es nicht leichter. Dianas tragisches Schicksal eingeschlossen.

von Georg Leyrer

Die Queen (Olivia Colman) hat es in der grandiosen Serie „The Crown“ ohnehin nicht leicht. Jetzt hat es auch die Serie selbst zunehmend schwer. Denn mit der nun bei Netflix abrufbaren vierten Staffel muss sie all das erzählen, was das Bild des britischen Königshauses und von England bis heute prägt. Kein gnädiger Geschichtsschleier mehr, man tritt aus der Historie ganz nah an die Gegenwart.

Auftritt Margaret Thatcher

Mit gepresster Stimme und steifem Genick spielt Gillian Anderson den britischen Anti-Kreisky, und immer wieder stutzt man wegen der Ähnlichkeit mit der Eisernen Lady.

Die wird so weit ausdifferenziert, wie es das enge Korsett der strengsten Premierministerin der Geschichte zulässt. Thatcher führt wütende Kleinkriege in ihrem Kabinett, und hat keine Zeit für den aufkeimenden Falkland-Konflikt, da ihr Sohn in der Wüste verschollen ist. Und sie sitzt der Queen gegenüber wie eine Fremde - was frühere Premiers nicht taten: Körperlich spürbar ist die Distanz zwischen der zunehmend schrullig werdenen Königin - die in den ersten Folgen der vierten Staffel eine Nebenrolle spielt - und der eiskalten Politikerin.

Und Auftritt Diana

Die versteckt sich in der ersten Folge vor Charles im Shakespeare-Kostüm hinter einer Zimmerpflanze – und träumt dann ihren Sommernachtstraum vom Prinzessinnen-Sein, der rasch und nachhaltig zum Albtraum wird.

Man sieht – aus dem Inneren – die Zahnräder des Königshauses, wie sie zu mahlen, zu zermalmen beginnen. Emma Corrin als so strahlende wie berechnende Diana (die sich mehr einhandelt, als sie vertragen kann) schaut nach Traumbesetzung aus, wie überhaupt die Serie neben dem tollen Buch insgesamt auch hervorragend gecastet ist.

Diesen Trumpf spielt die vierte Staffel gehörig aus. Die Queen rückt aus dem Fokus, "The Crown" wird zunehmend zum Ensemblespiel einer schrecklich gewöhnlichen Familie. Josh O'Connor ist ein bis zur Störung emotionsverschrobener Charles, der seiner jungen Braut ausgerechnet die Ex-Freundin als Lunch-Partnerin anempfiehlt, von der er emotional nicht loskommt. Camilla hier, Camilla da - her wird die spätere (echte) Geschichte vorweggenommen. Mit all ihrer Tragik und all ihrer Gewöhnlichkeit.

Letztere spielt auch zunehmend eine Rolle. Denn die Königsfamilie fällt immer mehr aus der Zeit. Die Königinnenmutter trägt Wollwesterl und vergnügt sich beim Gesellschaftsspiel, in das Thatcher so overdressed wie irritert hineinplatzt. Man amüsiert sich damit, Diana auflaufen zu lassen - und schaut mit Unverständnis auf den anschwellenden IRA-Terror, der bis ganz nah an die Königsfamilie heranzureichen lernt. Hier geht die Schere endgültig auf: Das Renommee des Königshauses ist tot, lang lebe „The Crown“!

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.