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Kultur Medien
01/05/2020

"Tatort" mit Til Schweiger: Ein Haudegen sucht sich selbst

Nick Tschiller begibt sich in „Tschill Out“ auf Selbstfindungstrip. Was der „Tatort“ heuer sonst noch bringt.

von Nina Oberbucher

Wenn Nick Tschiller (Til Schweiger) ermittelt, dann fliegen normalerweise die Fetzen, dann gibt es Explosionen und Schießereien.

Nicht so in seinem neuesten Fall (Sonntag, 20.15 Uhr, ORF2): In „Tschill Out“ gibt der einstige Haudegen den Nachdenklichen. Auf der unwirtlichen Nordsee-Insel Neuwerk will Tschiller zur Ruhe kommen und den Tod seiner Ex-Frau verarbeiten, während er sich um eine Gruppe verhaltensauffälliger Jugendlicher kümmert – ganz ohne Schusswaffen. Doch mit der Ruhe ist es vorbei, als sein Kollege Yalcin Gümer (Fahri Yardim) ihn um Hilfe bittet: Gümer sollte zwei Kronzeugen unauffällig an einen sicheren Ort bringen, doch am Weg dorthin wird einer der beiden erschossen.

Nach dem Experimental-„Tatort“ vom 1. Jänner, bei dem mehrere Teams ohne festes Drehbuch zusammenarbeiteten, ist „Tschill Out“ der erste reguläre Fall der Krimi-Reihe in diesem Jahr. Es soll eine Art Neustart für den Hamburger Polizisten Tschiller sein, das betonen sowohl die Verantwortlichen vom NDR als auch Til Schweiger selbst.

Dass die für Tschiller üblichen Verfolgungsjagden und Actionszenen viel Budget verschlungen haben, hatte in der Vergangenheit immer wieder für Kritik gesorgt. „Tschiller war sicher kein Sozialpsychologe“, findet auch Schweiger. Nach der Episode „Off Duty“, die im Sommer 2018 recht maue Quoten erzielt hatte, wurde Tschiller eine Pause verordnet – im Vorjahr war der Hamburger Polizist gar nicht im Einsatz.

Im neuen „Tatort“ geht es also bewusst ruhiger zu, auch die Anzahl der Opfer ist überschaubar – ganz im Unterschied zu den früheren Fällen, hatte Schweiger der Krimi-Reihe doch in „Kopfgeld“ mit 19 Toten einen Leichen-Rekord beschert. „Die Actionfans, die die vorherigen Tschiller-,Tatorte‘ gefeiert haben“, so Schweiger über den neuen Film, „kommen nicht so auf ihre Kosten“. Es sei aber trotzdem kein gewöhnlicher „Tatort“, versichert er.

Für das Drehbuch zeichneten Anika Wangard und Eoin Moore verantwortlich, die sich mit dem „Polizeiruf 110“ aus Rostock einen Namen gemacht haben. Moore hat zudem die Regie übernommen. Auch er sei zunächst skeptisch gewesen, als er für den neuesten Tschiller-Fall angefragt wurde. „Die früheren ,Tatorte‘ mit Til waren ganz andersartige Formate als das, was wir machen. Aber nach einigen Gesprächen haben wir verstanden, dass die Redaktion und auch Til wirklich etwas Neues sehen wollten.“

So erlebt man Tschiller nun beim Joggen durch die Natur, beim Paintballspielen mit Jugendlichen und beim gemütlichen Zusammensitzen am Lagerfeuer. Das tut ihm wohl ganz gut und so kommt er zur Erkenntnis: „In mir steckt noch ganz viel Zeug, Gefühle und so.“

Das „Tatort“-Jahr geht nächste Woche mit einem Fall aus Köln weiter: Ballauf und Schenk ermitteln am 12. Jänner in „Kein Mitleid, keine Gnade“. Die Münchner Kommissare Batic und Leitmayr sind am 26. Jänner wieder im Einsatz. Ein neues Team tritt den Dienst in Zürich an und im Herbst steht die Jubiläumsfolge am Programm: Der „Tatort“ feiert im November 50. Geburtstag.

Für den nächsten Austro-„Tatort“ ist noch kein Ausstrahlungstermin bekannt, Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) sollen in diesem Jahr aber zwei Mal zu sehen sein. Die Fälle mit den österreichischen Ermittlern haben im ORF im Vorjahr auch die stärksten „Tatort“-Quoten erreicht. Man darf gespannt sein, wie der zwangsberuhigte Tschiller abschneidet.

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