Unterwegs mit dem ehemaligen Neos-Chef Matthias Strolz

© Kurier / Gilbert Novy

Interview
11/18/2019

"Strolz trifft Mann": Matthias Strolz über Männlichkeit

Der Ex-Politiker Matthias Strolz beschäftigt sich auf Puls4 (20.15) mit der Männlichkeit.

von Marco Weise

Der ehemalige Neos-Chef Matthias Strolz bespielt nach seinem Rückzug aus der Politik geschickt die Bühne der Aufmerksamkeit. Ganz nach dem Motto: Immer schön im Gespräch bleiben – und das machen, was einem Spaß macht – singen, tanzen, Bäume umarmen und Bücher schreiben. Und die Neuerfindung des Vorarlbergers geht heiter weiter. Für den Privatsender Puls4 geht er am Dienstag (19.11.) um 20.15 Uhr zum zweiten Mal raus in die Natur und unter die Leute. Anlässlich des Internationalen Männertag macht er sich auf die Suche nach Antworten zum Thema „Mannsein“.

KURIER: Wann ist ein Mann ein Mann, Herr Strolz?

Matthias Strolz: Meine Forschungsreise für Puls4 erhärtet meinen Verdacht, dass es keinen objektiven Maßstab gibt, der außer Streit steht. Es gibt ihn nicht, DEN Mann. Es gibt viele Männer. Und die Antworten auf die Frage, wann ist ein Mann ein Mann, werden immer bunter. Und das ist auch sehr erfreulich, finde ich.

Sie haben im Rahmen der Sendung an einem Männer-Selbstfindungscamp teilgenommen. Ihr Resümee?
Diese spezifische männliche Energie hat was. Und es ist unsere große Lebensaufgabe, ihr Form zu geben: Die Energie konstruktiv zu leiten, damit sie nicht in die Gewalt abschmiert. Alle Gewaltstatistiken zeigen, dass die Männer viel häufiger in die Gewalt ausweichen als Frauen. Hier wartet noch viel Arbeit für, an und mit uns Männern.

Was haben Sie beim Camp herausgefunden?
Dass es sehr lustvoll sein kann, einen gemeinsamen Einkehrschwung bei sich selbst zu machen.

Stecken Männer in einer Krise?
Krise ist ein großes Wort. Jedenfalls im Wandel. Und der bringt natürlich Unsicherheit. Früher war es eindeutiger, eindimensionaler, schwarz-weiß. Heute flirrt es in allen Farben. Wir sollen gefühlvolle Liebhaber sein und doch etwas Macho, beruflich erfolgreich und bitte mehr präsent in Familie und Hausarbeit, durchtrainiert und entspannt … Mit all den Erwartungen müssen wir zurechtkommen. Und so manchen drückt das an die Wand.

Was gilt heutzutage als typisch männlich?
Vieles. Und immer öfter jeweils etwas anderes. Der eine fühlt sich ultimativ männlich, wenn er Zigarre raucht. Diese Gruppe nimmt tendenziell ab, aber bleibt vorerst selbstbewusst erhalten. Der andere liebt es, Bäume zu umarmen. Hier gibt es überschaubaren Zulauf. Wiederum andere fühlen sich so richtig männlich, wenn sie ihren Nachwuchs in der Babytrage umschnallen.

Inwiefern hat sich die Männlichkeit über die Jahre verändert?
Sicherlich massiv. Unsere Vätergeneration war in der Regel bei der Geburt von Kindern nicht dabei, auch nicht beim Windelwechseln oder bei der Hausarbeit. Umgekehrt waren die Männer unter sich in der Politik, in der Wissenschaft und in vielen anderen Bereichen. Einander die Liebe schenken durften sie jedoch nicht, zumindest nicht öffentlich. Heute ist die Schwulen-Ehe durch. Wie so vieles andere. Und der Wandel schreitet munter voran – in allen gesellschaftlichen Sphären.

Viele Männer beschäftigen sich verstärkt mit ihrem Äußeren. Ist der Mann von heute ein eitler Gockel?
Ich beobachte, dass viele Jungs von heute schon mit 16 oder 18 einen durchtrainierten Körper haben wollen. Das war in meiner Generation kein Thema. Heute sind aber auch die Rollenvorbilder andere: Du wirst keinen erfolgreichen Fußballer finden, der nicht auch seinen Oberkörper nackt in Szene setzt und vermarktet. Da kommt für uns Männer schon viel Druck in die Kiste. Ich weiß, dass mein Bauchansatz nicht gar so hip ist.

Welche Probleme haben Männer beim Mannsein?
Dieses Buch hätte wohl viele Kapitel: Von „A“ wie Aggression über „E“ wie Erektionsstörung bis hin zu „Z“ wie Zerrissenheit.

Es sind großteils Männer, die zuschlagen, töten, Terror ausüben, sich in die Luft sprengen und rechtspopulistisch Wählen. Sind die Männer das Übel der Welt?
Männer tragen offensichtlich mehr Aggression in sich, oder sie leben diese expliziter, sprich brutaler und blutiger, aus. Für ein grundsätzliches Übel halte ich sie nicht. Für einen Fall für weitere Entwicklung allerdings schon. Da gibt es Luft nach oben.

Was wollen Sie anders machen als Ihr Vater?
Mein Vater hatte ein ziemlich anderes Leben als ich. Er verstarb vor vier Jahren. Ich trage vieles in Ehren, was ich von ihm lernen kann: Verlässlichkeit, Familiensinn, Lebensfreude. Einiges will ich anders machen, zum Beispiel besser auf meinen Körper schauen oder klarer meine Bedürfnisse artikulieren.

Wie lebt es sich als Mann im 21. Jahrhundert?
Wir sind noch da. Und wir werden immer besser.

Würden Sie gerne einmal eine Frau sein? Einmal tauschen?
Definitiv. Ich würde gerne so einige Dinge ausprobieren. Ich weiß ja, wie man die Männer drankriegt. Das würde ich gerne mal erleben. Und schauen, wo sich dann bei mir die Grenzen einpendeln.

Tipp: Im Anschluss (21.45) diskutiert Matthias Strolz in der „Arabella Kiesbauer Show“ auf Puls24 über Männlichkeit.

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