Dalí-Masken, rote Overalls und Waffen: Hinter den Verschwörern von „Haus des Geldes“ steckt ein professioneller Plan. 

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Kultur Medien
07/19/2019

Serienstarts: Neue Folgen von "Haus des Geldes" und "Public Enemy"

Netflix-Hit "Haus des Geldes" geht in die unerwartete Verlängerung. Und: Neue Folgen der belgischen Psychothriller-Serie "Public Enemy" (Sky).

von Philipp Wilhelmer, Marco Weise

Hollywood ist nicht alles. Schon gar nicht bei einem in mehreren Hundert Ländern empfangbaren Streamingdienst wie Netflix. Der Entertainmentriese aus dem Silicon Valley hat deshalb schon lange damit begonnen, auch in anderen Ländern zu produzieren, mit teils ansehnlichen Erfolgen, etwa beim deutschen Hit „Dark“.

Die wichtigste im Ausland produzierte Serie ist jedoch das spanische „Haus des Geldes“, mit dem Netflix in zwei Staffeln derart viele Lorbeeren und enormes Zuschauerinteresse errang, dass man nun – entgegen ursprünglicher Pläne – eine dritte Staffel nachschießt.

Maskenmänner

Die Serie ist eine Mischung aus „Reservoir Dogs“ und „Ocean’s Eleven“. Bei einem großen Coup soll eine eingeschworene Truppe die spanische Notenbank unter Kontrolle bringen, sich selbst Geld ausdrucken (keine Rückverfolgbarkeit!) und dann steinreich wieder abhauen. Aber nicht, ohne an die Allgemeinheit zu denken: Sie wollen die Spanier mit ihrem Coup gewinnen.

Als optischen Gag setzen sich alle dieselben Masken auf, die eine Mischung aus Salvador Dalí und Guy Fawkes darstellen und seit dem Erfolg von „Haus des Geldes“ zahlreiche Online-Memes und Fanartikel prägen.

Die Regeln der Gangsterbande sind einfach und todsicher: Sie wissen übereinander nichts und geben einander Städtenamen als Pseudonym. Der perfekte Plan erweist sich natürlich als schwer umsetzbar, denn einer quatscht in so einem Gangsterfilm immer.

Erfolg

Die Serie lief zunächst im spanischen Fernsehen, bevor sie von Netflix 2017 ins Programm genommen wurde. Dort ging es dann ab durch die Decke. Netflix sah hohe Abrufquoten in Lateinamerika, in Europa, in der Türkei, im Mittleren Osten ... Ein Hit war geboren. Und er wurde Teil der Populärkultur: Im Karneval und zu Halloween sah man Leute in roten Overalls mit Dalí-Masken herumspazieren, die Masken tauchten im Fußballstadion auf, und der prägende Song der Serie, „Bella Ciao“, wurde in U-Bahnen und auf der Straße gesungen.

Ein gutes Beispiel, um die marktzentrierte Vielseitigkeit von Netflix zu illustrieren: Im Original hieß die Serie „La Casa de Papel“, auf Englisch „Money Heist“, im französischsprachigen Kanada „La Maison de Papier“ (in Frankreich selbst läuft sie unter dem spanischen Titel). Jeder Zuschauermarkt hat seine eigenen Vorlieben, die Linguisten herausarbeiten und bedienen.

Das alte Team

Die dritte Staffel dreht sich um das Leben nach dem großen Coup: Die Verschwörer, mittlerweile eine eingeschworene Truppe, haben es sich auf einer entfernten Insel gemütlich gemacht, wo der Frieden allerdings nicht lange währt: Das Militär fällt ein, überrennt den Rückzugsort und nimmt einen der Mitstreiter gefangen.

Staffel drei dreht sich um die Befreiung des gefangenen und gefolterten Rio. Das alte Team wird dafür wieder zusammengetrommelt – wie bei „Ocean’s Eleven“ sind auch hier der Fantasie für künftige Revivals der Gangsterkumpels keine Grenzen gesetzt.

Info:E 2019. Staffel 3, 8 Folgen. Mit Úrsula Corberó, Itziar Ituño, Álvaro Morte, Pedro Alonso, Alba Flores, Miguel Herrán, Jaime Lorente, Esther Acebo. „Haus des Geldes“ ist ab heute, Freitag, auf Netflix abrufbar.

Staffel 2 von "Public Enemy": Ein Deal mit offenem Ausgang

Brutaler Fall, gebrochene Ermittlerin, mystischer Killer  und ein spärlich ausgeleuchtetes Setting. So könnte man die  gerade angesagte  Ausstattung bei Krimiserien zusammenfassen. Die erste Staffel von "Public Enemy" (Sky) kann in diesem Zusammenhang  durchaus als herausragendes Beispiel angeführt werden, denn in der Psychothriller-Serie drehte sich alles um den rätselhaften Serienkiller Guy Béranger (Angelo Bison), der nach seiner Begnadigung in einem Kloster den steinigen Weg zurück in die Gesellschaft angetreten ist.

Angelehnt an eines der dunkelsten Kapitel der belgischen Kriminalgeschichte (googeln Sie den Namen Marc Dutroux) muss die verhaltensauffällige Polizistin Chloé Muller (Stephanie Blanchoud) in Staffel 1 einen Kindsmord klären. Der Schuldige steht für viele sofort fest: Es kann nur der entlassene Vielfachmörder Guy Béranger gewesen sein ...

Nun wird die preisgekrönte Serie fortgesetzt. Ab Freitag stehen neue Folgen auf Sky zum Abruf bereit. Die Atmosphäre bleibt  in Staffel 2 finster und klaustrophobisch:  Um  die mysteriösen Codes eines verworrenen Falles entschlüsseln zu können, lässt sich die traumatisierte Ermittlerin  Chloé  auf einen fragwürdigen Deal mit  Béranger ein. Immerhin geht es um das Schicksal ihrer kleinen Schwester. Komplex und beklemmend.