Johannes Häfele (16) aus Graz bei "Willquommen Österreich"

© Screenshot: tvthek.orf.at

TV-Tagebuch
06/17/2020

Schüler schaffte es mit Kurz-Parodie zu Stermann und Grissemann

16-Jähriger sorgte im Netz mit "Homestory"-Video für Furore und wurde zu "Willkommen Österreich" eingeladen. Auch Matthias Strolz kam mit Selbstangefertigtem.

von Peter Temel

*Disclaimer: Das TV-Tagebuch ist eine streng subjektive Zusammenfassung des TV-Abends.*

Das ging aber schnell. Anfang Juni schickten drei Grazer Schüler, Elena Trantow, Johannes Häfele und Loric Demander, ihr selbstgedrehtes Satirevideo "Homestory mit Basti" an die Comedysendung "Willkommen Österreich". Zehn Tage später, Dienstagabend, hat es deren Kurz-Parodie bereits in ORF 1 auf Sendung geschafft. Aber so eingebettet, dass es zum Beispiel oe24 schwer fallen wird, darüber zu berichten.

Der Kanzler, gespielt vom 16-jährigen Häfele, ist in der aktuellen Parodie nämlich bei einem fiktiven "WOE25"-Talk mit "Fellner!" zu Gast. Christoph Grissemann spielt den Verleger mit Grauhaarperücke, künstlicher Nasenerweiterung und Polster unter dem Hemd. Daneben sitzt Dirk Stermann als "so ´ne Art Director", der als Erfinder des berühmten Babyelefanten vorgestellt wird.

Verblüffende Änlichkeit

Häfele hat in Aussehen, Tonfall, Mimik und Gestik teils verblüffende Ähnlichkeit mit Sebastian Kurz, wenngleich sein Text ein bisschen mehr Pointen vertragen hätte. Er setzt mehr auf Situationskomik und bittet zum Beispiel höflichst, aufstehen zu dürfen, um sich die enge Slim-Fit-Hose zu richten. Grissemann: "Bei Fellner Live darf der Kanzler alles."

Verlegerkostüm

Im Sommerlaub werde er "bei der Mutti" weilen und beim Wandern auf eine Lederhose setzen, kündigt das Kurz-Double an.

"Den ´Kanzler juckt die Lederhose", kommentiert Grissemann im Verlegerkostüm und wendet sich an Stermann als Art Director namens Otto Päde: "Wo urlaubt der Piefke?"

Stermann rächt sich für den "Piefke" mit einem "Babyelefanten, den Sie offensichtlich verspeist haben."

Erste Aufmerksamkeit mit Kanzler-Homestory

"Um die Zukunft der politischen Satire müssen wir uns keine Sorgen machen!" hatte "Willkommen Österreich" am 5. Juni auf Facebook über den ersten selbst gemachten Kurz-Clip der Grazer Schüler geschrieben.

Die "Homestory", in der Häfele als Kanzler etwa das "Tomatensugo von der Mutti" und seinen etwas selbstverliebten Bildschirmhintergrund präsentiert, sorgte von Facebook bis Youtube für Furore. Dass sich die 16-Jährigen von der ORF-Sendung inspiriert fühlten, kommentierte die Redaktion so: "Wir fühlen uns geehrt!"

Verleger Strolz

Selbst gemacht sind auch die Bücher von Matthias Strolz, die dieser am Dienstag in die Sendung mitgebracht hatte. Einerseits als Autor (Titel: "Kraft & Inspiration für diese Zeiten"). Andererseits als Herausgeber. 

"Bringst ihnen ein Buch mit", habe sich der Ex-Neos-Chef gedacht, eines über seine Gastgeber wohlgemerkt, herausgegeben von ihm selbst (Titel: "Erzählt's mir von Stermann & Grissemann").

Ähnlich wie bei den Schülern aus Graz ging es auch in diesem Fall schnell. "Was hast du mit Stermann und Grissemann erlebt – als Besucher, Zuschauerin, Gast ... whatsoever, wheresoever?“ hatte Strolz am 4. Juni auf diversen Kanälen gefragt. Über die Geschichtenplattform story.one, an der Strolz beteiligt ist, brachte er dann 17 Geschichten in Druck. Bei Geschichtentiteln wie "Als wir noch Immer nie am Meer waren" und "#SongContext" werden Fans des Komikerduos natürlich nostalgisch.

Aus drei Dutzend Storys habe er auswählen können, sagt Strolz in der Sendung. Einen Tag lang habe er editorisch an dem 75-seitigen Buch gearbeitet, in der Nacht "sogar von euch geträumt".

Eine Talentfrage

Strolz hat wie immer Großes vor. Über story.one sagt er: "Wir sammeln die Geschichten der Menschheit", und "wir bauen die Library of Life".  Es gebe Milliarden Leser, aber nur eine Million lebende Autoren, warum solle man daraus nicht zwei Millionen machen, meint Strolz.

Grissemann ist skeptisch: "Ich kann nicht unterschreiben, dass jeder ein Talent hat, das man ausschöpfen kann."

Und dann poltert er, fast schreiend: "Es gibt viele, die gar kein Talent haben!“

 

Stermann bringt schon mehr Verständnis für Strolzens Projekt auf. Er traue ihm zu, das Verhältnis umzudrehen. Bald werde es Milliarden Autoren und Millionen Leser geben.

Verleger Strolz entdeckt Potenzial bei Stermann: "Wir warten auf dein Buch."

Roman-Autor Stermann erwidert: "Ich habe schon mehrere Bücher geschrieben, das hast du nicht mitbekommen." Zumindest im Verlegerhandwerk muss Strolz also noch etwas mehr Fuß fassen.

Grissemann sieht weiterhin Veränderungspotenzial bei Strolz: "Kann es sein, dass du in drei Jahren als Zirkusdirektor hier sitzt?"

Die kurzfristigen Ziele sind aber andere. Strolz: "Jetzt gehe ich nach Salzburg."

"Willkommen Österreich" vom 16. Juni 2020 in der ORF TVThek (sieben Tage abrufbar)