Wählen Sie KURIER als bevorzugte Google-Quelle

Salzburg Media Summit: Das „goldene Jedermann-Cabrio“ ist noch nicht weg

Auf Schloss Leopoldskron wollte man die Verwerfungen durch KI diskutieren. Großes Thema waren aber Abgaben und Investitionsverpflichtungen für Streamer.
46-227440101

„Das goldene Cabrio ist noch nicht ganz abgefahren“, sagte Keynote-Speaker Michael Paul, der die im „Jedermann“ daneben liegende Titelfigur mit manchen Playern der Filmbranche verglich. Man müsse aufpassen, dass man aufgrund des hohen Kostendrucks nicht „etwas nackert“ zurückbleibe. Hochmair hatte auf dem gezeigten Foto aus dem Vorjahr noch eine Unterhose an. Rückschlüsse auf die diesjährige Salzburger Inszenierung, die in dieser Szene auf Bekleidung gänzlich verzichtet, wurden nicht gemacht. In puncto Filmförderung würden verschiedene Länder entweder auf einzelne Fördermaßnahmen setzen oder auf eine ganzheitliche Industriepolitik, sagte der Experte. Hier sieht Paul, der mit der Agentur Paul & Collegen Fördersysteme evaluiert, bei der heimischen Strategie noch Potenzial.

Die Sparzwänge der Bundesregierung sind bekannt. Beim Salzburg Media Summit wurden die aktuellen Herausforderungen diskutiert. Produzent Heinrich Ambrosch von Satel Film meinte, es gelte sicherzustellen, dass große Filmproduktionen in Europa bleiben, damit verbindet der Produzent von „Die Toten von Salzburg“ die Hoffnung, „dass uns Öffentlich-Rechtliche und Private nicht wegbrechen“. Die Förderschiene FISAplus habe zwar mittlerweile einen Deckel, sei aber vorläufig abgesichert. Um die Finanzierungsbasis zu stärken, brauche es „eine Investitionsverpflichtung, die die Richtigen trifft.“

Hier sieht Marlene Beran von Servus TV/Red Bull Media House, Schwächen in den bisher bekannten Gesetzesplänen des Kulturministeriums. Wie der KURIER berichtete, sind die Koalitionspartner uneins über die vorgeschlagene Kombination aus fixer Streamingabgabe und der Möglichkeit, Direktinvestitionen teilweise gegenzurechnen. Internationale Streamer in die Pflicht zu nehmen, halte sie für „nachvollziehbar“, sagte Beran, „Es werden aber alle österreichischen Privatmedienhäuser zur Kasse gebeten. Wir investieren aber bereits in Arbeitsplätze.“ Zu fördern und gleichzeitig zu schwächen, sei widersinnig.

 

46-227439101

Marlene Beran, Heinrich Ambrosch, Laura Zentner, Veronica Ferres im Gespräch mit Journalistin Doris Priesching.

Die Berliner Rechtsanwältin Laura Zentner bezweifelte, „wie viel wirklich in deutsche oder österreichische Produktionen fließt.“ Verankert ist in den Plänen bisher nur eine Verpflichtung zu Investitionen in europäische Produktionen.

Star-Glanz brachte Veronica Ferres nach Schloss Leopoldskron. Die frühere „Buhlschaft“ gründete  die Produktionsfirma Construction Film. Sie sagte: „Warum sollten große  Streamer in Deutschland produzieren, wenn diese Produktionen nicht weltweiten Erfolg haben?“ Daher brauche es eine Investitionsverpflichtung.

Vertrauen in journalistische Inhalte

Im zweiten zentralen Panel wurde auch über das Generalthema KI gesprochen. KURIER-Geschäftsführer Richard Grasl sagte unter Berufung auf Studien: „Sobald dabei steht, dass ein Text von KI erstellt worden ist, sind mehr als die Hälfte der Menschen weg. Vertrauen ist das wichtigste, das eine Medienmarke heute hat.“ Daher sei weiterhin entsscheidend, dass die Inhalte von Menschen kommen - mit KI als Hilfestellung.

Grasl wies auf den dramatischen Abfluss an Wertschöpfung zu großen US-Digitalkonzernen hin. „Wir streiten uns noch um den Kuchen, und die kaufen inzwischen die  Bäckerei.“ Er plädierte dafür, in dieser Situation „den Medienmarkt neu zu schlichten“, mit einer „strukturellen Neuordnung“. Das wäre auch für den ORF gut, „damit er sich nicht immer rechtfertigen muss.“ Ein geschwächter ORF wäre „für den journalistischen Standort schlecht.“

Zeiler: Investitionsverpflichtung kein Allheilmittel

Der als Gast angekündigte neue ORF-Chef Clemens Pig habe kurzfristig abgesagt, hieß es. Auf dem Podium saß dafür der einstige ORF-Chef und jetzige Warner-Bros.-Manager Gerhard Zeiler. Er kritisierte die Konzentration auf eine Investitionsverpflichtung. US-Streamer würden es zwar akzeptieren, aber  dann in große Märkte wie Deutschland investieren. „FISAplus hilft viel mehr“, sagte Zeiler, „so lange die Deutschen so freundlich sind, das nicht nachzumachen.“

Wirtschaftsministerium weiter skeptisch zu Streamingabgabe

Das Förderprogramm FISAplus ressortiert beim Wirtschaftsministerium. Dessen Generalsekretär, Severin Gruber, bekannte sich zu einer Investitionsverpflichtung, die „Made in Europe“ fördere, und neue Investitionen von internationalen Streamern auslöse, zeigte sich aber skeptisch zur Streamingabgabe des Kulturministeriums, wodurch der Einsatz der Gelder nicht gesichert sei. Man befinde sich aber in „konstruktiven Gesprächen“

Kommentare