Nach Sylt-Parolen: Song-Verbot ist für Gigi D´Agostino "Rückkehr ins Mittelalter"

Nach Sylt-Parolen: Song-Verbot ist für Gigi D´Agostino "Rückkehr ins Mittelalter"
Rassismus könnte nicht gestoppt werden, indem man einzelne Lieder verbiete, so der italienische DJ Gigi D´Agostino zu den rassistischen Vorfällen.

Der italienische DJ Gigi D'Agostino zeigt sich darüber schockiert, dass Radiosender und die UEFA sein Lied "L'amour toujours", zu dem bei mehreren Anlässen rassistische Parolen gegrölt wurden, künftig meiden.

"Einen Song einfach zu verbieten, das ist wie eine Rückkehr ins Mittelalter. Dabei ist es doch ganz klar. Rassismus lässt sich nicht stoppen, indem man Musik verbietet", so der 55-Jährige im Interview mit der Kronen Zeitung.

D´Agostino: Lied verbieten ist rassistische Botschaft

"Wenn jemand ein Lied missbraucht, um rassistische Botschaften zu verbreiten, dann macht er das auch beim nächsten und beim übernächsten Lied. Diese ganze Angelegenheit ist grotesk." Sein Song handle "von der universellen Liebe und von Menschen, die sich in den Armen liegen und sich vereint fühlen. Ein kompletter Widerspruch zu dem, was da gerade passiert: Die UEFA hat mein Lied verboten? Das ist eine rassistische Botschaft. Diese Entscheidung ist rassistisch. Ich bin immer noch schockiert, ich kann es nicht glauben. Diese Entscheidung der UEFA ist eine explizite Absage an die Liebe." 

Der Musiker stellt in dem Interview die Frage, warum man nicht gegen Rassismus (etwa in den Sozialen Medien), sondern gegen sein Lied vorgehe: "Wenn Rassismus gegen das Gesetz ist, wie kann es sein, dass niemand eingreift?"

Bei seinen nächsten Österreich-Auftritten, die er nach zweijähriger gesundheitlicher Pause ab Herbst in Graz, Klagenfurt und Dornbirn absolvieren wird, werde er "L'amour toujours" mit Sicherheit spielen. "Sollen sie sagen, was sie wollen. Jeder, der das Lied hört, kann bestätigen, dass es um die Liebe und nur um die Liebe geht."

Gegen Spielverzichte und Selbstverbote

"Selbstzensur beim Abspielen der Originale, weil dabei an die Überbrüllungen gedacht werden könnte, ist nicht die richtige Antwort", betonte auch die IG Autorinnen Autoren. "Die einzige richtige Antwort darauf ist, bei jeder dieser Gelegenheiten darauf hinzuweisen, dass rassistische, nationalistische und andere menschenverachtende Parolen und Inhalte, egal von welcher Seite, egal wo, egal wie und egal wann, bei uns nichts verloren haben", hieß es in einem der APA am Sonntagnachmittag übermittelten Schreiben.

"Vor dieser Kaperung vollkommen anderer, eigenständiger, konträrer Inhalte mit Politparolen in Gröl- und Feierlaune darf es kein Zurückweichen geben. Derartigen Besetzungsversuchen muss bei jeder Gelegenheit widersprochen werden", erklärte Gerhard Ruiss, Geschäftsführer der IG Autorinnen Autoren. Die Interessensgemeinschaft spricht sich "gegen Spielverzichte und Selbstverbote" aus und forderte Sender und Veranstalter zur "Selbstbehauptung" sowie die Urheberrechts- und Produzentengesellschaften zur "rechtlichen Unterstützung" auf.

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