© ORF/Hans Leitner

Kultur Medien
07/28/2021

ORF-Wahl: Thomas Prantner bewirbt sich um Chef-Posten

Stv. Technik-Direktor sieht den Öffentlich-Rechtlichen an einer "Zeitenwende"

von Christoph Silber

Am Mittwoch, dem letzten Tag der Bewerbungsfrist für den Top-Job im ORF, hat der stv. Technik-Direktor Thomas Prantner seine Kandidatur für den ORF-Generaldirektor bekanntgegeben. Er habe sich für eine Bewerbung entschieden, "weil ich fest davon überzeugt bin, dass ich auf Basis eines neuen Reformprogramms maßgeblich dazu beitragen kann, dieses Unternehmen mit Verantwortungsbewusstsein, Umsicht, Einsatz, Dynamik, Entscheidungsstärke und Durchsetzungskraft in eine neue gute Zukunft zu führen – im Interesse des österreichischen Publikums und im Interesse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter", erklärte er in einer Aussendung.

Prantner ist seit 33 Jahren im ORF tätig und gilt als Bürgerlicher mit guten Kontakten vor allem zur FPÖ, aber auch zu anderen Parteien. Er selbst ordnet sich  - wie alle anderen Bewerber - als "unabhängig" ein. Sein persönliches Aushängeschild ist die TVthek, 2009 gegründet, für die er quer durchs Land zu Politik und Institutionen tourt. Für den ORF war das der Schritt ins Streaming-Zeitalter. Prantner ist aktuell Hauptabteilungsleiter Online und neue Medien sowie stv. Direktor für Technik, Online und neue Medien. Jüngst machte er Schlagzeilen, weil er einen Stream vom Parteitag der Jungen ÖVP über die TVthek laufen ließ. Daraufhin pfiff ihn ORF-General Alexander Wrabetz zurück.

Strategie

Seine Bewerbung jetzt wird als "strategisch" eingestuft und könnte ihm den Weg in ein künftiges Direktorium ebnen, wo er schon einmal unter Wrabetz und dank kräftigem FPÖ-Schub für die Online-Aktivitäten zuständig war.

Im ORF machte Prantner aber zunächst unter dem SPÖ-nahen Gerhard Zeiler in den 1990ern Karriere. Unter der Generalintendanz von Gerhard Weis und der schwarz-blauen Regierung Anfang der 2000er-Jahre entwickelte Prantner dann gute Kontakte in Richtung FPÖ. Der amtierende ORF-Chef Alexander Wrabetz behielt Prantner auch wegen dieses Netzwerks in seinem erweiterten Managementteam.

Veränderungen

"Es ist unbestritten, dass der ORF in den vergangenen Jahrzehnten gut, professionell und wirtschaftlich solide geführt wurde", streut Prantner in der Aussendung seinem aktuellen Chef Rosen. "Es ist aber gleichermaßen unbestritten, dass wir nun aufgrund rasanter globaler Veränderungen im Medienbusiness und einer herausfordernden Konkurrenzsituation auf dem Programm,- Rechte- und Werbemarkt an einer Zeitenwende stehen." Über Details seines Konzepts will er "zeitnah informieren."

 

 

 

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