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Nach Weißmann-Rücktritt: Schlagabtausch und wachsende Kritik

Ex-ORF-General Roland Weißmann wirft dem Stiftungsrats-Chef Heinz Lederer via Anwalt vor, „Unwahrheiten“ zu verbreiten. Peter Westenthaler fordert eine Anhörung, Betriebsrat will ein transparentes Verfahren.
++ ARCHIVBILD ++ ORF: EXPERTE SIEHT MEHR SCHADEN FÜR WEISSMANN UND FÜRCHTET REFORMSTOPP -  WEISSMANN

Nach dem Rücktritt droht die Schlammschlacht: Roland Weißmann, nunmehr ORF-Generaldirektor a. D., hat am Dienstag via Anwalt den Stiftungsratsvorsitzenden Heinz Lederer attackiert. Dieser habe in ORF-Nachrichtensendungen „eine Vielzahl von […] Unwahrheiten“ verbreitet.

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Der KURIER hat Lederer um eine Stellungnahme zu den Vorwürfen angefragt. Diese blieb bis in den frühen Abend hinein vorerst  aus. 

Gleichzeitig kommt immer stärkere Kritik am Umgang des Führungsduos des Stiftungsrats mit dieser Causa auf – und das durchaus auch aus den eigenen Reihen. Stiftungsratschef und SPÖ-Vertreter Lederer und seinem Stellvertreter und ÖVP-Pendant Gregor Schütze steht nun ein heißer Tanz bevor. Mittwochvormittag ist eine Pressekonferenz anberaumt, zu der auch internationale Medien erwartet werden – der ORF ist immerhin Gastgeber des Eurovision Song Contest.

Offene Fragen

Aus arbeitsrechtlicher Sicht ist Weißmann nun ein normaler ORF-Mitarbeiter. Üblicherweise kehrt man nach der Amtszeit in die Funktion zurück, die zuvor bekleidet wurde – Weißmann war Chefproducer und ist derzeit beurlaubt. Ob und wie das aufrechte Arbeitsverhältnis beendet wird und ob dies mit Abschlagszahlungen verbunden ist, ist offen.

Aber auch im ORF fordert man eine Aufarbeitung. Zentralbetriebsratschef Werner Ertl meinte zum KURIER: „In einem geordneten und transparenten Verfahren sind diesbezügliche Vorwürfe zu prüfen und mögliche Verfehlungen angemessen zu sanktionieren.“ Grundsätzlich seien alle Menschen vor Belästigung, Herabwürdigung und Diskriminierung zu schützen, „dahin gehendes Fehlverhalten muss Konsequenzen haben“. 

Unabhängig davon seien, so Ertl, auch alle Handlungen und Äußerungen abzustellen, „welche die Anerkennung schmälern, die Tausende Kolleginnen und Kollegen für ihren täglichen Einsatz zur Erfüllung des öffentlich-rechtlichen Auftrags verdienen“. Ertl verwies auch auf den Whistleblower-Kanal bei der Compliance-Stelle sowie die Gleichstellungskommission, an die sich ORF-Mitarbeitende wenden können.

FPÖ fordert Anhörung Weißmanns

Eine Vorlage ist dieses ORF-Drama für FPÖ-Stiftungsrat Peter Westenthaler. In den sozialen Medien wirft er Lederer „pflichtwidriges Verhalten“ vor, weil er den Stiftungsrat nicht sofort informiert hat. Er sieht zudem Lederers Erklärungen durch Weißmanns Replik „massiv erschüttert“. Westenthaler fordert, Weißmann „die Möglichkeit einer Anhörung zu gewähren“. Nur so könne sich der Stiftungsrat „ein vollständiges Bild machen“.

Die Vorgeschichte

Eine Mitarbeiterin des ORF hat Weißmann unangemessenes Verhalten zu Beginn seiner Amtszeit als Generaldirektor (2022) vorgeworfen. Der Stiftungsratsvorsitzende wurde davon am Mittwoch der Vorwoche über deren Anwalt in Kenntnis gesetzt. Lederer sprach gegenüber dem KURIER von „Schrift-, Ton- und Bildmaterial“. Von ihm wurde Weißmann aufgefordert, die Echtheit zu verifizieren. Stattdessen langte am Sonntag der Rücktritt von Weißmann ein.

„Kein Fehlverhalten“

Weißmann sei überzeugt, so dessen Anwalt, dass er „kein Fehlverhalten gesetzt hat“. Er habe sich „schweren Herzens und ausschließlich in reiner Verbundenheit zum ORF“ entschlossen, zurückzutreten.

 

Die Zukunft

Am Donnerstag tagt das oberste ORF-Gremium. Dort soll Radio-Direktorin Ingrid Thurnher als Interims-ORF-Chefin bestellt werden. Zu klären ist auch die Ausschreibung für die Restlaufzeit der Amtsperiode bis Ende 2026.

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