Budgens Talkshow-Luxus: Premiere von „Hinter den Schlagzeilen“

Patrick Budgen im Studio des ORF2-Talks "Hinter den Schlagzeilen"
Am Mittwoch startet der neue Infotainment-Talk (16.20, ORF2): Moderator Budgen über den Anspruch, den Faktor Zeit, unangenehme Fragen und seine Krimi-Zukunft.

Mehr Service und Info: ORF2 wertet das Nachmittags- und Vorabend-Programm auf. Patrick Budgen – und ab Frühjahr auch Mariella Gittler – moderiert den neuen Nachmittagstalk „Hinter den Schlagzeilen“ (ab Mittwoch immer werktags, 16.20 Uhr). Der Auftaktgast des bisherigen Moderators von „Guten Morgen Österreich“ und „Wien heute“ ist die Vorgängerin am Sendeplatz, Barbara Karlich, die selbst an diesem Tag eine Premiere feiert: im „Studio 2“ (s. Kasten unten).

KURIER: Mit „Hinter den Schlagzeilen“ startet am 7. Jänner im ORF eine neue Sendung. Mussten Sie lange überlegen, ob Sie in dieses kalte Wasser springen?

Patrick Budgen: So kalt ist das Wasser ja gar nicht für mich. Ich habe die letzten 7 Jahre jeden Samstag mit „Bei Budgen“ in „Wien heute“ eigentlich nichts anderes gemacht, als Menschen, die für Schlagzeilen gesorgt haben oder zu einer Schlagzeile sprechen konnten, zu interviewen. 

Der große Vorteil bei „Hinter den Schlagzeilen“ ist für mich, dass ich jetzt viel mehr Zeit dafür habe – bei „Wien heute“ waren es immer nur 6 bis 7 Minuten. Jetzt sind es 30 Minuten, das ist wirklich ein Luxus heute im Fernsehen, dass man sich so viel Zeit nehmen darf für einen Gesprächspartner. Und dadurch kann man Geschichten nicht nur anreißen, sondern ganz erzählen.

Sie bespielen jetzt den Sendeplatz von Barbara Karlichs „Talk um 4“. Machen Sie sich Gedanken darüber? Karlich wird ja auch Ihr erster Gast sein.

Darüber denke ich gar nicht so viel nach. Wir machen hier ja etwas anderes als Barbara Karlich davor gemacht hat. „Hinter den Schlagzeilen“ ist keine klassische Talkshow, sondern ein Infotainment-Talk, mit dem wir versuchen, aktuell und auch relevant zu sein. Wir gehören jetzt intern auch zur Info-Abteilung und nicht mehr zur Unterhaltung. 

Ich bin durch und durch Journalist, und ich freue mich einfach darauf, dass wir nun tatsächlich Themen setzen können. Es werden Prominente zu Gast sein, auch frühere Politiker, aber genauso ganz normale Leute. Ich freue mich darauf, wenn sie aus ihrem Leben erzählen, ihre Geschichten erzählen. Ich mache mir da also gar nicht so viele Gedanken darüber, dass das der frühere Sendeplatz von Barbara Karlich ist.

Bei der Gästeauswahl sehr frei

Apropos Politik. In der zweiten Sendung ist Daniel Kosak zu Gast, vormals Pressesprecher von Bundeskanzler Karl Nehammer. In einer weiteren Sendung kommen unter anderem Toni Polster und Andi Herzog. Das deckt schon ein sehr breites Spektrum ab. Ihnen als News-Junkie kommt das entgegen?

Ich durfte bei der Konzeption dieser Sendung von Anfang an mitarbeiten. Meine Kollegin Anukis Aichholzer hat die redaktionelle Leitung inne. Wir haben die Sendung wirklich gemeinsam konzipiert und so aufgestellt, wie sie ist, und sind nun auch in unserer Gästeauswahl sehr frei, was mich wirklich freut. Die Sendung wird ein spannender Mix aus Gästen und Themen aus verschiedenen Bereichen. 

Wichtig ist mir dabei, dass man stets erklären kann, warum der oder die heute jeweils zu Gast bei „Hinter den Schlagzeilen“ ist. Die Einladungen erfolgen also nicht beliebig. Die Zuseherinnen und Zuseher müssen das Gefühl haben, es gibt einen guten Grund dafür.
 

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Barbara Karlich ist Auftaktgast in Budgens „Schlagzeilen", und sie feiert wenig später auch selbst eine TV-Premiere.

Muss diese Sendung auch Schlagzeilen liefern?

Das muss sie nicht, aber ich denke, sie wird auch Schlagzeilen liefern. Wenn ich etwa an das Gespräch mit Daniel Kosak denke, das bereits aufgezeichnet wurde – da ist schon einiges dabei, was man so noch nicht gehört hat. Ich könnte mir also vorstellen, dass diese Sendung für Schlagzeilen sorgen wird. 

Auch Barbara Karlich zum Auftakt ist ein gutes Beispiel – die Zuseherinnen und Zuseher haben sie an dem Sendeplatz jetzt 26 Jahre lang erleben können. Aber so wie am 7. Jänner haben sie sie noch nicht gesehen. Das ist eine neue, eine andere Barbara Karlich, die da in einer sehr angenehmen Atmosphäre von sich erzählt.

Man sagt im ORF über Sie: Er stellt die wichtigen Fragen, lässt aber dem Gegenüber Raum und schafft damit Gesprächswert, der dann auch an anderer Stelle zitiert wird. Was macht für Sie ein gutes Gespräch aus? Und geht das überhaupt in einem Fernsehstudio?

Ich glaube schon, dass das in einem TV-Studio möglich ist. Ein gutes Gespräch braucht eine entsprechende Atmosphäre, damit man als Gast das Gefühl bekommt, man kann reden, erzählen, ohne darüber nachdenken zu müssen, dass das jetzt im Fernsehen ist. Wichtig ist auch, und das habe ich erst im Laufe der Jahre gelernt, das Zuhören. 

Wenn wir Journalistinnen und Journalisten jemanden interviewen, haben wir natürlich unsere Fragen vorbereitet. Ich lese zum Beispiel immer sehr viel über meine Gäste und schaue mir auch vieles an, damit ich gut vorbereitet bin. Aber die besten Interviews passieren dann, wenn man abweicht von diesem Fragenkatalog und darauf eingeht, was ein Gast gesagt hat, und man nachhakt. Also die große Kunst eines guten Gesprächs ist das Zuhören.
 

Im Studio des ORF2-Talks "Hinter den Schlagzeilen": Patrick Budgen mit Gast Barbara Karlich

Für Patrick Budgen der wahre  „Luxus" bei  „Hinter den Schlagzeilen" sind die 30 Minuten Gesprächszeit.

Was Ihnen wahrscheinlich nicht fehlen wird, ist wohl die Tagwache um 4.30 Uhr, wie Sie sie bei der Moderation von „Guten Morgen Österreich“ hatten. Sind Sie ein Frühaufsteher oder einfach nur ein aufgeweckter Kerl?

Ich bin ein aufgeweckter Kerl, auf jeden Fall, und der Wecker um 4.30 Uhr wird mir definitiv nicht abgehen. Privat stehe ich nicht so früh auf, und das hat mich, ehrlich gesagt, schon immer sehr gestresst. Aber unser Team bei „Guten Morgen Österreich“ ist einfach so leiwand, dass das Aufstehen dann sogar Spaß gemacht hat. Aber ich glaube, mein Biorhythmus freut sich sehr über diese Veränderung.

Sie sind als Journalist eigentlich ein Reportertyp. Viele Zuseher erinnern sich noch an Ihre Live-Einstiege in der Terror-Nacht von Wien. Fühlen Sie sich durch das Studio nicht eingeengt?

Ich probiere gern neue Sachen aus. Ich war ja lange Reporter, und ich schließe auch nicht aus, dass das wieder irgendwann so sein wird. Aber momentan bin ich sehr glücklich mit meinem Leben, mit dieser Mischung in meinem Beruf, der neuen Sendung, dem Podcast, den ich mit Anneliese Rohrer machen darf, mit den Büchern, die ich schreibe. 

Ich bin da ganz gut ausgelastet, und ich brauche auch diese Abwechslung. Und mein Reporter-Dasein wird ja weiter befriedigt, weil ich in „Hinter den Schlagzeilen“ mit spannenden Menschen reden darf.

Prominenz ist für diese Sendung keine Bedingung

Liefert Österreich überhaupt genug Schlagzeilen?

Ich glaube schon. Es sind ja nicht nur die ganz großen Schlagzeilen, denen wir uns widmen wollen, sondern auch kleinere Dinge beziehungsweise solche aus dem Alltag. Also wenn einmal bei uns eine Krankenpflegerin über ihren Alltag spricht oder ein Landwirt über sein Leben, dann hat das genauso seine Berechtigung. Es gibt Schlagzeilen, die vielleicht nicht am Titelblatt einer Zeitung landen, die aber die Menschen sehr wohl betreffen. Auch das soll Platz finden. Prominenz ist für diese Sendung keine Bedingung. 
 

Für Schlagzeilen sorgen auch Sie selbst: „Bei Budgen“ hat zum Beispiel der frühere Wiener Bürgermeister Michael Häupl erstmals über seine Parkinson-Erkrankung gesprochen. Da braucht es schon sehr viel Vertrauen zu einem Journalisten. Wie haben Sie das geschafft?

Das ist eine gute Frage, die müsste man eigentlich Herrn Häupl stellen, warum er sich gerade mich ausgesucht hat. Aber dass jemand wie er, der sehr medienaffin ist, viele Journalistinnen und Journalisten kennt und so viele Interviews gegeben hat, sich so entschieden hat, war einfach eine sehr schöne Bestätigung.

Darf es in dieser Sendung auch Konfrontationen geben? Wie weit dürfen oder wollen Sie da gehen?

Klassische Konfrontationen sind nicht geplant, dafür ist „Hinter den Schlagzeilen“ auch nicht das Format. Wir werden da auch keine Diskussionen führen, aber unangenehme Fragen wird es selbstverständlich auch geben. 

 

Sie sind auch Buchautor. Mit dem jüngsten Zentralfriedhof-Krimi „Das Zwergpudel-Zerwürfnis“ haben Sie einen nächsten Bestseller gelandet. Wie geht es weiter mit dem Ex-TV-Anchor Toth und seiner Angehimmelten, Marie-Theres?

Ich bin da noch am Überlegen – entweder es gibt noch einen vierten Fall für Alexander Toth. Ich überlege aber auch, ob ich vielleicht eine neue Krimi-Reihe im nächsten Jahr beginne. Das dritte Buch „Das Zwergpudel-Zerwürfnis“ war sehr erfolgreich, wir haben schon über 50.000 Stück verkauft, was für österreichische Verhältnisse richtig viel ist. Also der Zuspruch der Leserschaft ist sehr gut, und natürlich wäre ein vierter Teil schön. Mich reizt aber auch hier irgendwie etwas Neues – es wird sich über die Feiertage entscheiden.

Danke für das Gespräch.
 

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