ORF-Chef ausgeschrieben: Wer im Rennen ist, wer nachdenkt - und wer abwinkt
Wer gedacht hätte, dass angesichts der gewaltigen ORF-Querelen für die Leitung des öffentlich-rechtlichen Medienriesen ab 2027 sehr gezielt ein anderer Medienmanagertyp als bisher gesucht wird, ist falschgelegen: Die Ausschreibung für den Job, die am Donnerstag veröffentlicht wurde, lässt Spielraum für alle Kandidaten, die bisher im Gespräch waren, und auch darüber hinaus. Eine Nachschärfung der Anforderungen auf die Lage im ORF hin blieb aus.
Gesucht werden also Menschen, die die erwartbaren, eher generischen Kenntnisse (Führung, Strategiekompetenz, Kenntnisse des Medienmarkts) haben. Einzig die Anforderung nach „Vertrauenswürdigkeit, nach Unbescholtenheit“ und einem „Verhalten, das die Glaubwürdigkeit eines öffentlich-rechtlichen Medienunternehmens sicherstellt“, könnte aktuell gelesen werden – sollte aber eigentlich auch wiederum keine große Hürde sein. (Eigentlich.)
Ab 1. Mai wird die ORF-Generaldirektion ab 2027 gesucht. Die Ausschreibung verlangt „Vertrauenswürdigkeit, Unbescholtenheit und ein Verhalten, das die Glaubwürdigkeit eines öffentlich-rechtlichen Medienunternehmens sicherstellt“.
Auch ein Konzept für die mittel- und langfristige Weiterentwicklung des ORF muss eingereicht werden. Bewerben kann man sich bis 28. Mai, die Wahl im ORF-Stiftungsrat ist am 11. Juni.
Unverändert
Demnach ist das spekulative Kandidatenfeld (gendern ist fast nicht nötig) zumindest durch diese Ausschreibung nicht verändert. Hoch gehandelt werden schon lange Philipp König, Chef von kronehit, und Clemens Pig, Chef der APA.
Beide gelten als verbindlich über die politischen Lager hinweg und hochkompetente Medienmanager, beide kämen von außen, was vor allem die ÖVP nach dem Abgang von Roland Weißmann gerne signalisieren würde. Dass beide in guten beruflichen Positionen sind, gilt im doch eigenen Gesetzen unterworfenen ORF-Wahlkampf als Nachteil.
Ein anderer Österreicher mit Vorzeige-Vita – als erfolgreicher Medienmanager in der Slowakei – wäre frei: Matthias Settele wäre auch eine Kompetenzlösung.
Hofer winkt ab
Bei jeder Generalswahl im ORF taucht verlässlich der Name Gerhard Zeiler auf. Im KURIER hat er abgewinkt.
Definitiv keine Bewerbung für die Generaldirektion abgeben wird auch der niederösterreichische ORF-Landesdirektor Alexander Hofer. Das erklärte er Anfang April bei einer Mitarbeiterversammlung in St. Pölten. Wofür der frühere ORF-Unterhaltungschef und ehemalige ORF-2-Channel-Chef aber jedenfalls gehandelt wird, ist die Position der Programmdirektion – wenn es eine solche gibt. Die Entscheidung über die Direktionen obliegt der nächsten Geschäftsführung.
Denn im Gesetz steht nur, dass es bis zu vier Direktionen geben kann, das Aufgabengebiet ist variabel. Ob es etwa in der veränderten Medienlandschaft eine eigene Radiodirektion braucht oder wie die Portfolios verändert werden, ist vor allem in Hinblick auf den ORF-„Konvent“, bei dem im Herbst die Regierung Gedanken zu einer Reform finden will, eine offene Frage.
Apropos Medienpolitik: Medienminister Andreas Babler (SPÖ) wünschte sich ja eine weibliche Leitung. Ein Name, der diesbezüglich immer wieder fiel, war jener der Wienerin Inga Leschek. Sie hätte die nötige Flughöhe, ist jedoch soeben in der Geschäftsführung von RTL Deutschland bestätigt worden.
Die derzeitige ORF–Chefin Ingrid Thurnher sagte zuletzt, sie hat noch nachgedacht, ob sie sich bewirbt.
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