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Kultur Medien
07/08/2020

ÖVP-Ministerinnen protestieren gegen Rendi-Wagner-Karikatur

Die "Oberösterreichischen Nachrichten" ließen die SPÖ-Chefin aus einer Torte springen. Die Zeitung löscht das Bild nun.

von Philipp Wilhelmer

Als Pamela Rendi-Wagner vor zwei Tagen unter dem Schlagwort "Kraftpaket" die SPÖ-Vorschläge und -Forderungen zur Corona-Krise präsentierte, wurde von unterschiedlichen Medien breit berichtet. Auch in Form einer Karikatur. Und diese sorgt dafür, dass sogar zwei ÖVP-Ministerinnen sich öffentlich auf die Seite der roten Parteichefin stellen.

Revuegirl

In den Oberösterreichischen Nachrichten wurde Rendi-Wagner als Nummerngirl, die im knappen Tanzoutfit samt Federnschmuck am Gesäß aus einer Torte springt, dargestellt. In der Hand hält sie ein Schild, auf dem "Forderungen" steht, das Gesicht ziert ein fröhlicher Grinser. Damit rührt die Karikatur an einem heute als sexistisch empfundenen Image früherer "Emanzen", denen immer wieder vorgeworfen wurde, zu vehement Änderungen zu fordern. Frauen, die Gleichberechtigung verlangten, wurde damit beschieden, sie seien zu laut oder gar nervig.

"Unerträglich"

Sowohl Frauenministerin Susanne Raab als auch Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger verurteilten die Darstellung."Frauen in der Politik springen nicht leicht bekleidet aus Torten! Auch wenn man Meinungen/Forderungen nicht teilt: das ist unerträglich", so Köstinger:

Auch Raab protestierte via Twitter: "Karikatur hin oder her: Diese sexistische Darstellung von Frauen in der Politik geht gar nicht!", schrieb sie:

SPÖ-Frauen: "Entsetzt"

Die SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende Gabriele Heinisch-Hosek meldete sich mit der oberösterreichischen Frauenvorsitzenden der SPÖ, Renate Heitz, auf Facebook zu Wort: "Wir sind entsetzt über die Darstellung unserer Bundesparteivorsitzenden", schreiben sie. "Eine Spitzenpolitikerin als 'Nummerngirl' (sic!) darzustellen, ist unerträglicher Sexismus und hat auch in einer Karikatur nichts zu suchen." Man könne Inhalte kritisieren und diese auch lustig oder zum Schmunzeln darstellen, "die sexistische Herabwürdigung von Frauen in ihrer Funktion können wir aber nicht akzeptieren - das ist einfach kein Witz und nicht zum Schmunzeln."

Auch die Infrastrukturministerin der Grünen, Leonore Gewessler, erklärte sich solidarisch mit Rendi-Wagner. Sie sprach von Sexismus. Beim Österreichischen Presserat sind zwei Beschwerden eingegangen.

Update 14.30: Der Chefredakteur der "Oberösterreichischen Nachrichten", Gerald Mandlbauer, teilte dem KURIER mit, man habe sich bei der SPÖ bereits entschuldigt. Es werde ein Gespräch mit dem Urheber der Zeichnung geben, sagte er auf entsprechende Nachfrage. "Ich bin grundsätzlich ein Verfechter der Freiheit des Karikaturisten und denke, dass Satire und Kultur grundsätzlich großen Spielraum haben sollten. Unser Karikaturist bewegt sich in diesem breiten Rahmen bisher sehr trittsicher. Für die betreffende Karikatur würde ich das nicht so behaupten." Die Zeitung will die Zeichnung aus dem Archiv löschen und von der Website entfernen.