Margarete (Helmut Berger, li.) wundert sich, warum sie Kathrin Ortrup (Miriam Stein) in der Apotheke trifft.

© ZDF und Michael Boehme/ZDF/Michael Boehme

TV-Tipp
10/28/2019

Miriam Stein in "Die Schattenfreundin": Die Ohnmacht einer Mutter

"Die Schattenfreundin" mit Miriam Stein ist eine psychologische Studie mit Thrill (Montag/ZDF/20.15).

von Marco Weise

Kathrin Ortrup (Miriam Stein) droht zwischen Beruf und Erziehung des eigenen Kindes aufgerieben zu werden. Sie soll sich als Gynäkologin etablieren und die Praxis ihres Vaters (Harald Krassnitzer) übernehmen. Dafür ist sie extra aus Frankfurt in ihre frühere Heimatstadt Bonn zurückgekehrt, während ihr Mann Thomas (Golo Euler) dienstlich noch für ein halbes Jahr in Frankfurt bleibt.

Und somit muss sie sich neben der Arbeit auch noch alleine um den gemeinsamen Sohn Leo kümmern. Da das eines Tages aufgrund eines medizinischen Notfalls nicht möglich ist, vertraut sie Tanja (Britta Hammelstein), die sie am Spielplatz kennengelernt hat, ihren Sohn kurzfristig an. Als Kathrin Leo wieder abholen möchte, ist er verschwunden. Und auch von Tanja fehlt jede Spur.

„Die Schattenfreundin“ (20.15, ZDF) ist ein Thriller-Drama-Hybrid, deren Geschichte sich auf den gleichnamigen Kriminalroman von Christine Drews bezieht. „Die Drehbuchvorlage hat mit dem Roman aber nur noch wenig zu tun. Denn im Mittelpunkt steht nicht die für den Fall zuständige Kriminalkommissarin (Jule Ronstedt, Anm. d. Red.) des Falles, sondern die Mutter des entführten Kindes selbst“, sagt Miriam Stein im KURIER-Interview.

Niemand kennt Tanja

Für die ROMY-Gewinnerin des Jahres 2014 ist „Schattenfreundin“ nicht nur ein Thriller oder Krimi. „Es ist eine psychologische Studie. Man weiß lange nicht, was mit dieser Mutter, die ich spiele, los ist.“ Als Zuseher tappt man wie die Ermittlerin lange Zeit im Dunkeln: Niemand kennt diese Frau, diese Tanja, die auf Kathrins Sohn aufpassen hätte sollen. Ihre Handynummer ist nicht vergeben, und in dem Haus, in dem sie laut Kathrin wohnt, öffnet eine andere Frau die Tür.

Es ist ein Höllenritt, den Kathrin Ortrup in 90 Minuten durchmacht. Miriam Stein, selbst seit zwei Jahren Mutter, beschreibt es als Ausnahmezustand, eine die Psyche extrem belastende Situation, in der man sich da als Mutter befindet. „Es ist die Ohnmacht, die Ungewissheit. Man weiß nicht, wo man ansetzen, was man unternehmen soll. Das macht einen wahnsinnig“, sagt die österreichisch-schweizerische Schauspielerin, die früh in den Entstehungsprozess des Filmes eingebunden war. „Ich habe mich im Vorfeld mehrmals mit Drehbuchautorin Birgit Maiwald und Regisseur Michael Schneider getroffen.“

Auf der Strecke

In „Die Schattenfreundin“ geht es aber auch um unterschwellige Vorwürfe, um die Frage nach der Schuld und darum, ab wann man jemanden sein Kind anvertrauen kann. „Grundsätzlich kann man sich auf seine Menschenkenntnisse verlassen. Man sollte auch immer ohne Ängste auf andere zugehen, ein gewisses Grundvertrauen entgegenbringen. Wenn der Film bei den Zusehern Misstrauen gegenüber Fremden auslöst, dann wäre das schade und nicht in unserem Sinne“, betont die 31-Jährige.

Und dann thematisiert der Film noch das Rollenbild der modernen Mutter, die einerseits eine Top-Karriere hinlegen und andererseits genügend Zeit für die Kinder haben soll.

Geht sich das alles aus? „Ich habe als Schauspielerin das Glück, dass ich zwischen den Filmen immer wieder große Strecken habe, an denen ich mich voll und ganz meinem Kind widmen kann. Da haben es Frauen, die im normalen Berufsleben stehen, vielleicht eine Führungsposition innehaben und 60 Stunden die Woche arbeiten müssen, sicher noch schwieriger. Da bleiben die Kinder einfach oft einfach auf der Strecke“, meint Stein.

Zur Person: Mit „Unsere Mütter. Unserer Väter“ konnte sich Miriam Stein 2014 ihre erste ROMY  sichern. Die 1988 in Wien geborene Tochter von TV-Moderator Max Moor (vormals Dieter Moor) hat mit  Volker Bruch („Babylon Berlin“) ein gemeinsames Kind. Stein  war u. a. in der Sven-Regener-Roman-Verfilmung „Neue Vahr Süd“ zu sehen,   unterhält  aktuell  in „Vier Frauen und ein Todesfall“ (dienstags, ORF1) und  ist Teil von Wolfgang Murnbergers Steirerkrimis, von denen zwei neue Folgen bereits abgedreht sind: „Steirerkreuz“ (3.12./ORF1) und „Steirerwut“.