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Interview
10/13/2021

Forcher-Nachfolger Knauß: "Hab’ mir mit Bierzeltmusi immer schwergetan"

Ex-Skirennläufer Hans Knauß tritt heute die Nachfolge von Sepp Forcher an. Der Steirer über seine Sendung "Österreich vom Feinsten" und seinen Vorgänger.

von Peter Temel

Die meiste Zeit war Hans Knauß rasant unterwegs. Seit 16 Jahren arbeitet er für den ORF als Ski-Experte, 15 Jahre davon auch als Kamerafahrer, bis der Rücken nicht mehr so mitgespielt hat. Jetzt geht er ein weiteres, etwas ruhigeres Kapitel an. Der Ex-Skirennläufer tritt in die Fußstapfen von Sepp Forcher und moderiert die vom ORF Steiermark produzierte neue Volksmusiksendung „Österreich vom Feinsten“ (heute, ORF2, 20.15 Uhr).

Die Grundzutaten von „Klingendes Österreich“ wurden im Wesentlichen beibehalten. Noch immer werden schöne Bilder von den Natur- und Kulturschätzen einer Region serviert, in Folge eins „Die Weststeiermark – von Ligist bis zur Stubalm“.

Dazwischen gibt es die obligaten Musikeinlagen, mit unverfälschter Volksmusik und zum Teil auch innovativeren Interpretationen. Knauß im Interview: „I hab’ immer gern die traditionelle Volksmusik gehört, womit ich mir immer schwerer getan hab, war die Unterhaltungsmusik mit großen Verstärkern und Bierzeltmusi.“

Forcher von klein auf

Mit „Klingendes Österreich“ ist der Schladminger aufgewachsen. „Der Sepp Forcher hat meinen Eltern imponiert. Das ist immer geschaut worden, da hat’s auch kein Umschalten gegeben.“

In den letzten Jahren hätten immer wieder Leute gesagt: „He, du wärst der richtige Nachfolger! - Da hab’ ich eigentlich nur schmunzeln müssen.“

Der Schlüssel zur neuen Aufgabe sei dann die Sendung „Winter in Österreich“ gewesen, die er mit Ski-Kollegin Anna Veith moderierte.

„Was mich tatsächlich irgendwo mit Sepp Forcher verbindet, ist das Leben in der Natur“, meint Knauß. „Ich war drei Jahr lang im Sommer Hiatabua auf einer Alm ohne Strom, er war Hüttenwirt. Da kriegst auch das Brauchtum und das Leben rundherum recht gut mit.“

Mehr plaudern

Dem 50-Jährigen ist bewusst, dass er nicht wie Forcher auftreten kann, der Zeit seines Fernsehlebens als weißbärtiger, weiser Mann in die Wohnzimmer schaute. „Ich hab’ einfach nicht das Wissen eines Sepp Forcher über Altäre und historische Sachen“, sagt er. „Daher rede ich mit Experten, die mir zum Beispiel eine mittelalterliche Burg erklären.“

Er wird auch nicht Forchers berühmtes "Griaß Gott in Österreich" übernehmen. Eine fixe Begrüßung oder Verabschiedung ist nicht geplant. "Es soll spontan bleiben", meint Knauß. In der ersten Folge heißt es zu Beginn: "Servus, Griaß' enk!"

Der Dialekt

Sein legendärer Vorgänger war auch für einen in ganz Österreich und darüber hinaus verständlichen Dialekt bekannt. Der Obersteirer Knauß lachend über seinen eigenen TV-Dialekt: „Ich red’ wie beim Ski-Kommentieren. Nicht so wie ich dahoam red'. Dann wär’s schlimm, da würde mich ein Teil in Österreich nicht verstehen. Ich hab das Gefühl, das müsste für ganz Österreich passen."

Knauß plaudert in seiner Sendung – im Gegensatz zu Forcher – viel mit den Protagonisten. Dabei werden zumindest in Folge eins eher herkömmliche Rollenbilder bedient. Mit den Musikanten von der „Schülcherleitnmusi“ stößt Knauß bei der Buschenschank an, während sich die Kaffeejause mit den „Bauernmadln“ zuhause abspielt.

„Die Texte handeln schon oft ein bissl davon, wie’s früher war“, sagt er. „Mir ist aber wichtig, dass das eine gewisse Weltoffenheit hat. Ziel ist auch, immer ein bissl was Neues mit dabei zu haben. Junge Leut’, die eine fetzige, fast jazzige Musik spielen, legen sich automatisch nicht mehr auf Klischees fest.“

Positiv bewertet er, dass Traditionen trotzdem bewahrt werden. Knauß: „Ich sehe eine Art Rückbesinnung aufs Regionale, viele sind von dem überpowert, was über Social Media kommt. Die Jüngeren leben für erdige Sachen, die fast schon verschwunden waren, ob's Ziegenzüchten ist oder Schnapsbrennen. Die junge Generation baut wieder viel mehr Gefühl dafür auf.“

Ob er den 90-jährigen Sepp Forcher schon einmal getroffen hat?

"Bisher leider noch nicht"; sagt Knauß. "Er hat mir aber über unsere Regisseurin Elisabeth Eisner (inszenierte schon 'Klingendes Österreich', Anm.) liebe Grüße ausrichten lassen. Wenn er halbwegs z'frieden ist mit der Nachfolge, vielleicht können wir uns mal z'sammhuckn auf einen Kaffee, das wär' natürlich ein Traum."

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