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Kultur Medien
04/03/2021

Gezerre um Gatterer-Preise geht weiter: Gerichtsverfahren droht

Der ÖJC sieht in dem neu geschaffenem Journalistenpreis eine Markenrechtsverletzung und fordert die Löschung des Namens.

von Peter Temel

Ein neuer Journalistenpreis soll an Claus Gatterer erinnern. Die "Auszeichnung für hervorragenden Journalismus im Gedenken an Claus Gatterer", die Ende Jänner präsentiert wurde, wird vom Presseclub Concordia gemeinsam mit der Michael-Gaismair-Gesellschaft Bozen vergeben. Finanziert wird der mit 10.000 Euro dotierte Preis vom Land Südtirol. Verliehen werden soll die Auszeichnung im Juni in Gatterers Südtiroler Heimatgemeinde Sexten.

Die Auszeichnung, hinter der auch frühere Wegbegleiter Gatterers und prominente Journalisten wie Corinna Milborn und Armin Wolf stehen, wurde in Reaktion auf die im Herbst 2019 öffentlich gewordenen Vorwürfe rund um den "Prof. Claus Gatterer Preis" initiiert. Dieser wird seit mehr als dreißig Jahren vom Österreichischen Journalisten Club (ÖJC) vergeben. Was damals geschah: Laut Recherchen des Tiroler Bloggers Markus Wilhelm soll der ÖJC den Sponsoren ein Vielfaches des Preisgeldes in Rechnung gestellt haben. Praktisch alle bisherigen Preisträger forderten daraufhin den Rückzug des ÖJC als Organisator der Auszeichnung. Ein einmaliger Vorgang. Der ÖJC wies die Vorwürfe zurück und will seinen "Prof. Claus Gatterer Preis" auch weiterhin vergeben. Künftig soll es für diesen allerdings kein Preisgeld geben.

Anwaltsschreiben

Es gibt also nun zwei Preise, die das Werk des kritischen und sozial engagierten Journalisten Claus Gatterer, der in Wien tätig war und 1984 verstorben ist, würdigen soll. So weit so gut. Der ÖJC, der sich die Wortmarke „Prof. Claus-Gatterer-Preis“ in Österreich und in Italien markenrechtlich schützen ließ, hat nun aber sowohl an die Südtiroler Gemeinde Sexten als auch an die Michael Gaismair Gesellschaft ein anwaltliches Schreiben wegen „Markenrechtsverletzung“ gerichtet. Das berichtet das Südtiroler Rechercheportal Salto.bz, das auch über einen Sitz in der Jury des neuen Gatterer-Preises verfügt.

Laut dem Bericht enthalte das Schreiben eine Klagsdrohung, aber auch ein Vergleichsangebot. Mit einer Zahlung von rund 1.500 Euro und der Löschung der Bezeichnung „Claus Gatterer Preis“ von der Homepage will sich der ÖJC demnach zufriedengeben. Die Frist dafür, der 15. März, ist aber bereits verstrichen. Die Gemeinde Sexten wolle "es auf ein Verfahren ankommen lassen", schreibt Salto.bz..

Unter dem mit „Wiener Raubrittertum“ übertitelten Artikel weist ÖJC-Präsident Fred Thurnheim in einem Posting die Vorwürfe, sich oder den Verein bereichern zu wollen, zurück. Der ÖJC nehme seine Markenrechte wahr, die Geldforderung würde lediglich die Anwaltskosten abdecken, die der Club sonst aus eigener Tasche tragen würde. "Wir haben immer auf unsere Markenrechte geachtet und diese freundlich und ohne Klage durchgesetzt", schreibt Turnheim.

Der Weg zum Konflikt

Aus dem Salto.bz-Bericht geht auch hervor, dass bereits im Oktober 2018 ein fast gleichlautendes Schreiben wegen "Markenrechtsverletzung" beim Land Südtirol einging, damals beim Landesrat für Kultur, Philipp Achammer. Es ging um einen Claus Gatterer Schülerpreis, welchen das Land Südtirol gemeinsam mit der Gemeinde Sexten künftig vergeben wollte.

Dies dürfte nun auch erklären, warum im Jahr 2018 die Kooperation mit Südtirol zu Ende ging. Das Land hatte die ÖJC-Auszeichnung davor über mehrere Jahrzehnte gesponsert. Daher sprang 2019 das Land Burgenland und die Esterhazy Betriebe GmbH ein. Die Ehrung fand aber nur ein Mal in Eisenstadt statt. Nach den Verwicklungen um die Finanzierung des Preises - u.a. lehnte Blogger Wilhelm die Annahme des Preises ab - stieg auch das Land Burgenland wieder aus.

Zum neuen, eingangs erwähnten Gatterer-Preis notiert der Jury-Sprecher, der einstige "Club 2"-Diskussionsleiter Peter Huemer: „Die Auszeichnung erinnert an einen der ganz großen Journalisten der Zweiten Republik und würdigt Arbeiten, die dem Geist aufgeklärter Toleranz, dem Wissen um unsere Vergangenheit, der besonderen Sorge um soziale und ethnische Minderheiten und dem Zusammenleben in einer offenen sozialen Gesellschaft verpflichtet sind.“

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