Bewegtes Schauspieler-Leben: Karl Fischer

© Kurier/Juerg Christandl

Interview
11/23/2019

Der Mann, der dem Burgtheater den Finger zeigte

Schauspieler Karl Fischer über den neuen Österreich-"Tatort", das Zusammenspiel mit Ehe-Frau Susi Stach, Donna Leon und Theater-Leiden.

Das Zusammentreffen in Kärnten gerät zunächst recht resch. „Du warst einmal ein feiner Kerl, Moritz Eisner. Aber anscheinend hast du dich nicht zu deinem Vorteil entwickelt“, wirft der örtliche Polizeichef Alois Feinig (Karl Fischer) dem herrischen Eisner (Harald Krassnitzer) – der heuer sein 20-jähriges Dienstjubiläum feiert – an den Kopf.

Erst da erkennt er seinen früheren Kollegen. Bei Bier und Rolling Stones werden bald alte Zeiten aufgewärmt und Ermittlungen vorangetrieben, was Co-Ermittlerin Bibi Fellner (Adele Neuhauser) zunehmend missfällt.

Der Mord an einem unbeliebten Holzbaron führt im „Tatort: Baum fällt“ (Sonntag, 20.15 Uhr, ORF2) das Duo aus Wien in die Provinz, wo die so heil wirkende Welt so nach und nach Erschreckendes offenbart.

Zusammenspiel

Getragen ist der neue „Tatort“ vor allem vom Zusammenspiel Karl Fischers mit Krassnitzer. Gemeinsam haben sie vor vielen Jahren schon mal beim „Winzerkönig“ gespielt, erzählt der 63-jährige Fischer.

Das Wiedersehen jetzt beschreibt er so: „Es gibt Leute, die trifft man jede Woche – und man hat trotzdem kaum eine Beziehung.“

Bei Krassnitzer gab es hingegen sofort Anknüpfungspunkte: „Er ist eine Persönlichkeit, der man unglaublich gern zuhört, er macht sich viele Gedanken über die Menschen und die Gesellschaft, ist sehr reflektiert. Es war also nicht nur vom Spielen, sondern darüber hinaus sehr, sehr bereichernd. Das gilt auch für Adele – wobei sie mich im Film ja nicht mag.“

Das Geschehen in „Baum fällt“ dreht sich zunehmend um Polizeichef Feinig. Der strahlt nicht nur buddhistische Gelassenheit aus, sondern hat auch immer passende Sinnsprüche auf Lager. „Diesen Charakter hätte ich gern, nur manchmal kommt mir der Zorn dazwischen und damit eine Wiedergeburt dazu. Aber Feinigs Sprüche sind alle gut, er schafft es halt auch nicht, sie so 100-prozentig zu leben.“

Der gebürtige Niederösterreicher, mit Schauspielkollegin und -lehrerin Susi Stach verheiratet, mit der er auch in den „Vorstadtweibern“ zu sehen war, ist in Film und Fernsehen sehr präsent. Meist in der zweiten Reihe.

In der Titelrolle in Christian Froschs „Murer  Anatomie eines Prozesses“ über den grössten österreichischen Justizskandal um den „Schlächter von Vilnius“ sorgte er im Vorjahr für Aufsehen. „Für mich ist das eine ganz wichtige Arbeit gewesen. Wenn man sagt, die Rolle hat immer recht, ist das richtig, aber das war hier schwer umzusetzen. Aber es ist ein Film geworden, von dem ich sagen kann, der bleibt.“ Dass er deshalb nun andere Angebote bekommen würde, ist allerdings nicht der Fall. „Ich habe manchmal ein wenig das Gefühl, dass sich zwar viele Menschen diese Filme ansehen, aber Regisseure die Arbeiten der anderen nicht – auch nicht in Österreich. Das mag eine gewisse Eigenschaft hierzulande sein, dass man den Erfolg dem anderen nicht so ganz vergönnt“, sagt Fischer.

Neue Stadtkomödie

Am anderen Ende der emotionalen Bandbreite angesiedelt ist ein sehr skurriler Charakter, den Fischer am Montag in Sascha Biglers Stadtkomödie gibt. „Der Fall der Gerti B.“ (20.15 Uhr, ORF1), in der er gemeinsam mit Stach und Cornelius Obonya sowie Christiane Hörbiger als Gaststar zu sehen ist, erzählt von drei Freunden, die einander nach 40 Jahren wieder treffen. Der Anlass dafür: Jonas L. (Obonya), Uhrmacher aus Leidenschaft, soll als Auftragskiller Franz A. (Fischer) liquidieren, der als Bordell-Besitzer auch schon bessere Tage gesehen hat. Für diese Rolle hat sich Fischer ein reales Vorbild gesucht: Maxim-Besitzer Pepi Stern. „Ich hatte ihn in einer Reportage im Privatfernsehen gesehen, ein schräger Vogel. Das war eine gute Anregung dafür, wie Franz A. nun redet und sich bewegt.“

Dass er wieder mit seiner Ehefrau vor der Kamera stand, hat er genossen. „Sie ist ja eine fantastische Schauspielerin“, streut er ihr Rosen. Allerdings: „In der Vorbereitung sind wir uns ein wenig aus dem Weg gegangen. Zuhause hat sich jeder für sich vorbereitet, damit das noch frisch ist, wenn man vor der Kamera steht.“

Letzter Brunetti

Seit vielen Jahren spielt Fischer auch als Sergente Vianello an der Seite von Uwe Kockisch in den Brunetti-Krimis. Am 25. Dezember wird mit „Stille Wasser“ die letzte neue Folge in der ARD zu sehen sein. „Donna Leon mochte die Filme nie“, schmunzelt er. „Aber man kann halt einen 350-Seiten-Roman nicht bis ins Detail in 90 Minuten nacherzählen.“

Fingerzeig des Schicksals

Begonnen hat Fischer am Theater. Auf die Ausbildung am Reinhardt-Seminar folgten Engagements an mehreren deutschen Häusern. Ab 1992 folgte das Burgtheater - eine Zeit, die ihn geprägt hat, aber anders als man denken möchte. "Manfred Karge hatte mich für eine sehr schöne Rolle in einem Jelinek-Stück nach Wien geholt - es war ein großer Erfolg. Als Karge wegging, bin ich im 130-Personen-Ensemble herum gehangen."

Es klingt nach verlorener Zeit, wenn Fischer davon erzählt. "Aber wir haben halt das Geld gebraucht und es sind da gerade unsere Kinder auf die Welt gekommen. Das war eine nicht sehr erfreuliche Episode meines beruflichen Lebens." Er sei seit damals nur einmal im Akademietheater gewesen. "Ich habe das sehr lang in mir getragen - immer wenn ich in der Zeit bei der Burg vorbeigefahren bin, habe ich aufs Rathaus geschaut und in die andere Richtung ging der Mittelfinger. Aber das ist inzwischen vorbei." Die Gegenwart ist ja auch viel Spannender. Es könnten wieder Kino-Filme folgen. "Es ist da halt wie immer die Finanzierung schwierig und deshalb möchte ich noch nicht darüber reden."