MR Film-Produzent Oliver Auspitz kündigt Drehstart für Fußball-Serie "Das Netz/The Net" an

© Nuno Filipe Oliviera / MR Film

Interview
01/02/2021

"Das ist fast wie ein K.-o.-Schlag"

MR Film-Produzent Oliver Auspitz über den Dreh zu "Vienna Blood 2", die letzten "Vorstadtweiber" und eine neue, große Fußball-Serie.

von Christoph Silber

Durch die Corona-Erkrankung von Regisseur Robert Dornhelm war es hierzulande wohl die prominenteste TV-Produktion des Jahres: „Vienna Blood 2“ mit Juergen Maurer und Matthew Beard.  Doch da gab es noch mehr…
 
Konnte "Vienna Blood 2" abgeschlossen werden?

Wir haben noch vor Weihnachten alles abgedreht, das heißt, wir sind jetzt in der Postproduktion. Für uns alle ist das eine große Erleichterung, weil wir uns die ganze Dreh-Saison über in irgendeiner Form ständig mit Corona herumschlagen mussten. Die Schlagzeilen um die Erkrankung von Robert Dornhelm haben wir ja alle noch vor Augen. Wenn man dann ein solches Projekt ins Ziel bringt und das auch noch gut, dann fällt einem wirklich eine große Last von den Schultern. Was man an der Stelle auch betonen muss, umsetzbar war das nur durch den Corona-Ausfallsfonds der Bundesregierung. "Vienna Blood 2" ist ja ein Projekt mit einem Budget von immerhin 15 Millionen, das greift man in Zeiten wie diesen sonst nicht an.

Zu Beginn ist Marvin Kren ("Freud") für den erkrankten und glücklicherweise wieder gesundeten Dornhelm als Regisseur eingesprungen. Wie ging das?

Man muss hervorheben, dass Marvin Kren von sich aus angeboten hat, seinen langjährigen Freund Dornhelm zu unterstützen. Das hatte in dieser angespannten Situation eine unglaublich positive Wirkung auf die ganze Produktion. Er hat das in der Folge auch nicht so umgesetzt, dass er sich selbst vorangestellt hätte, sondern er hat es tatsächlich "in Vertretung" gemacht. Das Team hat sich wohlgefühlt. Er hat sich wohl gefühlt. Den Übergang dann zu Robert Dornhelm, als er endlich ans Set zurückkehren konnte, hat man eigentlich gar nicht so richtig wahrgenommen. Was Marvin da getan hat, war großartig.

Stand diese Produktion an der Kippe?

Ja, definitiv. Wenn man nur ein paar Tage vor Drehstart erfährt, dass der Regisseur, der alle drei Teile einer Großproduktion machen soll, an Corona erkrankt ist, dann weiß man nicht, wie es weitergeht. Da kann man noch so viel finanzielle oder versicherungstechnischen Ausfallszusagen haben. Das ist fast wie ein K.-o.-Schlag.  An dem Punkt, da geht es um Alles oder Nichts und wir konnten nur tun und hoffen. Wie so oft im Leben, mit der Anzahl der Einschläge und der Vorfälle wird man natürlich routinierter, man lernt, damit umzugehen und das entsprechend einzuordnen.

Gab es noch mehr „Einschläge“?

Ja, ein englischer, ausführender Producer ist erkrankt und hat das Virus, natürlich unabsichtlich, noch an eine weitere Person im engsten Kreis weitergegeben. Aber das hatten wir im Griff, irgendwie. Das wichtigste ist, dass all die Personen - es gab noch ein, zwei mehr, die daran erkrankt sind - die Erkrankung gut überstanden haben und sie ohne Spätfolgen gesund geworden sind und bleiben. Im Endeffekt geht es nur darum.

Jetzt hat das Ganze natürlich eine wirtschaftliche Komponente. Stichwort: Ausfallsfonds.

Der Ausfallsfonds ist eigentlich die Quintessenz, warum in Österreich gedreht werden konnte und weitergedreht werden kann. Denn in der Filmproduktion, bei den hohen Volumina, kann niemand, weder ein Sender und schon gar nicht der Produzent, das Risiko dafür übernehmen, nicht versichert zu sein. Mit dem Ausfallsfonds war es möglich, die Produktionen am Leben zu halten. Es sind alle Projekte, die geplant waren, nicht nur unsere, damit durchgeführt worden. Damit hat die österreichische Filmbranche ein ganz starkes Zeichen in Europa gesetzt. Das heißt, der Fonds unterstützt die Filmwirtschaft perfekt und man erzielt sehr viel mehr an wirtschaftlichen Effekten, als tatsächlich an Fondsmitteln einzusetzen sind.

Das heißt, es ist wichtig, dass es damit weitergeht.

Absolut und es ist das bereits fixiert.  Wirtschaftsministerium und AWS haben die Verlängerung des Fonds mit der Obergrenze von 25 Millionen bis 30. Juni 2021 bekannt gegeben. Das ist großartig. Denn auch wenn jetzt langsam geimpft wird, wissen wir, dass sich Corona in den nächsten Monaten nicht auflösen wird. So ist gesichert, dass im kommenden Halbjahr in Österreich weiter produziert werden kann.

Es gab ja die Zusicherung des ORF, dass er sich an durch Corona verursachten Mehrkosten in Österreich beteiligt. Hat man auf dem Küniglberg Wort gehalten?

Zu 100 Prozent.

Habt Ihr nun genug von "Vienna Blood" oder soll es weitergehen und wie sehr ist das vom Erfolg von Staffel 2 abhängig?

Es wird definitiv eine dritte Staffel geben. Steve Thompson schreibt bereits an den nächsten drei Folgen. Sie werden 2022 wieder mit Matthew Beard und Juergen Maurer verfilmt.

Am 11. Jänner startet in ORF1 mit der 5. Staffel der "Vorstadtweiber“ ein weitere MR Film-Produktion. Staffel 6 wurde und wird gedreht. Da geht’s ja eher enger zur Sache. Spielt es etwa fürs Buch eine Rolle, dass es eine 100prozentige Corona-Produktion ist?

Nein, gar nicht. Ich würde sogar meinen, die "Vorstadtweiber“ sind in dieser letzten Staffel wieder sehr viel näher an ihrem Ursprung. Die erste Hälfte von Staffel 6 ist abgedreht, die zweite Hälfte folgt ab Mitte März. Und die ersten Muster zeigen pure Lebensfreude, nichts Düsteres. Alle die an der Herstellung beteiligt sind, haben so sehr das Bedürfnis, zu lachen, zu bewegen oder zu erregen, es macht richtig Spaß, dieses Spiel zu verfolgen, selbst wenn es auch hier eine Drehunterbrechung aufgrund einer Covid-Erkrankung gegeben hat.

Ihr habt ja wirklich in die Vollen gegriffen: Auch die neue Staffel von "Schnell ermittelt“, quasi die Neuerfindung dieser Serie, ist nach dem ersten Lockdown entstanden.

Hier hatten wir das Glück, dass es keinen einzigen Vorfall gab, sieht man davon ab, dass der Lockdown kam, als wir zu drehen beginnen wollten. Damals gab es die ganzen Regelungen noch nicht, wir mussten also die Drehvorbereitungen abbrechen und das Ganze aufschieben.  Herausgekommen ist ein Spin-off der eigenen Serie. Das Publikum darf gespannt sein.

Auch wenn die "Vorstadtweiber“ bald auslaufen, das tiefe Loch droht nicht?

(lacht) Nein, gar nicht, auch wenn sie uns große Freude gemacht haben. Als MR Film blicken wir positiv auf 2021.

Was sind denn die nächsten Projekte?

Vieles ist noch im Laufen. Was ich schon sagen kann ist: Wir sind dabei, zusammen mit Red Bull und Servus TV sowie der Netz GmbH, Beta FILM und der ARD eine große internationale Serie aufzusetzen: "Das Netz/The Net". Wir sind sehr optimistisch, dass wir im Mai in den Drehstart gehen können. Wir befinden uns in der Phase der Endfinanzierung. Das wird ein wirklich forderndes und besonderes Stück zum Großthema Fußball, Prädikat: High Quality TV. Mehr möchte ich dazu aber noch nicht sagen.

 

 

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