Clemens Pig: „Skandale mit aller Härte aus dem ORF entfernen“
Transparenz, aber kein Bruch des Datenschutzes: Clemens Pig wird im Stiftungsrat seine Direktoren-Auswahl, aber auch das engere Bewerber-Umfeld erläutern.
Clemens Pig ist ab 2027 neuer ORF-Chef. Er hat am Dienstag dem ORF-Stiftungsrat seinen Vorschlag für ein neues Führungs-Team zur Abstimmung vorgelegt: Vier zentrale Direktoren und neun für die Bundesländer, die vom ORF-Stiftungsrat mit großer Mehrheit bestätigt wurden.
Die amtierende Generaldirektorin Ingrid Thurnher hat zudem heute angekündigt, dass der ORF eine Verfassungsbeschwerde gegen die von der Bundesregierung veranlasste Streichung von jährlich rund 90 Millionen Euro aus dem Bundesbudget einbringen wird.
Pig hat am Dienstag in der ZiB 2 die Kritik der FPÖ am Bestellvorgang seines neuen Direktorenteams zurückgewiesen und sieht dieser „gelassen entgegen“. Es habe in der gesamten Geschichte von ORF-Direktorinnen und Direktorenbestellungen „noch nie so einen transparenten Prozess und so einen objektiven Prozess“ gegeben - mit „null Einfluss der Politik“, wie er betonte.
Zu Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Wien gegen den aktuellen Stiftungsratsvorsitzenden Heinz Lederer sagte Pig, er könne die Vorgänge nicht einordnen. „Das hat offenbar in einer Zeit stattgefunden, da war ich noch Chef der Austria Presse Agentur.“
Es liege ein Anfangsverdacht vor, räumte er ein. Pig verwies aber auf den Abstand zwischen Anfangsverdacht und Gerichtsverfahren. Themen rund um den Stiftungsrat lägen zudem nicht in „seiner Einflusssphäre“.
„Skandalen und Unzumutbarkeiten aus dem ORF entfernen“
Angesprochen auf die Lage im Stiftungsrat und den heutigen Rücktritt von Vize Gregor Schütze sagte Pig, der ORF befinde sich seit März „in einem Fahrwasser an permanenten Veränderungen“. Auch sprach er von einem „Imageproblem“, da „bestimmte Exponenten den ORF teils als Möglichkeit für persönlichen Vorteil“ begriffen hätten. Das sei „auf das Schärfste abzulehnen“, sagte Pig.
Gemeinsam mit seinem Direktorium und der amtierenden Generaldirektorin Thurnher wolle er „alles, was an Skandalen und Unzumutbarkeiten da ist, mit aller Härte aus dem Unternehmen entfernen“ und den ORF zudem „von der Politik emanzipieren“.
Ziel sei es, verlorenes Vertrauen durch „transparente, saubere und nachvollziehbare Arbeit“ zurückzugewinnen.
Einsparungen im ORF
Zu den angekündigten Einsparungen von 80 bis 95 Millionen Euro sagte Pig, der ORF müsse zwar in der aktuellen wirtschaftlichen Lage einsparen, er kritisiert aber die Kurzfristigkeit: Das Gesetz sei erst wenige Tage alt, das Medienhaus müsse aber bereits ab Jänner den Betrag einsparen.
Pig kündigte an, rechtliche Schritte prüfen zu wollen, eine Rückfrage an die Politik „allenfalls auch an den Verfassungsgerichtshof“ zu stellen, wie die Verpflichtung zur Einsparung in dieser Form zustande gekommen sei. Eine Erhöhung der Haushaltsabgabe bezeichnete er als „Denkmodell“, konkrete Zahlen konnte er aber noch nicht nennen.
Auf die Frage nach etwaigen betriebsbedingten Kündigungen im ORF sagte Pig: „Ich kann das zum aktuellen Zeitpunkt leider nicht ausschließen.“
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