Shary Reeves moderierte den "Brennpunkt Rassismus" in Carolin Kebekus' ARD-Show 

© WDR

Kultur Medien
06/05/2020

Carolin Kebekus zeigte in ihrer TV-Show "Brennpunkt Rassismus"

Weil die ARD bisher keinen eigenen "Brennpunkt" zum Thema gesendet hatte, übernahm die Comedienne.

Normalerweise macht Carolin Kebeuks Comedy, doch am Donnerstag widmete sie sich in ihrer ARD-Show in einem "Brennpunkt" dem Thema Rassismus.

"Rassismus tötet, auch in Deutschland. Und damit müssen wir uns alle auseinandersetzen – auch wenn's wehtut. Und da die ARD bisher keinen Brennpunkt dazu gemacht hat, machen wir einfach einen“, erklärt Kebekus am Anfang ihrer "Carolin Kebekus Show". Dann übergibt sie die Bühne an Schwarze, die von ihren Erfahrungen mit Rassismus in Deutschland berichten.

Wie eine Schwangerschaft

Die Moderation des "Brennpunkts" im "ersten deutschen weißen Fernsehen" übernimmt Shary Reeves ("Wissen macht Ah").  „Menschen mit heller Haut können nicht nachempfinden, was Menschen mit dunkler Haut fast täglich an Benachteiligungen widerfährt“, erklärt sie.

Sie selbst vergleiche das immer mit einer Schwangerschaft: „Ich hab' keine Ahnung, was es bedeutet, schwanger zu sein. Warum? Ganz einfach: Ich war's nämlich noch nie. Deswegen können Sie Rassismus auch nicht nachvollziehen.“

"Die Schwester weigerte sich, mir zu helfen"

Danach schilderten Schwarze aus Deutschland wie der Sänger Marius Jung, die grüne Politikerin Aminata Touré und der ehemalige BVB-Spieler Patrick Owomoyela rassistische Alltagserfahrungen.

Die Autorin Jasmina Kuhnke erzählte, sie habe einmal im Krankenhaus um ihr Leben gekämpft: „Die diensthabende Schwester weigerte sich, mir zu helfen. Sie weigerte sich mit den Worten, dass sie schwarze Menschen nicht so gerne anfasst.“

Schilderungen in 8 Minuten und 46 Sekunden 

Schauspielerin Thelma Buabeng berichtete, wie sie wegen Schmerzen eine anthroposophische Frauenärztin aufgesucht habe. Die erklärte ihr: „Frau Buabeng, Sie müssen gar nicht weiterreden. Das ist ganz typisch bei afrikanischen Frauen. Sie tragen den Schmerz der afrikanischen Frau in Ihrem Becken. Sklaverei, Kolonialismus, Vergewaltigung.“ Sie solle einfach zuhause Trommelmusik anmachen und den Schmerz rausschütteln.

Die Schilderungen dauerten 8 Minuten und 46 Sekunden – so lange wie der Polizist in Minneapolis auf George Floyd gekniet hatte.

Lob für Kebekus ...

Auch Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf hatten im Mai 15 Minuten Sendezeit für ein ernstes Thema reserviert – bei ihnen war dies Belästigung von Frauen.

Eine Twitter-Nutzerin schrieb zu dem Rassismus-Schwerpunkt bei Carolin Kebekus: „Aus den USA kennt man das ja schon länger, aber auch in D übernehmen immer öfter Comedians, Satirikerinnen und Late-Night-Talker in bestimmten Bereichen den Job der etablierten Medien. Das ist cool – noch besser wärs aber, wenn das nicht nötig wäre.“

... und Kritik für Maischberger

Lautstarke Kritik gab es zuletzt für die ARD-Talkshow von Sandra Maischberger: Sie hatte für ihre jüngste Sendung, in der es auch um Rassismus ging, zunächst eine Gästeliste präsentiert, die ausschließlich aus weißen Personen bestand.

Dass keine einzige von Rassismus betroffene Person zu diesem Thema eingeladen wurde, sorgte vor allem in sozialen Medien für Kritik. In letzter Minute war dann die afroamerikanische Germanistikprofessorin Priscilla Layne angefragt und per Videotelefonie aus den USA zugeschaltet worden. 

Auch sie selbst kritisierte auf Twitter die Einladungspolitik von Maischberger: "Ich merke jetzt, dass diese Einladung viel von dem Bullshit widerspiegelt, den Schwarze Deutsche erleben müssen: Etwa aufgrund von Gatekeeping und institutionellem Rassismus aus wichtigen Konversationen ausgeschlossen zu werden."

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