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Kultur Medien
03/10/2019

Arabella Kiesbauer: "Herz und Schmerz haben kein Ablaufdatum"

Die ROMY-nominierte „Bauer sucht Frau“-Moderatorin im Interview über Schüchternheit, Talkshows und Sozialporno.

von Nina Oberbucher

Als Amors kleine Helferin verkuppelt sie seit 2014 in der ATV-Sendung „Bauer sucht Frau“ Single-Landwirte, Ende April dreht Arabella Kiesbauer bereits für die 16. Staffel. Heuer ist die 46-Jährige in der Kategorie Show/Unterhaltung für eine ROMY nominiert.

KURIER: Wann haben Sie bemerkt, dass Sie ein Talent dafür haben, Menschen zum Reden zu bringen?

Arabella Kiesbauer: Sehr spät. Eigentlich erst mit 17. Als ich mit der TalkshowArabella“ angefangen habe (ab 1994 bei ProSieben, Anm.), habe ich mir auch noch sehr schwer getan. Ich musste wirklich meine Schüchternheit überwinden.

Und wie ist Ihnen das gelungen?

Es war schrecklich (lacht). Wenn ich einmal drinnen war im „Talken“, ist es gegangen, aber der Anfang war immer furchtbar. Ich habe versucht, mich zu motivieren und zu beruhigen, indem ich mir gesagt habe: „Ich muss mich jetzt mal ein paar Monate überwinden und dann kann ich ja wieder damit aufhören. Nicht, weil es nicht funktioniert hat, sondern weil ich aufhören möchte.“ Aber bald hat mir die Talkshow soviel Spaß gemacht, dass zehn Jahre daraus geworden sind.

Von Schüchternheit merkt man heute nichts. In den Sendungen gehen Sie offen auf die Leute zu, zeigen keine Berührungsängste. Werden die Menschen dann manchmal zu redselig bei Ihnen?

Ach, man kann nicht zu redselig sein! Nein! Das ist doch gut!

Bekommen Sie nicht manchmal Dinge zu hören, die Sie lieber nicht erfahren hätten?

Ich bekomme sehr viele Dinge zu hören, das stimmt. Anscheinend bin ich so vertrauenserweckend, dass mir viele Leute – nicht nur im Fernsehen, auch im privaten Bereich – Sachen verraten und dazu sagen: „Wissen Sie, das habe ich noch nie jemandem erzählt.“ Ich höre gerne zu und es interessiert mich auch. 

Bauer sucht Frau“ startet heuer in die 16. Staffel. Warum ist das Format so lange schon so erfolgreich?

Herz und Schmerz haben kein Ablaufdatum. Jeder sehnt sich ganz romantisch nach der großen Liebe. Manch einer hat das Glück, ihn oder sie zu finden, bei manchen ist es temporär und wieder andere sind ewig auf der Suche. Aber es ist ein Thema, das auf die eine oder andere Art jeden beschäftigt.

Mit dem Thema Landwirtschaft haben aber nicht alle Zuseher etwas zu tun.

Die Landbevölkerung hat natürlich schon was damit am Hut, weil die Sendung aus ihrer unmittelbaren Erlebniswelt kommt. Und die Städter sehen „Bauer sucht Frau“ gerne wegen der Landromantik. Dass da ein harter Alltag dahintersteckt, das ist die andere Seite. Aber auf den ersten Blick schaut alles sehr idyllisch aus.

Können Sie den Vorwurf des Sozialpornos verstehen?

Ich bin mit diesem Vorwurf schon seit vielen Jahren, wenn nicht Jahrzehnten konfrontiert, schon als ich „Arabella“ gemacht habe. Natürlich schaut man anderen beim Leben zu. Aber das ist ein Vorwurf, den ich auch Journalisten machen könnte, weil sie ja auch Leute interviewen. Sobald man sich mit Menschen beschäftigt, stellt sich natürlich immer die Frage: Woher kommt dieses Interesse? Ist es ehrlich gemeint oder ist vielleicht ein bisschen Guckloch dabei? Aber ich finde das auch nicht schlimm. Meine Güte, man orientiert sich auch ein bisschen am anderen, sieht vielleicht: „Mei, der hat ja dieselben Probleme wie ich.“ Man freut sich mit, ärgert sich mit, leidet mit – das ist wahrscheinlich auch das Erfolgsgeheimnis dieser Formate.

Der Hype um Talkshows war dann aber irgendwann vorbei. Warum?

Es war ein unglaublicher Erfolg, deswegen ist das Konzept auch stark kopiert worden. Die Sender haben sich kannibalisiert, haben alles mit Talkshows zugepflastert. Das hat um 10 am Vormittag angefangen und um 16 Uhr aufgehört, auf allen Kanälen. Da war einfach ein Überangebot da und natürlich hat jeder versucht, den anderen zu übertrumpfen. Diese Gier nach Quoten-Highlights hat das echte Leben nicht mehr bieten können, da mussten dann Drehbücher her- der Beginn der Scripted-Reality-Formate. Wobei ja nicht viel Reality dabei war, muss man sagen.

Folgt „Bauer sucht Frau“ denn einem Drehbuch?

Gar nicht. Ich kann natürlich nur von meiner Sendung sprechen, denn das ist ja ein weltweit sehr erfolgreiches Format. Wir haben echte Bauern und keine Schauspieler und das ist auch das Schöne für mich: Ich muss auf alles gefasst sein, weil ich nie weiß, was passieren wird.

Und es gibt auch keine freundlichen Hinweise für die Bauern?

Wenn die Damen für die Hofwochen kommen, sagen wir den Bauern natürlich schon: „Bitte, überlegt euch ein Programm. Die Damen wollen euch und den Betrieb kennenlernen, sie wollen wissen, welche Hobbys ihr habt und wie ihr lebt.“ Einfach nur drauf zu warten, dass die Zeit vergeht in der Woche, das soll es ja auch nicht sein.

Für Sie startet jetzt die 5. Staffel "Bauer sucht Frau". Welche Teilnehmer sind Ihnen denn besonders im Gedächtnis geblieben?

Ich habe schon ein Herz für die schüchternen Bauern. Natürlich auch für die Extrovertierten, aber die Schüchternen wachsen schon sehr mit der Sendung. Das ist wirklich schön, wenn man sieht, wie sie im Laufe der Show an Selbstbewusstsein gewinnen. Und selbst, wenn es in der Sendung nicht mit der Richtigen klappen sollte, haben sie danach eine ganz andere Art, auf Frauen zuzugehen. Die machen ihr Ding dann auch alleine.