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Kultur Medien
03/13/2021

50. "Tatort" von Harald Krassnitzer: "Ich bin kein Statistiker"

Seit 1999 ermittelt Harald Krassnitzer als Moritz Eisner im "Tatort". Sein 50. Fall (20.15/ORF2) „Die Amme“ offenbart auf mehreren Ebenen emotionale Abgründe.

von Marco Weise

Der Mann hat Durchhaltevermögen: Harald Krassnitzer wird heute, Sonntag, nämlich bereits zum 50. Mal als Moritz Eisner im Einsatz sein. Aber von Routine will er nichts wissen: „Das Wichtigste ist, nicht stehen zu bleiben, sondern immer einen frischen Blick auf die eigene Figur zu bekommen.“

KURIER: 2020 haben Sie Ihren 60. Geburtstag gefeiert. Heute ist Ihr 50. „Tatort“ im Fernsehen zu sehen. Sie halten bekanntlich wenig von Jubiläen, aber sind Sie nicht ein bisschen stolz?

Harald Krassnitzer: Ich juble nicht und beklatsche mich nicht selbst. Ich will dafür auch keine Medaille oder sonst irgendwas. Ich freue mich einfach nur darüber, dass wir wieder einen tollen Film gemacht haben. Ob das jetzt mein 47. oder 50. Fall ist, interessiert mich nicht. Damit kann ich nicht viel anfangen. Es ist auch nicht mein Beruf: Ich bin kein Statistiker, sondern Schauspieler.

Ihre Figur, der Eisner, wirkt im Gegensatz zu früher ruhiger, gelassener. Hat er seine innere Mitte gefunden?

Gelassener würde ich jetzt nicht sagen, denn es gibt schon immer wieder Situationen, in denen Eisners Ausraster eine gewisse rigide Qualität haben. Sie kommen aber nicht mehr so häufig vor, das stimmt. Uns ist es wichtig, dass das in die Geschichte eingebettet ist und nicht a priori als Stilmittel verwendet wird. Man muss ja auch nicht immer wild herumschimpfen und völlig ausflippen, sondern kann seinen Unmut auch anders zeigen.

Niemand war vor Ihnen so lange im Einsatz. Kennt man nach so vielen Fällen das Erfolgsrezept für einen guten „Tatort“?

Wenn wir anfangen, wissen wir im Grunde genommen, wo wir hinwollen. Das ist wie eine Partitur, aber mit offenem Ausgang. Denn niemand kann am Anfang sicher sagen und wissen, ob das, was wir uns vorgenommen haben, am Ende auch aufgeht und funktioniert. In diesem Fall, also bei „Amme“, ist uns das auf jeden Fall wieder sehr gut gelungen.

Wie wichtig ist das Umfeld, der gegenseitige Austausch im Vorfeld der Dreharbeiten?

Sehr wichtig. Normalerweise trifft sich der harte Kern regelmäßig zum persönlichen Austausch. Da das coronabedingt derzeit sehr schwierig ist, telefonieren wir eben miteinander oder nutzen die derzeit möglichen Mittel der Videotelefonie. Es sind stets intensive Gespräche, bei denen jeder sagt, was ihm wichtig ist, wo es bei Drehbüchern und Geschichten noch Entwicklungspotenzial gibt. Das Ganze ist auch eine Art Manöverkritik, alles immer sehr konstruktiv.

Wer entscheidet dann darüber, welches Thema, welches Drehbuch als nächstes verfilmt wird?

Es gibt Vorschläge von Autoren, die von der Redaktion vorab gesichtet und mit Adele und mir besprochen werden. Dadurch wird im besten Fall eine Assoziationskette ausgelöst – es wird recherchiert und werden Ideen gesammelt. Dann geht es in die Entwicklung. Und dann gibt es vor den Dreharbeiten noch Feedbackrunden, in der Schwachstellen im Drehbuch angesprochen werden. Man kann sich das wie ein kreatives Biotop vorstellen, das von ORF-Redakteur Bernhard Natschläger ins Leben gerufen wurde. Damit wurde ein offener und sicherer Raum geschaffen, wo man unsicher sein und Blödsinn reden darf, ohne dafür verurteilt zu werden; in dem sich Adele und ich im Vorfeld mit Redakteuren, Drehbuchautoren austauschen können.

Haben Sie auch bei der Auswahl des Regisseurs, der Regisseurin Mitspracherecht?

Nein, das bestimmt die Redaktion, was auch gut ist. Bisher gab es auch nie Grund zur Beschwerde. Und es ist auch von Vorteil, dass auch immer wieder andere Regisseure, andere Regisseurinnen und neue Gesichter dazu geholt werden. Immer mit den selben Leuten zu arbeiten, wäre ja langweilig und schlecht für den „Tatort“.

Vergangenes Jahr hatten Sie trotz Corona viele Drehtage. Wie sieht es heuer aus?

Dieses Jahr drehen wir zwei neue Fälle – einen im Juni, einen im September. Dann werden hoffentlich noch jene Projekte nachholen, die bereits mehrfach verschoben wurden. Aber mal sehen, wie sich die Pandemie dieses Jahr noch so entwickelt und welche Virus-Mutationen noch so kommen.

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