Kultur
18.01.2012

Maïwenn Le Besco im KURIER-Interview

Mit ihrem Polizeifilm „Polisse“ landete sie einen Überraschungserfolg in Cannes. Die Regisseurin und Schauspielerin im Interview.

Sie ist hübsch, wild entschlossen, professionell, aber auch manchmal ganz schön zickig: Maïwenn Le Bescos Polizeifilm „Polisse“ war 2011 einer der Überraschungserfolge in Cannes und wurde mit dem Preis der Jury ausgezeichnet.

KURIER: Was hat Sie an dem unpopulären Thema Polizeiarbeit interessiert?

Maïwenn: Ich sah im Fernsehen eine Doku über eine Pariser Polizeieinheit, die nur im Einsatz zum Schutz Minderjähriger ist. Die furchtbaren Dinge, die die Polizisten erzählten, regten mich auf. Ich konnte das nicht mehr aus meinem Kopf bringen. Also beschloss ich, daraus einen Film zu machen.

Haben Sie auch bei Beamten recherchiert?

Ja, und es beeindruckte mich, mit welcher Ernsthaftigkeit und Leidenschaft sie ihre Arbeit tun. Keiner oder keine darf länger als zehn Jahre in der Spezialeinheit gegen Kindesmissbrauch bleiben – das wäre unverantwortlich, denn länger kann das keiner verkraften.

 

Sind die Fälle, die Sie im Film zeigen, erfunden?

Nein, alle sind real. Es ist meine Obsession, die Wahrheit zu zeigen. Was mir auch beim Dreh einige Probleme brachte: Die Szenen mit den Kindern durfte ich nur drehen, nachdem ich zugestimmt hatte, dass ich jedes Wort des Scripts einhalte und nichts abändere.

Hatte Ihre frühere Ehe mit Starregissseur Luc Besson Einfluss auf Ihre Karriere?

Ich möchte darüber nichts sagen, außer: Es hat mir sehr geschadet. Als ich begann, selber Drehbücher zu schreiben, spotteten die Leute: Die Ex von Besson will sich selbst verwirklichen. Erst als mein Stück „Le pois chiche“ gut lief, ließen mich die Leute in Ruhe.

Ist es generell schwer für eine Frau, sich als Filmemacherin durchzusetzen?

Ja, das ist es. Regisseur zu sein ist eine Männerdomäne. Spätestens wenn man mit den Financiers verhandelt, wird einem das bewusst. Die nehmen dich als Frau nur ungern ernst.